Elektroauto-Vielfahrerin: „Reichweitenangst ist so 2015“

Cover Image for Elektroauto-Vielfahrerin: „Reichweitenangst ist so 2015“
Copyright ©

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 529653676

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Jana Höffner ist Deutschlands wohl bekannteste Elektroauto-Fahrerin. Manchen ist sie als Zoepionierin ein Begriff, andere kennen sie vielleicht vom Electrify-BW-Podcast oder als Autorin von Emobly. Sie fährt seit dem Jahr 2013 ausschließlich elektrisch und hat dabei schon mehr als 200.000 Kilometer zurückgelegt. In einem Interview mit Techtag sprach Jana Höffner unter anderem über ihr Engagement bei Electrify-BW, das Thema Reichweitenangst und darüber, was Handys mit Autos gemeinsam haben.

Das erste Ziel des Vereins Electrify-BW ist es demnach, über Elektromobilität und neue Verkehrskonzepte zu informieren, so Höffner. Vor allem in den Sommermonaten sei der Terminkalender der Beteiligten „prall gefüllt“ und sie seien „nahezu jedes Wochenende im Land unterwegs“.

Das stetig steigende Interesse an Elektroautos sieht Höffner zum einen darin begründet, dass immer mehr Menschen begreifen, „dass es nicht die beste Idee ist, einen endlichen Rohstoff mit einem miserablen Wirkungsgrad auf Nimmerwiedersehen in einem Motor zu verbrennen“. Zum anderen gebe es viele Kunden, die „Lust an den Vorteilen des Elektroantriebs wie etwa die unvergleichliche Beschleunigung und Dynamik oder die absolute Laufruhe“ finden. Der Abgasskandal und drohende Fahrverbote seien hierbei „wie ein Katalysator, der die Entwicklung beschleunigt.“

Beim Thema Elektromobilität sei momentan „viel Unsinn im Umlauf“, zum Beispiel das „hartnäckige Gerücht, dass ein Diesel viel sauberer sei als ein Elektroauto, wenn es um CO2 geht.“ Vergleiche man allerdings „einen eGolf mit seinen stinkenden Brüdern zeigt sich, dass der Diesel knapp doppelt und der Benziner sogar fast 2,5-mal mehr Kohlendioxid auf den Kilometer erzeugt“. Außerdem habe „jeder Kunde beim Strom die Wahl, zu einem echten Ökostrom-Anbieter zu wechseln und so auch die Energiewende anzutreiben.

Wirtschaft muss „alltagstaugliche Fahrzeuge mit kurzen Lieferfristen bereitstellen“

Höffner äußert in dem Interview auch einige Wünsche an Politik und Wirtschaft, damit die Elektromobilität an Fahrt aufnimmt. Bei der Politik etwa gehe es „um die Voraussetzungen für den Aufbau und Betrieb einer guten Ladeinfrastruktur genauso wie um die negative Incentivierung von klimaschädlichen Technologien, wie Verbrennungsmotoren.“ Die Wirtschaft müsse „alltagstaugliche Fahrzeuge mit kurzen Lieferfristen bereitstellen.“ Es brauche „Autos, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Da geht es um Ladetechnik, Reichweite, Preisgestaltung.“

In Umfragen zum Thema Elektromobilität steht regelmäßig die „Reichweitenangst“ an erster Stelle, wenn es um Nachteile von Elektroautos geht. Das findet Höffner nicht mehr zeitgemäß. „Reichweitenangst ist so 2015“, sagt die Elektroauto-Vielfahrerin. Inzwischen gebe es an den „meisten Autobahnraststätten Schnellladestation und es kommen täglich neue hinzu. Musste man vor drei, vier Jahren eine Fahrt noch akribisch planen kann man heute schon fast einfach drauflosfahren.“

„Ich bin auf  über 200.000 Kilometern noch nie mit einer leeren Batterie liegen geblieben.“

Außerdem schwinde die Reichweitenangst „mit jedem gefahrenen Kilometer im Elektroauto. Denn man lernt schnell, die Reichweitenanzeige zu interpretieren. Die richtige Ladestrategie für den täglichen Bedarf – aber auch für längere Strecken – ist nach wenigen Wochen Routine. Ich selbst bin auf inzwischen über 200.000 Kilometern noch nie mit einer leeren Batterie liegen geblieben.

