Elli testet bidirektionales Laden zu Hause

Cover Image for Elli testet bidirektionales Laden zu Hause
Copyright ©

Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die VW-Tochter Elli hat die IAA Mobility 2025 in München genutzt, um ein neues Kapitel beim bidirektionalen Laden aufzuschlagen. Im Mittelpunkt steht die praktische Erprobung in deutschen Haushalten. Dabei werden Wallbox, Solaranlage und Elektroauto so kombiniert, dass überschüssiger Strom im Akku gespeichert und bei Bedarf ins Haus zurückgeführt wird. Unter den richtigen Bedingungen können dadurch die Stromkosten deutlich sinken.

Interne Szenarien zeigen, dass sich Einsparungen von bis zu 75 Prozent erreichen lassen, wenn Verbrauchsprofil, Solaranlage und Stromtarif zusammenpassen. Um die Idee aus dem Laboralltag herauszuführen, startet Elli im Dezember eine Pilotphase. Interessierte können sich ab sofort als Testkund:innen bewerben.

Ausgewählte Teilnehmende erhalten eine bidirektionale DC-Wallbox, die speziell für dieses Projekt entwickelt wurde. Der Fokus liegt dabei auf Nutzer:innen aus dem Volkswagen-Umfeld sowie auf Haushalten, die bereits mit einem PV-Partner zusammenarbeiten. Ziel ist es, das Konzept im realen Alltag zu prüfen und Erfahrungen für einen späteren Rollout zu sammeln.

Die technische Basis bildet eine eichrechtskonforme Wallbox mit elf Kilowatt Ladeleistung. Während der Hardwarepartner Cubos die Station liefert, verantwortet Elli die Software und die App. Über diese können Energieflüsse transparent verfolgt und Lade- oder Entladevorgänge gesteuert werden. Nutzer:innen entscheiden selbst, ob das Auto in erster Linie mobil bleiben, als Heimspeicher dienen oder günstige Strompreise ausnutzen soll. So entsteht ein Energiemanagement, das Auto, Haus und Netz miteinander verbindet.

Bereits kompatibel sind Modelle auf der MEB-Plattform mit 77-kWh-Batterie und Softwarestand ID.S 3.5 oder höher. Dazu zählen Autos von Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Cupra. Diese Technik ermöglicht das bidirektionale DC-Laden und schafft damit die Grundlage für die Erprobung. Parallel arbeitet der Konzern an weiteren Testumgebungen. In Schweden läuft seit 2021 ein Projekt mit einer Wohnungsgenossenschaft, das Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid untersucht. Erkenntnisse aus solchen Praxistests fließen direkt in die Produktentwicklung ein.

Virtuelles Kraftwerk im Fokus der Aktivitäten im Bereich bidirektionales Laden

Auf dieser Basis will Elli das Konzept Schritt für Schritt skalieren. Ein zentraler Baustein ist das geplante virtuelle Kraftwerk, das unter dem Namen Managed Battery Network entsteht. Dort werden Heimspeicher, Großspeicher und Batterien in E-Autos digital gebündelt. Durch intelligente Steuerung können erneuerbare Energien zwischengespeichert und zu passenden Zeiten wieder abgegeben werden. Ein eigenes Trading-Team vermarktet die Flexibilitäten an der Strombörse, auch im kurzfristigen Intraday-Handel.

Für Kund:innen bedeutet das günstigere Ladefenster, für den Markt zusätzliche Regelenergie und für das Netz eine bessere Integration schwankender Einspeisung. Ab 2026 sollen erste Hundertschaften dezentraler E-Autos Teil dieses Netzwerks werden. Bis Ende des Jahrzehnts plant Elli eine deutlich größere Flotte.

„Bidirektionales Laden ist der Möglichmacher der Energieautarkie im eigenen Zuhause“, erklärt Elli-Chef Giovanni Palazzo. „Mit der ersten Ausbaustufe unseres Managed Battery Network heben wir Fahrzeugbatterien und Speicher auf das Niveau systemrelevanter Energieressourcen.“ Damit beschreibt er den Anspruch, Mobilität und Energieversorgung enger zu verknüpfen und für Haushalte wie Netze greifbare Vorteile zu schaffen. Wie stark die Rechnung am Ende sinkt, hängt allerdings von konkreten Voraussetzungen ab.

BMW hat bereits das erste Endkunden-Produkt für bidirektionales Laden auf den Weg gebracht und auch schon eine erste Hausnummer für die möglichen Erlöse genannt: Wer seinen Elektro-BMW mindestens 250 Stunden pro Monat an die Wallbox hängt und somit Flexibilität zur Verfügung stellt, erhält bis zu 720 Euro pro Jahr. Hinzu kommen die Erlöse, die die Abgabe von Strom mit sich bringt. Wie hoch diese ausfallen, muss die Praxis erst noch zeigen.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung per Mail

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Kommentare (Wird geladen...)

Ähnliche Artikel

Cover Image for Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Sebastian Henßler  —  

Michael Jost kritisiert Technologieoffenheit als Ausrede: Wer alle Wege offenhält, geht keinen konsequent – nur das Elektroauto führt zur Klimaneutralität.

Cover Image for So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

Sebastian Henßler  —  

Volvo EX30 Cross Country bleibt ein City-Stromer, wirkt stabiler und vielseitiger. Offroad-Design, solide Reichweite und starke Ladeleistung runden ihn ab.

Cover Image for Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Daniel Krenzer  —  

WLTP- und Testverbräuche hin oder her: Das sind die sparsamsten E-Autos, wenn man auf ihren realen alltäglichen Einsatz schaut.

Cover Image for Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Daniel Krenzer  —  

Nun steht fest, bis zu welchem Haushaltseinkommen die neue E-Auto-Förderung genutzt werden könnte. Es geht dabei nicht nur um E-Autos.

Cover Image for Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

Cover Image for Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.