Elektroauto-Fahrer wünschen sich deutlich mehr Schnelllademöglichkeiten

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Fast 40 Prozent der Deutschen sind nach wie vor der Meinung, dass das Laden eines Elektroautos zu zeitaufwändig sei und fast die Hälfte sorgt sich um die Verfügbarkeit von Ladestationen, wenn sie unterwegs ist. Diese zwei Wahrnehmungen gehören zu den Top 3 Hindernissen für den Wechsel zum elektrischen Fahren. Mehr (ultra-) schnelle Ladepunkte, insbesondere entlang (internationaler) Autobahnen, an öffentlichen Parkplätzen und Einzelhandelsgeschäften, werden jedoch helfen, zwei Drittel der zukünftigen Elektroautofahrer zu überzeugen, sich für ein Elektroauto zu entscheiden.

Europäische Fahrer von Elektroautos sind immer noch besorgt über Lademöglichkeiten entlang der Straße. Während auch 39 Prozent der Deutschen nicht glauben, dass sie zu jedem Zeitpunkt und an jedem benötigten Ort eine Ladestation finden werden, sind sich 24 Prozent sicher, dass das kein Problem darstellt. Mehr zugängliche Schnellladestationen können somit helfen, diese Hindernisse abzubauen, insbesondere da potentielle Elektroautofahrer bereit sind, mehr zu bezahlen, wenn ihr Auto schneller geladen wird.

Dies sind einige der Ergebnisse des EVBox Mobility Monitor—dem jährlichen Marktforschungsbericht von EVBox, der zusammen mit Ipsos durchgeführt wurde und sich mit der Nutzung von Elektrofahrzeugen und Barrieren dafür beschäftigt. Teilgenommen haben an der Studie 3600 europäische Bürger aus sechs Ländern: Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Norwegen und dem Vereinigten Königreich.

Gespaltene Meinungen der E-Auto-Fahrer zu Ladeinfrastruktur in Europa

Die Verfügbarkeit von Ladestationen entlang der Straße und die Wartezeit bis zum vollständigen Laden des Autos sind nach wie vor zwei der drei Haupthindernisse für den Umstieg auf elektrisches Fahren für europäische und auch deutsche Bürger. In diesem Jahr hat die Zahl von Ladepunkten in Europa fast 250.000 erreicht – eine Zahl, die sich seit 2015 vervierfacht hat.

Der EVBox Mobility Monitor deutet darauf hin, dass diejenigen, die bereits ein Elektroauto fahren, sich dieser Zahl stärker bewusst sind, da ihr Vertrauen in die Verfügbarkeit von Ladepunkten im Vergleich zur generellen Bevölkerung mehr als doppelt so hoch ist (60 Prozent gegenüber 24 Prozent). Damit haben im europäischen Vergleich Elektroautofahrer in Deutschland das größte Vertrauen, Ladepunkte zu finden, gefolgt von britischen (52 Prozent) und niederländischen (52 Prozent) E-Fahrern.

„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass sich Elektroauto-Fahrer mehr Schnellladestationen in Gewerbegebieten, Tankstellen und städtischen Gebieten wünschen. In Deutschland, insbesondere in größeren Städten, hat ein Großteil der (zukünftigen) Nutzer keinen privaten Parkplatz und damit keine Möglichkeit, eine Heim-Ladestation zu installieren. Um auch diesen E-Auto-Fahrern Zugang zu Ladestationen zu geben und mit dem wachsenden E-Mobilitätsmarkt Schritt zu halten, sollte die Politik in den nächsten Jahren Schnellladestationen und besonders Schnellladeparks in Städten fördern“. – Hermann Winkler, Regional Director DACH bei EVBox

Trotz des Masterplans zur Ladeinfrastruktur der Bundesregierung hinkt der Ausbau der öffentlichen und semi-öffentlichen Ladepunkte in Deutschland noch hinterher. Dies spiegelt sich auch in den geteilten Meinungen zur Ladeinfrastruktur wider: 37 Prozent der E-Auto-Fahrer bemängeln diese und 35 Prozent finden sie gut ausgebaut.

