„Wir brauchen mehr Miteinander in der Mobilität“

Cover Image for „Wir brauchen mehr Miteinander in der Mobilität“
Copyright ©

Swobbee

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Mobilitätslandschaft in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Die Elektromobilität umfasst nicht nur die Elektrifizierung der Pkw-Antriebe, sondern hat auch neue Mobilitätsformen entstehen lassen: E-Lastenräder übernehmen in Städten die Rolle nachhaltiger Transporter, E-Kickscooter ergänzen den ÖPNV und sind zugleich Ausdruck neuer Mobilitätsgewohnheiten der Menschen.

Diese und weitere Kleinstfahrzeuge werden unter dem Sammelbegriff Mikromobilität zusammengefasst. Die neugegründete Initiative „Dialog Mikromobilität“ versammelt Unternehmen und Verbände der Branche und fordert in einem aktuellen Aufruf, dass die städtische Infrastruktur elektrische Kleinstfahrzeuge künftig stärker berücksichtigen solle. Tobias Breyer, COO von Swobbee und Mit-Initiator des Branchenbündnisses „Dialog Mikromobilität“, hat uns dazu ein paar Fragen beantwortet.

Mikromobile wie E-Scooter werden in der öffentlichen Diskussion häufig als Spaßmobile dargestellt. Wieso braucht es aus Ihrer Sicht mehr Rechte für diese Fahrzeuge?

Das ist eine sehr verkürzte Wahrnehmung, die leider die großen Potenziale der Mikromobilität unberücksichtigt lässt. Unter Mikromobilität verstehen wir im Dialog Mikromobilität im Grunde alles, was kleiner ist als ein Auto: Fahrräder und E-Bikes, Cargobikes und E-Lastenräder, E-Roller und E-Kickscooter. Ein E-Kickscooter weist das gleiche verkehrliche Potenzial auf wie ein Fahrrad, beide sind für viele Wege eine nachhaltige, stadtfreundliche Alternative zum Pkw.

Mindestens 20 bis 30 Prozent der städtischen Warentransporte können mit Lastenrädern absolviert werden, was Lärm, Verkehrsdruck und Emissionen in den Städten enorm reduzieren würde. Wenn wir es Ernst meinen mit der Verkehrswende, dann brauchen wir eine Abkehr von der Pkw-zentrierten Verkehrswegeinfrastruktur in den Städten und mehr Wege und Rechte für die Mikromobilität. Alle Verkehrsteilnehmenden sollten die gleichen Rechte und Pflichten haben. Das hat auch etwas mit Flächengerechtigkeit zu tun. Wir müssen uns darüber klar sein, dass wir am Anfang einer gesellschaftlichen Entwicklung in der Mobilität stehen, die nicht mehr umkehrbar ist. Die Mikromobilität ist gekommen, um zu bleiben.

Was sind die zentralen Anliegen des Dialogs Mikromobilität?

Wir wünschen uns, dass die kommende Bundesregierung die Bedeutung der Mikromobilität erkennt und eine zukunftsweisende Mikromobilitätsstrategie entwickelt. Unter dem Titel „Mehr Miteinander wagen“ haben wir im Dialog Mikromobilität erste Vorschläge gemacht, wie die neuen Mobilitäts- und Transportmittel berücksichtigt werden können, vor dem Hintergrund eines fairen Miteinanders und einer gerechten urbanen Flächenentwicklung.

Wir müssen die alten Infrastrukturen an neue Realitäten anzupassen, dabei den Fokus auf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden legen und das ökologische Potenzial mikromobiler Verkehrs- und Transportlösungen erkennen und nutzen. Für all diese Bereiche haben wir erste konkrete Vorschläge gemacht, die wir auf der Webseite www.dialog-mikromobilitaet.de veröffentlicht haben.

Können Sie uns ein, zwei Beispiele nennen?

Gerne. Eine zentrale Forderung, die wir mit vielen anderen Initiativen gemeinsam haben, ist der Ausbau der Radwegeinfrastruktur, die aus unserer Sicht zu einer Mikromobilitätswegeinfrastruktur weiterentwickelt werden muss. Wenn wir mehr Menschen zur Nutzung nachhaltiger Pkw-Alternativen bewegen wollen, brauchen wir mehr, breitere und sichere Mikromobilitätswege sowie mehr Abstellflächen und eine intelligente Ladeinfrastruktur für E-Kleinstfahrzeuge, bspw. in Form von Akku-Wechselstationen. Wenn solche Wege nicht eingerichtet werden können, plädieren wir dafür, beim Vorhandensein von zwei Pkw-Fahrspuren die rechte Fahrspur komplett für die Mikromobilität zu räumen.

