ElectricBrands insolvent: Drohen XBus und Evetta das Aus?

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ElectricBrands

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Die ElectricBrands AG mit Sitz in Eppertshausen hat beim Amtsgericht Darmstadt einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, lässt das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten. Die vorläufige Eigenverwaltung wurde demnach am 29. Januar vom Gericht antragsgemäß angeordnet. „Ziel ist eine vollständige Sanierung der Gesellschaft. Die angeschlossenen Unternehmen ElectricBrands Financial Services GmbH, Evetta GmbH und XBUS GmbH werden in den Restrukturierungsprozess mit einbezogen“, heißt es.

Gegründet wurde das Start-Up im Jahr 2018, vor allem das modulare Nutzfahrzeug XBus sorgte dabei in der Branche mit den Ankündigungen für viel Aufsehen. Bei der Evetta zog allerdings Microlino mit einem sehr ähnlichen Produkt am Unternehmen vorbei. Dennoch sei die Evetta nahezu marktreif, soll aber nun noch einmal überarbeitet werden. „Die zuletzt gestiegenen Entwicklungskosten sowie die schwächelnde Wirtschaft“, führten laut ElectricBrands dazu , dass der Insolvenzantrag unabwendbar wurde.

Gehälter der Mitarbeiter vorerst gesichert

Gemeinsam mit den Sanierungsexperten der Wellensiek Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter Partnerschaftsgesellschaft mbB wurde laut Pressemitteilung ein Zukunftsplan entwickelt. Sanierungsberater Dr. Paul Abel werde den Vorstand durch den gesamten Restrukturierungsprozess begleiten. Zum vorläufigen Sachwalter wurde demnach der auf Eigenverwaltungs- und Restrukturierungsfälle spezialisierte Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor in Mannheim bestellt.

Max Brandt, Vorstandvorsitzender von ElectricBrands, erklärt dazu: „Es geht weiter, schon in den nächsten Wochen bringen wir ein neues Leichtfahrzeug auf den Markt. Die Gehälter sind in den nächsten Monaten gesichert und wir stehen mit unseren Partnern und anderen Beteiligten in einem engen Austausch. Die Transformation hin zur Elektromobilität ist eine große Herausforderung, der wir uns mit kreativen Fahrzeuglösungen und einem motivierten Team stellen.“ 

XBus soll in einem Jahr marktreif sein

Sowohl bei der Evetta als auch beim XBus ist es in der Vergangenheit zu Verzögerungen gekommen. Eigentlich sollte der XBus bereits 2023 ausgeliefert werden, doch das Elektro-Leichtfahrzeug lässt weiter auf sich warten. Zuletzt wurde damit gerechnet, dass Anfang 2025 die ersten Fahrzeuge an die Kundinnen und Kunden ausgeliefert werden können, berichtete Pro Mobil.

Das Unternehmen hat seit Oktober einen neuen Chef. Max Brandt ist seit einer Übergabephase neuer Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender. Brandt wurde zunächst vom bisher alleinigen Geschäftsführer Ralf Haller eingearbeitet, bis dieser nach einer Interimsphase mit zwei Chefs von diesem Posten ausscheiden wollte. Da Haller in der Pressemitteilung nicht mehr erwähnt wird, dürfte dies vollzogen sein. Zuvor war Brandt für den Aluminium- und Stahlplatinen-Hersteller Edge tätig.

Quelle: ElectricBrands – Pressemitteilung vom 31. Januar 2024

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Läubli:

Tja… aus Erfahrung kann ich sagen: bei solchen Verkündigungen wie „Löhne sind gesichert“ oder „schon in den nächsten Wochen kommt ein Leichtfahrzeug auf den Markt“ …na welches denn? Das ist alles nur im Sinne von eigener Propaganda zur Beruhigung der Company.

Kurz: ich sehe für diese Firma LEIDER keine Zukunft – es ist bereits 5 nach 12 und für alles zu spät, wenn eine Firma schon BEVOR ein Produkt am Markt ist, sich mit dem Thema Insolvenz beschäftigen muss. THATS IT!

Sehr schade um den Supercoolen XBus!