Man werde beim Auto ähnliches erleben wie bei Handys, meint Höffner: „Heute überlegt keiner mehr, ob er nicht doch besser ein Telefon mit Tasten und zweizeiligem Dot-Matrix-Display kauft. So wird spätesten 2030 keiner mehr überlegen, ob er nicht doch lieber ein Auto mit Verbrennungsmotor kauft.“ Es werde, wenn es günstige Elektroautos und eine gut ausgebaute Infrastruktur gibt, „einen Punkt geben, ab dem es sehr schwer wird, einen Diesel oder Benziner an den Kunden zu bringen.

Quelle: Techtag – Electrify-BW e.V. im Interview: „Reichweitenangst ist so 2015“

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Mazda MX-30 Produktion begonnen – 2020 Verkaufsstart Deutschland – Emobil:

[…] wodurch der Mazda MX-30 eine Reichweite von bis zu 262 Kilometern (WLTP) ermöglicht. Eine Reichweite die im Alltag locker ausreicht. Zumindest, wenn man vom Standard-Fahrprofil ausgeht, welches durch viele Studien bereits im […]

Ähnliche Artikel

Cover Image for So fährt sich das Concept AMG GT XX mit 960 kW Ladeleistung

So fährt sich das Concept AMG GT XX mit 960 kW Ladeleistung

Sebastian Henßler  —  

Wir sind den Concept AMG GT XX exklusiv gefahren: Erste Eindrücke von 1000 kW Power, 600 kW Rekuperation und 960 kW Ladeleistung im Extremtest.

Cover Image for VDA: „Das Auto bleibt die tragende Säule der IAA Mobility“

VDA: „Das Auto bleibt die tragende Säule der IAA Mobility“

Sebastian Henßler  —  

Exklusiv: VDA-Chef Mindel erklärt, warum die IAA Mobility heute mehr ist als eine Autoshow – und welche Rolle München im globalen Dialog spielt.

Cover Image for Messe München: Wächst die IAA der Stadt schon über den Kopf?

Messe München: Wächst die IAA der Stadt schon über den Kopf?

Sebastian Henßler  —  

Exklusiv: Christian Vorländer erklärt, warum die Messe München die IAA langfristig halten will – und welche Strategie dahintersteckt.

Cover Image for Schäfer, Mercedes: China fehlt Formel-1-Technologietransfer

Schäfer, Mercedes: China fehlt Formel-1-Technologietransfer

Sebastian Henßler  —  

Die Rekordfahrt in Süditalien war für Mercedes-AMG mehr als Show. Schäfer sieht darin den Beweis, dass Formel-1-Technik den Unterschied zu China ausmacht.

Cover Image for Deep Dive Concept AMG GT XX – Wir waren in Nardò dabei

Deep Dive Concept AMG GT XX – Wir waren in Nardò dabei

Sebastian Henßler  —  

EAN war bei der Rekordjagd in Nardò vor Ort: Das Concept AMG GT XX setzte 25 Rekorde, wir durften die Technik, das Team und die Abläufe exklusiv kennenlernen.

Cover Image for Zeekr: „Sind ein junges Unternehmen mit europäischer Seele“

Zeekr: „Sind ein junges Unternehmen mit europäischer Seele“

Sebastian Henßler  —  

Zeekr baut Europa zum Kernmarkt aus – mit lokaler Entwicklung, eigenen Teams in Göteborg und Amsterdam sowie klarer Ausrichtung auf Substanz.