Vor dem Hintergrund der wünschenswerten rechtlichen Gleichstellung von Fahrrädern und anderen E-Kleinstfahrzeugen müssten dann bspw. auch die Schilder „Fahrrad frei“ in „Mikromobilität frei“ umgewandelt werden, um Unsicherheiten bei Nutzenden, aber auch bei Ordnungsbehörden abzubauen. Zur Erhöhung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden sollte begleitend Tempo 30 als Richtgeschwindigkeit in Städten etabliert werden. In Helsinki bspw. wird dies schon umgesetzt mit äußerst positiven Ergebnissen. Weitere Forderungen befassen sich bspw. mit Maßnahmen, die die Situation der Sharing- und Logistikbranchen verbessern würden.

Vielen Dank für das Gespräch!

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Nik:

Ja, mehr Platz für Fahrräder und weniger Autos würde die Städte lebenswerter machen.

Dagobert:

@David weshalb ich auch immer lieber ein paar Euro für meine Haftpflicht bezahle und darauf achte, dass „grobe Fahrlässigkeit“ mit abgedeckt ist.

Dagobert:

Genau da liegt der Hund begraben, weil ein paar Rentner ihr Fahrrad nicht im Griff haben muss die arbeitende Bevölkerung den Diesel zur Arbeit nehmen.

Dagobert:

Ich komme mit dem Rechner auf 233 Watt mit meinen Parametern. Ein Tour-de-France Teilnehmer tritt über 400W im Schnitt an einem 40-Minütigem Anstieg. Da kann ich als Hobby Mountainbiker Problemlos über 15min 250W treten.
Was ich auch tue und wobei mich z.B. dieser Artikel auch bestätigt.

Watt, Gewicht, Pässe: Jedermann gegen Radprofi bergauf (radsport-rennrad.de)

A) Einem Radprofi – mindestens 5 Watt / Kilogramm (Systemgewicht mit Rad und Kleidung)
B) Einem Amateur-Rennfahrer – 4 bis 5 Watt / Kilogramm
C) Einem Hobby-Radsportler – 3 bis 4 Watt / Kilogramm
D) Einem Tourenfahrer – 2 bis 3 Watt / Kilogramm
E) Einem Nicht-Ausdauertrainierten – weniger als 2 Watt / Kilogramm

Dabei schwitze ich eben, möchte aber weder verschwitzt noch langsamer ankommen, Da beißt sich die Katze dann in den Schwanz, weil ein Pedelec eine lahme Krücke ist.

Wenn Sie die 30 km/h nicht erreichen können, sollten Sie vielleicht mal schauen ob beim Bio-Bike die Bremse schleift…

Dagobert:

Bitteschön, ich war heute noch einen Kumpel besuchen, die per GPS aufgenommene Strecke entspricht knapp meinem halben Arbeitsweg. Es geht 4 km leicht bergab, mit einem Gegenanstieg. Ergebnis, 47km/h Höchstgeschwindigkeit und über 25 km/h Schnitt, bis auf den Gegenanstieg fast immer jenseits der Unterstützung. Das ist auch kein Rennrad, sondern ein 27,5″ Hardtail Pedelec Mountainbike (2018 Bosch CX) mit Offroad Bereifung. Der Einbruch ist eine Unterführung in der man schieben muss. Damit kann ich zum Pendeln nichts anfangen, ich habe keine Lust mich zurück zu halten um nicht verschwitzt bei der Arbeit anzukommen. Fazit: Pedelecs taugen zum Kinderanhänger den Berg hoch ziehen, sind zum Pendeln aber Unsinn.

https://ibb.co/LdvwBYC

David:

Wenn du schon nach 10km mit 20 km/h auf dem Biobike schwitzt, solltest du dringend etwas für deine Gesundheit tun.

David:

Wir wollen ja mal nicht unrichtig in der Sache werden. Anders als mit einem getunten Pedelec, wo in der Tat eine Unfallbeteiligung zur lebenslangen Insolvenz führen kann, hat ein S-Pedelec idR eine Haftpflichtversicherung. Die muss zahlen und in Regress kann sie den Sünder nur in unmaßgeblicher Höhe nehmen.

