Autobranche meldet niedrigsten Beschäftigtenstand seit 2011

Cover Image for Autobranche meldet niedrigsten Beschäftigtenstand seit 2011
Copyright ©

shutterstock / 1523170304

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die deutsche Automobilbranche erlebt derzeit eine Phase, in der die Zahl der Beschäftigten deutlich sinkt und zentrale Unternehmen ihre Personalplanung neu ausrichten. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts befanden sich Ende September 721.400 Menschen in diesem Industriezweig in Arbeit. Damit fiel die Beschäftigung auf ein Niveau, das zuletzt 2011 erreicht worden war, wie Automotive News Europe berichtet. Die Entwicklung markiert einen Einschnitt, der sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hatte und nun mit einer deutlichen Beschleunigung sichtbar wird.

Innerhalb von zwölf Monaten verloren mehr als 48.700 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Dieser Rückgang entspricht einem Minus von 6,3 Prozent und stellt den stärksten Einbruch unter den großen Industriezweigen mit mehr als 200.000 Mitarbeitenden dar. Die Behörde ordnet die Zahlen in den gesamtwirtschaftlichen Kontext ein: In der verarbeitenden Industrie insgesamt lag die Beschäftigung Ende September bei rund 5,43 Millionen Menschen, etwa 120.300 weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von 2,2 Prozent und zeigt, dass die Entwicklung in der Autobranche deutlich ausgeprägter verläuft.

Volkswagen trägt maßgeblich zum Stellenabbau bei

Ein erheblicher Anteil der aktuellen Veränderungen lässt sich auf Maßnahmen im Volkswagen-Konzern zurückführen. Deutschlands größter Autobauer hat seit Ende 2023 an zehn inländischen Standorten mehr als 11.000 Stellen gestrichen. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, bis 2030 insgesamt 35.000 Arbeitsplätze abzubauen. Mehr als 25.000 davon seien bereits vertraglich fixiert. Die Anpassungen sind Teil eines umfassenden Programms, das auf eine straffere Organisation und eine stabilere Kostenstruktur abzielt.

Volkswagen ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, das Personal abbaut. Auch Audi, Porsche, Ford und Bosch passen ihre Teams an. In Unternehmenskreisen heißt es, die Gründe reichten von Unsicherheiten über die Auswirkungen höherer Importzölle in den USA bis hin zur wachsenden Konkurrenz durch chinesische Hersteller von Elektroautos. Hinzu kämen Lieferschwierigkeiten im Halbleiterbereich, die sich zuletzt durch einen Konflikt um den Chipproduzenten Nexperia verschärft hätten. Diese Mischung aus strukturellem Wandel, geopolitischem Druck und anhaltenden Engpässen prägt die Strategien vieler Unternehmen.

Die wirtschaftliche Lage zeigt sich nach Einschätzung von Expert:innen auch in den Beschäftigungszahlen. „Die anhaltende Rezession in der Industrie spiegelt sich deutlich in der Entwicklung am Arbeitsmarkt wider“, erklärte Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank. Er verweist darauf, dass die Branche in mehreren Dimensionen unter Anpassungsdruck steht, während gleichzeitig Investitionen in neue Technologien und Produktionsumstellungen hohe Kosten verursachen.

Autoindustrie bleibt weiterhin zentraler Wirtschaftszweig

Trotz des Rückgangs der Beschäftigten bleibt die Autobranche ein zentraler Wirtschaftsbereich in Deutschland. Sie ist weiterhin der zweitgrößte Industriezweig des Landes gemessen an der Zahl der Beschäftigten. Vor ihr steht lediglich der Maschinenbau, der rund 934.200 Mitarbeitende umfasst. Die Bedeutung der Automobilindustrie zeigt sich somit nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in den wirtschaftlichen Verflechtungen, die über Zulieferer, Dienstleister und angrenzende Branchen hinausreichen.

Gleichzeitig geben aktuelle Stimmungsindikatoren Hinweise darauf, dass sich die Erwartungshaltung innerhalb der Unternehmen leicht verbessert hat. Das Ifo-Institut meldete für Oktober eine spürbare Erholung des Geschäftsklimas in der Branche. Der entsprechende Index stieg von minus 21,3 Punkten im September auf minus 12,9 Punkte. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Unternehmen die Lage etwas weniger pessimistisch bewerten als noch einen Monat zuvor, auch wenn weiterhin Zurückhaltung dominiert.

Quelle: Automotive News Europe – Employment in German auto sector at lowest level in over a decade

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Kommentare (Wird geladen...)

Ähnliche Artikel

Cover Image for Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Experte: Warum Wasserstoff und E-Fuels ins Abseits geraten

Sebastian Henßler  —  

Michael Jost kritisiert Technologieoffenheit als Ausrede: Wer alle Wege offenhält, geht keinen konsequent – nur das Elektroauto führt zur Klimaneutralität.

Cover Image for So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

So fährt sich der Volvo EX30 Cross Country

Sebastian Henßler  —  

Volvo EX30 Cross Country bleibt ein City-Stromer, wirkt stabiler und vielseitiger. Offroad-Design, solide Reichweite und starke Ladeleistung runden ihn ab.

Cover Image for Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Diese 7 E-Autos werden in der Realität besonders sparsam bewegt

Daniel Krenzer  —  

WLTP- und Testverbräuche hin oder her: Das sind die sparsamsten E-Autos, wenn man auf ihren realen alltäglichen Einsatz schaut.

Cover Image for Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Regierung gibt Details zu neuer E-Auto-Förderung bekannt

Daniel Krenzer  —  

Nun steht fest, bis zu welchem Haushaltseinkommen die neue E-Auto-Förderung genutzt werden könnte. Es geht dabei nicht nur um E-Autos.

Cover Image for Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

Cover Image for Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.