4 von 10 zukünftigen E-Fahrern sind bereit, mehr für schnelles Laden zu bezahlen

Mit dem Wissen, dass ihr Elektroauto an einer öffentlichen Ladestation schneller aufgeladen wird, bestätigen 47 Prozent der potentiellen und 57 Prozent der derzeitigen E-Auto-Fahrer, dass sie bereit wären, mehr für schnelles Laden zu bezahlen. Im Gegensatz dazu, sind 22 Prozent der potentiellen und 27 Prozent der aktuellen E-Fahrer nicht bereit, mehr für schnelles Laden zu bezahlen.

Elektroauto-Schnellladen-Kosten

Wenn man die Nutzung des Schnellladens betrachtet wird deutlich, dass es (noch) nicht viele Fahrer gibt, die das Schnellladen regelmäßig nutzen. Nur 22 Prozent der E-Fahrer verwenden ein Schnellladegerät mehr als fünf Mal im Monat. Dies ist allerdings weniger verwunderlich, da der Großteil der Ladevorgänge zu Hause (72 Prozent) oder an Standorten von Einzelhändlern (43 Prozent) stattfindet und das Schnellladen hauptsächlich bei Reisen und längeren Fahrten, die sich vom täglichen Pendeln unterscheiden, erforderlich ist. Gegenwärtig nutzen die meisten E-Auto-Fahrer Schnellladen an Raststätten und Tankstellen entlang von Autobahnen (55 Prozent), im Einzelhandel (48 Prozent) und auf öffentlichen Parkplätzen in Städten (47 Prozent).

Elektroauto-Schnellladen-Standorte

E-Fahrer schätzen High-Tech-Features bei (Ultra-)Schnellladegeräten

E-Auto-Fahrer erwarten von (Ultra-)Schnellladegeräten, dass sie mit allen notwendigen Funktionen ausgestattet sind, um den Ladevorgang so einfach wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel fand einer von vier (25 Prozent) ein gutes Kabelmanagementsystem am nützlichsten. Die drei am häufigsten nachgefragten Merkmale sind: Ladeanzeigen (40 Prozent), die den Status/die Verfügbarkeit der Station aus der Entfernung anzeigen, interaktive Touchscreens (34 Prozent) und eine gute Beleuchtung (28 Prozent).

Quelle: EVBox – Pressemitteilung vom 25.11.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Markus Doessegger:

Das Verhältnis scheint mir auch ein wenig asymetrisch. Wenn ich in die Stadt München fahren würde, dann wäre es wegen einem Aufenthalt von vielleicht 4-5 Stunden ( einkaufen, Freunde treffen, anderer Anlass ) und da werde ich nie eine Schnellladung nehmen, sondern immer einen AC Ladepunkt aufsuchen, um dann mit den ÖV oder zu Fuss weiter zu kommen. Eine Schnellladesäule werde ich schon aus Respekt zu denjenigen freilassen, die ihn wirklich auch brauchen. In 4h 11kW bin ich auf jeden Fall wieder auf 80% und das sind 400km. Genug, um wieder nach Zürich in die Schweiz zu kommen.

Wenn ich jetzt eine Schnellladesäule nehmen würde, dann hätte ich schon einmal 1h Zeitverlust, da ich ja dann im Auto warten müsste, um rechtzeitig wieder wegfahren zu können, und den Platz für jemand anders frei zu machen. D.h. also ich müsste 1h früher eintreffen, um meine Freund zu treffen und das will ich sicher nicht. Also ist der AC die perfekte Lösung, um auch die ganze Zeitspanne ausnützen zu können.

Aus dieser Sichtweise, und ich bin sicher nicht der Einzige, sind halt eine grössere Anzahl AC Ladepunkte schon viel sinnvoller.