David:

Ich denke auch, Freund Powerwall, du musst dich ändern. Entschleunige dich auf ein Pedelec oder fahr einfach ein normales Rad ohne Motor. Letzteres würde dich fit halten. Ich bin heute wieder eine schöne Trainingstour um die Seen gefahren und morgen Abend gehts auf eine fixe Ausfahrt mit Freunden.

Olli:

Nö, das ist nicht altbacken: Altbacken sind die Leute, die heutzutage noch meinen alles nur mit nem Motor erledigen zu können und der Staat hat einem das gefälligst so zu ermöglichen wies einem am besten in den Kram passt. Und es gibt genug Roller mit 45km/h, genauso wie es gleichzeitig ne Menge frisierte Pedelec-Mofas gibt. Und wenn man schon von mehr Eigentverantwortung redet: was soll dann den Porschefahrer davon abhalten, eigenverantwortlich zu entscheiden, „deine“ 5km Radweg zu benutzen, weil er sonst im Stau steht. Auf den Strafzettel kommts dem auch nicht an, der steckt voll mit Moos.

Ich sehe das so: wer sich ein S-Pedelec gekauft hat, wusste wie die Gesetzeslage ist. Jetzt Mimimi zu machen ist albern. Und eher friert die Hölle zu als das das der Gesetzgeber ändern wird, bei den ganzen schweren Pedelecunfällen mit Rentnern in den letzten Jahren. Also weiter rechtlich im Abseits fahren und hoffen, das alles gut geht – weil im Schadensfall ist der Strafzettel das kleinere Problem: Was hier bei einem Unfall mit schwerem Personenschaden zivilrechtlich auf jemanden zukommen kann, wenn die Haftpflichtversicherung wegen grober Fahrlässigkeit bzw. Vorsatz nicht zahlt kannste dir ja mal selbst ausrechnen.

Anonymous:

Ganz schön altbacken Deine Meinung –
Wenn ich zwischen zwei Orten auf einem 5 km Radweg neben einer extrem schmalen Landstraße im Durchschnitt drei anderen Fahrradfahren begegne, macht das keinen Sinn dafür die doppelte Zeit mit Tempo 25 in Anspruch zu nehmen – dann setze ich mich lieber auch wieder in den stinkenden Dieselbus, sobald ich den ersten Strafzettel bekommen sollte.
Auch gibt es – außer in Deiner Realität keinen einzigen Roller, der wirklich nur 45 fährt- die überholen mich nämlich stinkend jeden Tag mit Tempo 50-60 Km/h.

Vielleicht sollte man Menschen wieder etwas mehr Eigenverantwortung übertragen ich kann mit einem Porsche in der dreißiger Zone 30 fahren oder auch 60 – das eine ist verantwortungsbewusst, das andere ist illegal, wir aber tausendfach täglich praktiziert.

Ähnliche Artikel

Cover Image for EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

Daniel Krenzer  —  

In Deutschland steigt der Anteil von Elektroautos in diesem Jahr besonders stark an. Frankreich hingegen schwächelte.

Cover Image for PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

Sebastian Henßler  —  

Europas Batteriebranche kämpft mit hohen Kosten, fehlendem Know-how und dem Vorsprung asiatischer Wettbewerber – PEM-Professor Heimes zeigt die Folgen.

Cover Image for IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

Michael Neißendorfer  —  

Kunden dürfen sich auf ultrakurze Ladezeiten und hohe Reichweiten freuen, so Capgemini-Analyst Sulek, die E-Mobilität wird also nochmals alltagstauglicher.

Cover Image for MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

Daniel Krenzer  —  

Mit einer Produktoffensive will die SAIC-Marke vor allem auf dem Heimatmarkt mehr Kunden von seinen E-Autos überzeugen.

Cover Image for Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Michael Neißendorfer  —  

Porsche stattet den vollelektrischen Macan mit neuen Assistenzsystemen und digitalen Features aus. Im Fokus stehen mehr Komfort beim Parken, Laden und Ziehen.

Cover Image for Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Laura Horst  —  

Führende südkoreanische Autohersteller und Batterieunternehmen wollen gemeinsam die Batteriesicherheit verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.