BYD startet in Brasilien mit weniger Mitarbeitenden

Cover Image for BYD startet in Brasilien mit weniger Mitarbeitenden
Copyright ©

rafaelnlins / Shutterstock / 2512651815 (Symbolbild)

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 3 min

Der chinesische Elektroautobauer BYD wollte sein erstes Werk in Brasilien eigentlich schon im März dieses Jahres eröffnen – der Produktionsstart verzögerte sich allerdings, nachdem dem Hersteller und einer Tochtergesellschaft schlechte Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen das Arbeitsrecht vorgeworfen wurden. Nun kündigte der Arbeitsminister des Bundesstaates Bahia, Augusto Vasconcelos, an, dass das brasilianische Werk bis Dezember 2026 „voll funktionsfähig“ sein soll.

Bis Ende des laufenden Jahres solle die Fabrik jedoch schon mit der Produktion von Elektroautos aus halbfertigen Bausätzen beginnen, fügte Vasconcelos hinzu. „Es wird ein neuer Zeitplan aufgestellt, so dass die Fabrik bis Dezember 2026 voll funktionsfähig sein wird und voraussichtlich 10.000 Arbeitsplätze schaffen wird“, so der Arbeitsminister in einem Video, das in den sozialen Medien veröffentlicht wurde.

BYD will in Brasilien in diesem Jahr nur rund 1.000 Menschen einstellen

Julio Bonfim, Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft von Camaçari, Bahia, nennt für den Produktionsstart indes andere Zahlen: Um die Fahrzeuge aus den importierten Bausätzen aus China zusammenzubauen, werde BYD in diesem Jahr etwa 1000 Arbeiter in Brasilien einstellen, so Bonfim gegenüber Reuters. Das ist weit weniger als die 10.000 Arbeitsplätze, die der chinesische Elektroautobauer zunächst versprochen hatte.

BYD konnte sich im vergangenen Jahr über deutliche Zuwächse in Brasilien freuen: Mit fast 77.000 verkauften Fahrzeugen verzeichnete das Unternehmen 2024 ein Wachstum von rund 328 Prozent im Vergleich zu den knapp 18.000 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2023. Das südamerikanische Land ist für BYD derzeit der größte Markt außerhalb Chinas.

Chinesische Arbeiter kritisieren BYD-Tochtergesellschaft wegen „sklavenähnlicher Bedingungen“

Das Unternehmen will am brasilianischen Standort eine ehemalige Ford-Fabrik in einen Werkskomplex mit einer Produktionskapazität von 150.000 Elektroautos pro Jahr verwandeln. Im Dezember wurde BYD allerdings mit Vorwürfen konfrontiert, laut denen das Unternehmen geltendes Arbeitsrecht auf der Baustelle missachtet habe. Durch die anschließenden Untersuchungen und wegen starker Regenfälle habe sich der Produktionsstart verzögert, so Julio Bonfim.

Wie die spanische Tageszeitung El País Anfang 2025 berichtet hatte, sollen Arbeitsinspektoren 163 chinesische Arbeiter von der Baustelle des Werks gerettet haben. Die Arbeiter warfen ihrem Arbeitgeber, einer Tochtergesellschaft von BYD, demnach vor, sie unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten zu lassen. Die Arbeiter hatten laut eigener Aussage anstrengende Arbeitszeiten, lebten unter ungesunden Bedingungen und von einigen unter ihnen seien die Reisepässe einbehalten worden.

Das betreffende Unternehmen, die Jinjiang Group, wies die Darstellung der Arbeitssituation als Zwangsarbeit zurück und erklärte, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Ein BYD-Manager beschuldigte „ausländische Kräfte“, das Unternehmen zu diffamieren und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu schädigen.

Brasilien hat eine besondere strategische Bedeutung für BYD

Inzwischen haben die betroffenen Arbeiter ihre Baracken verlassen und sind in Hotelzimmern untergebracht, die von der Firma bezahlt werden. Das brasilianische Außenministerium hatte zeitweise die Erteilung von befristeten Arbeitsvisa für BYD gestoppt.

BYDs brasilianische Fabrik gilt auch als Symbol für den chinesischen Einfluss Chinas in dem Land. Für BYD selbst hat das Werk eine besondere strategische Bedeutung: Medienberichten zufolge will der Hersteller bis 2030 die Hälfte seiner Fahrzeuge außerhalb Chinas verkaufen, vor allem in Europa und Südamerika. Im vergangenen Jahr entfielen noch knapp neun von zehn verkauften BYD-Fahrzeugen auf den chinesischen Markt.

Der chinesische Autobauer will zudem Schürfrechte für lithiumreiche Gebiete in Brasilien erwerben, voraussichtlich für die Herstellung von E-Auto-Batterien. BYD geht weiterhin davon aus, dass das brasilianische Werk rund 20.000 neue direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen wird.

Quellen: Reuters – BYD factory delayed in Brazil to be ‚fully functional‘ by end-2026, says official / El País – BYD in Brazil: From the company’s triumphant arrival to a scandal involving ‘slavery-like’ working conditions

worthy pixel img
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Kommentare (Wird geladen...)

Ähnliche Artikel

Cover Image for Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Sebastian Henßler  —  

Michael Jost kritisiert Technologieoffenheit als Ausrede: Wer alle Wege offenhält, geht keinen konsequent – nur das Elektroauto führt zur Klimaneutralität.

Cover Image for So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

Sebastian Henßler  —  

Volvo EX30 Cross Country bleibt ein City-Stromer, wirkt stabiler und vielseitiger. Offroad-Design, solide Reichweite und starke Ladeleistung runden ihn ab.

Cover Image for Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Daniel Krenzer  —  

WLTP- und Testverbräuche hin oder her: Das sind die sparsamsten E-Autos, wenn man auf ihren realen alltäglichen Einsatz schaut.

Cover Image for Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Daniel Krenzer  —  

Nun steht fest, bis zu welchem Haushaltseinkommen die neue E-Auto-Förderung genutzt werden könnte. Es geht dabei nicht nur um E-Autos.

Cover Image for Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

Cover Image for Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.