Wie ich Anfangs schon sagte, 1DC vs. >100AC ist schon ein wenig schief.

bergfex:

Ich sprach von den Stadtwerken München. Die haben nicht mehr als einen Schnelllader, dafür viele Hundert Typ 2 Ladepunkte.

Alo:

Da war doch noch das Problem mit den Schnellladestationen, das bei häufigem Schnellladen die Batterie Leistung nachläßt. Hat da jemand bereits Erfahrungen gesammelt?

Strauss:

OK, Michael das ist mal eine einfache Zusammenfassung vom Istzustand heute. Sehr gut , logisch erklären. Weniger Zahlen erwähnen, so dass es auch Umstellungswillige verstehen. Keine Widersprüche wie : Reines Èlektrofahren das Beste und die Aussendienstvertreter NA,Ja ?
Und Daniel, wenn Du dann mal so ein ganz kleines Auto hast, wirst Du dann auch mal die Tante im Dorf weit weg besuchen wollen. Schimpfe dann aber ja nicht über zu kleine Reichweite…….

bergfex:

Ich fahre seit Jahren Elektroautos und weiß durchaus, wovon ich rede. Ich kann mit einem „Auto“, das nur 30 km weit fahren kann, einfach nichts anfangen und so wird es den allermeisten gehen. Außerdem habe ich Anstand und schreibe nicht beleidigend, wie Udo.
Etwas Anstand würde Udo nicht schaden.

panib:

Karin, die 3,7 kW Ladeleistung bekommst Du aber nicht aus der Steckdose, ohne dass Dein Elektriker an Deiner Anlage dran war. Eher 2,99 kW.

panib:

Nun ja, 98 % von uns wollen sicherlich etwas anderes fahren.

Michael:

Also, Thema E-Auto laden / bzw. Schnellladen: Am Anfang steht doch die Überlegung, warum und wofür kaufe ich mir eventuell ein E-Auto. Das ist eine ganz persönliche Abwägung. Die vielen Leute, die ein E-Auto und die Ladedauer hier und sonst wo diskutieren, haben meistens gar keins und plappern nur so daher. Schnellladen kommt schon mal nur für Vielfahrer mit längeren Strecken in Frage. Okay, Schnellademöglichkeiten brauchen wir und müssen ausgebaut werden. Keine Frage. Aber man sollte bedenken, dass die angegebene Leistungswerte beim Laden meistens nur für kurze Zeit in den Akku strömen, weil das Lademanagement den Stromfluss reguliert nach verschiedenen Faktoren (Lader im Auto, Akkugröße, Temperatur usw.). Schnelladen schadet dem teuren Akku mit der Zeit. Also sollte man möglichst oft langsam Laden, wenn es geht, am besten zu Hause. Da hat man genug Zeit. Da reicht meistens der „Schuko-Strom“, auch bei großen Akkus. Unterwegs mal beim Einkaufen oder Kaffee-Pausen kann man schon mit der normalen AC-Ladung eine Menge wieder reinpumpen, vorausgesetzt, der Autohersteller verbaut wenigstens einen 22KW AC-Lader (z.B. ZOE). Daran hapert es oft schon mal. Ein weiterer Punkt ist die Wallbox. So nennt man das Gerät zum Laden zu Hause in der Garage. Aber es geht auch anders. Es gibt einige mobile „Wallboxen“, die man im Auto mitführen kann und die an jeder Kraftsteckdose mit passenden Adapter funktionieren. Eine solche Lademöglichkeit (Kraftstromdose) sollte an öffentlichen Stellen in größerer Stückzahl installiert werden (Parkplätze, Straßenlaternen und, und…). Der Zugang sollte dann auf technisch einfache Weise mit einer Ladekarte freigeschaltet werden können. Die Bezahlung könnte in solchen Fällen entweder pauschal über die Ladekarte (oder APP) erfolgen. Ein bisschen Software bräuchte man, das sollte heutzutage kein Problem sein. Ein Schildchen könnte darüber informieren, dass der Anschluß für 30 Minuten soundsoviel Euro kostet. Natürlich müsste auch die Ladeleistung dran stehen. Ich sag mal standardtisiert 22kW. Das wären etwa 10kW (für ca. 80 km) oder wenn man zweimal hintereinander anschließt eben die doppelte Strecke. Über die Ausgestaltung kann man ja noch diskutieren. Mir geht es zunächst um die schnelle Ausweitung der öffentlichen Lademöglichkeiten in Verbindung mit finanziell tragbarem Aufwand. Natürlich ist das nichts für Langstreckenfahrer. Aber für die jetzt schon meisten E-Auto Besitzern wäre das für unterwegs ausreichend, wenn sie zu Hause dann auch noch laden können. Oder am Zielort, wenn dort außer der aufwändigen AC/DC-Ladestationen mit Schnelladungsmöglichkeit mehrere Kraftsteckdosen, wie beschrieben, installiert wären und Zeit vorhanden wäre. Ich denke, dass mann diese roten Steckdosen mit verhältnismäßig geringen Mitteln in großer Anzahl parallel installieren könnte. Dann sollte man noch bedenken, dass die vielen Zweitautos ja nicht ein großer langstreckentauglicher Bollide sein muss. Ich bin mir auch sicher, dass die Preise für normale E-Autos mit nicht zu großem Akku in den nächsten Jahren sinken werden, wenn die Nachfrage und damit die Produktionszahlen steigen. Also Augen auf beim Autokau! Die Kommunen sollten mit dem Stromversorgern mal dieses Konzept besprechen und aktiv werden. Natürlich nicht als generelle Lösung, sondern hauptsächlich für die 70% Normal-Zweitwagenfahrer. Die aufwändigen Schnelladestationen müssen natürlich auch ausgebaut werden. Und dann noch etwas: Die großen Bolliden mit entsprechenden Akkus sollten mit einer höheren Steuer belegt werden, um die Entwicklung der E-Mobilität in vernünftige Bahnen zu lenken. Wer einen superschnellen E-Porsche fahren möchte, der soll auch die höhere Steuer bezahlen. Es geht bei solchen Autos ja nur um „Spielereien“ und nicht um Reichweiten. Die sind dann nämlich nicht besser als bei einem ID.3 oder ZOE zum Beispiel.