Hans:

Hat zwar kaum was mit dem Artikel zu tun, aber überdachte Lastenräder hatten mich auch immer interessiert.
Der Fall „Bio-Hybrid“ zeigt auch, wie es möglich ist in einem Großbetrieb eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern los zu werden: Man sagt den xx Kollegen dass sie in einem neuen Projekt arbeiten, dieses Projekt wird dann in eine eigene Gesellschaft umgewandelt und dann macht was ihr wollt, mit keinerlei Verpflichtung für Schaeffler wenn sie dann den Bach runter gehen.

Erwähnenswert finde ich „Onomotion“ und „BAYK“ die trotz noch höherem Preis in ihrer Niesche erfolgreich genug laufen. Privat wird sich so etwas halt kaum einer leisten wollen. Ich verstehe auch nicht, was so schwer daran ist einem E-Trike für ca. 4000,- EUR eine schnittige Umhausung für ca 1000,- drauf zu bauen und das Ganze für ca. 6000,- zu verkaufen. „Podbike“ wollte diesen Preis schaffen – inzwischen kostet das Teil auch über 9000,- EUR.

Wolfbrecht Gösebert:

Zitat TorsW: „…, bin mal gespannt, ob sich die Anzahlungen in Luft auflösen!“
Auch wenn ich den XBUS wirklich gerne »auf der Straße« sehen würde … in was denn sonst ?-)

Hans:

Das passiert, wenn man auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen will. Statt sich auf den X-BUS zu konzentrieren, wurde das insolvente ARTEGA mit all den verbundenen Verpflichtungen übernommen. Der ARTEGA KARO aka EVETTA war scheinbar nie serienreif und die vorhanden MICROLIONO 1.0 Modelle waren noch vom Ur-Fahrzeugbauer TAZZARI.
Wie konnte sich ELECTRIC BRANDS nur solch einen Klotz ans Bein binden?

Echt traurig, dass in Europa so wenige Fahrzeugbauer und Neueinsteiger etwas auf die Reihe bekommen:
– FOX E-MOBILITY hört man aktuell nichts von der neuen MIA
– ELEKTROFROSCH mit ihren 45km/h Transportern ist seit Mitte 2023 insolvent.
– RENAULT MOBILIZE verschiebt den TWIYZ Nachfolger nochmal 9 Monate
– TWIKE 5/6 läuft auch äußerst zweifelhaft (und der Preis ist jenseits von Gut und Böse)
– NEXT E.GO WAVE hört man seit Monaten nichts mehr
=> Respekt an Hr. Schuh, wie schnell er den E.GO LIVE und den STREETSCOOTER auf die Straße gebracht hatte!
=> Und Respekt an MICRO, dass sie ihren MICROLINO durchgezogen haben.

TorsW:

…, bin mal gespannt, ob sich die Anzahlungen in Luft auflösen!

Wolfbrecht Gösebert:

„[Sono] Motors hat sich mit seinem E-Auto übernommen.“
Dazu ein wenig Aktuelles in Kürze:

Das Konkursverfahren in Selbstverwaltung ist bendet: Sono Motors GmbH und die Muttergesellschaft Sono Group N.V. »existieren« wieder. Möglich wurde das durch die Gläubigerversammlung, bei der auf fast 96 % der Forderungen verzichtet und frisches, zusätzliches Geld von Yorkville gegeben wurde!

Fortgesetzt wird die „Solar on Every Vehicle“-Aktivität – am Sion-Programm selbst haben Yorkville und die neu eingesetzte Geschäftsleitung (George O’Leary) kein Interesse. Jetzt wäre der Weg auch frei, falls jemand doch noch den Sion in Gänze übernehmen wollte.

Sebastian Henßler:

Kann man schon immer. Aber fairerweise kam das nicht erst durch deinen Wunsch zustande ;)

Wolfbrecht Gösebert:

Schön, dass es auch möglich ist, hier mal einen Wunsch zu äußern! :)

Gregor:

Nope, pro verkauften Fahrzeug wird Verlust gemacht. Ist derzeit zB bei Rivian öffentlich nachlesbar.
Mit neuen, tollen Modellen sollen Investoren gefischt werden, um das Geldverbrennungs Event starten zu können und zu verkaufen. Erst nach einiger Zeit wird dann Gewinn gemacht. Insolvenz muss man machen, um Forderungen aufschieben zu können und Sozialabgaben zu Lohnkosten aufschieben zu können.

Sebastian Henßler:

Danke für den Hinweis unsere Arbeit zu machen. Wir sind im Austausch und es wird ein Podcast hierzu folgen.

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