iOn Werner:

Hi Daniel, genau so bin ich vor rund drei Jahren angefangen und fahre heute zwei der wohl bekannten E-Fahrzeuge in D !

Einen Peugeot IOn und einen Mitsubishi I-miev. Haben lediglich ein Gesamtgewicht von 1,1 t, sind schnellladefähig über Gleichstrom (DC) und zugleich geeignet mit Wechselstrom über Schuko zu laden (AC). Zudem mit Kabel an jeder weiteren Typ 2 – Säule in den Großstädten/Einkaufszentren. Wer mit einer Reichweite von 80 – 100 km auskommt und bestenfalls noch über eine Photovoltaikanlage den Eigenverbrauch erhöhen will, der bekommt den gebraucht als Sparschwein und ist sicherlich ökologisch wie ökonomisch auf der zeitlichen Höhe !

Bei beiden gab es in all den Jahren keine technischen Probleme und unsere Fahrleistung liegt bei rund 15.000 km im Jahr als Pendler.

Norbert Seebach:

Leider mangelt es noch immer an verlässlichen Informationen, ob bzw. in welchem Ausmaß häufiges Schnellladen dem Akku schadet. Da dieser nunmal das mit Abstand teuerste Bauteil eines E-Fahrzeugs ist, verunsichert dies vermutlich viele potenzielle Kunden. Zusätzlich scheint mir ein weiterer Grund für die verhaltene Nachfrage bzgl. Schnellladern die maximale Intransparenz bei der Preisgestaltung zu sein. Abschreckende Kwh-Preise wie sie bspw. vom IONITY-Ladenetzwerk aufgerufen werden, werden mich auch in Zukunft davon abhalten, jemals dort zu laden!

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