Targobank Autostudie 2025: Was deutsche Autofahrer bewegt

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Targobank hat Deutschlands Autofahrerinnen und Autofahrer wieder zu ihrer aktuellen Stimmungslage befragt. „Die vorgezogene Bundestagswahl hat auch im Automarkt für Verunsicherung gesorgt“, sagt Markus Häring, Chef der Targobank Autobank: „Viele Menschen haben Kaufentscheidungen aufgeschoben.“ Ziel der Befragung war es, herauszufinden, welche Fragestellungen Verbraucherinnen und Verbraucher aktuell besonders beschäftigten und welche Erwartungen sie an die Politik haben.

Bereits seit 2016 beauftragt die in Düsseldorf ansässige Bank das Umfrageinstitut Forsa jährlich mit einer Autostudie. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die Entscheidungskriterien für den Autokauf, die Einstellung zu unterschiedlichen Antriebsarten sowie die grundsätzlichen Ansichten zu aktuellen verkehrspolitischen Fragestellungen und Maßnahmen.

Die aktuelle Befragung zeigt: Die Beliebtheit von Verbrennern ist weiterhin hoch. Bei einem Autokauf würden immer noch 31 Prozent (+/-0 Prozentpunkte) der Befragten einem Benziner den Vorrang geben. Auch die Präferenz für Dieselantriebe blieb bei 14 Prozent der Befragten annähernd gleich (+1). Dazu passt, dass 73 Prozent (+7) das ab 2035 in Kraft tretende Verbot fossil befeuerter Neuwagen in der EU ablehnen.

Die Bereitschaft, auf einen alternativen Antrieb zu wechseln, bleibt im Vergleich zum Vorjahr stabil: 29 Prozent (+/-0) der Befragten, die aktuell einen Diesel oder Benziner fahren, planen beim nächsten Autokauf einen Umstieg. 19 Prozent (+4) der Befragten können sich vorstellen, einen Hybridantrieb zu wählen, wobei die meisten davon (51 Prozent) einen Plug-in-Hybrid bevorzugen.

Für 17 Prozent (+/-0) käme ein reiner Elektroantrieb in Frage. Den Kauf eines mit Wasserstoff betriebenen Autos kann sich nur noch 1 Prozent (-2) der Befragten vorstellen. 18 Prozent (-3) sind bezüglich des Antriebs noch unentschlossen. Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren für die Wahl der Antriebsart sind die Anschaffungskosten des Autos (32 Prozent) sowie die Reichweite (29 Prozent). Auf die Frage, wie sie planen, ihr neues Auto zu bezahlen, nennt gut die Hälfte (53 Prozent, +2) Barmittel, gut ein Drittel (37 Prozent, +/-0) setzt auf Finanzierungen bzw. Leasing.

Autostudie 2025: Was deutsche Autofahrerinnen und Autofahrer bewegt
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Die Studie zeigt auch Handlungsbedarf auf: 56 Prozent der Befragen sind der Auffassung, dass Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern nicht umweltfreundlicher sind, 36 Prozent meinen, dass die CO2-Bilanz von Verbrennern besser ist als jene von E-Autos – obwohl im Tenor aller Studien der vergangenen Jahre das Elektroauto in beiden Punkten im Vorteil ist. 30 Prozent halten Verbrenner für nicht mehr zeitgemäß.

Befragte wünschen sich Investitionen in öffentlichen Verkehr und E-Mobilität

Die Mehrheit der Autofahrerinnen und -fahrer ist vor allem mit den Möglichkeiten des Individualverkehrs in Deutschland zufrieden: Fast alle Befragten (96 Prozent) stimmt die Möglichkeit, sich in Deutschland mit dem Auto fortzubewegen, zufrieden. 69 Prozent bestätigen dies mit Blick auf das Fahrrad. Öffentliche Verkehrsmittel schneiden im Vergleich weniger gut ab: 39 Prozent sind mit dem Zugfahren zufrieden und 37 Prozent mit dem öffentlichen Personennahverkehr, also etwa mit Regionalbahnen, Straßenbahnen oder Bussen.

Zu den Aussagen passt, dass sich die Mehrheit der Autofahrerinnen und -fahrer in den nächsten zehn Jahren Investitionen vor allem im öffentlichen Verkehr wünscht: 88 Prozent stimmen zu, dass der Ausbau bzw. die Modernisierung des Bahnverkehrs zunehmen sollte, 86 Prozent wünschen sich eine Erhöhung der Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr. 76 Prozent wünschen sich zudem eine langfristige Finanzierungslösung für das Deutschlandticket. Den weiteren Ausbau bzw. die Modernisierung des Radnetzes wünschen sich 69 Prozent. 54 befürworten Investitionen für den Autoverkehr.

Von den im Vorfeld der Bundestagswahl diskutierten Vorhaben der Parteien für die Autobranche treffen vor allem die Initiativen zur Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten von E-Autos auf Zustimmung: 81 Prozent wünschen sich einen Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos und 79 Prozent Investitionen in die Weiterentwicklung der Batterietechnologie. Mit Blick auf weitere alternative Antriebstechnologien befürworten 74 Prozent Investitionen in die (Weiter-)Entwicklung von E-Fuels.

Staatliche Förderungen mit Blick auf die Kaufpreise treffen auf weniger Zustimmung: Kaufprämien für E-Autos befürworten nur 54 Prozent. Gleiches gilt für mögliche Subventionen für die Herstellung von E-Auto-Batterien in Deutschland. Die Zustimmung zum immer wieder diskutierten Thema Tempolimit auf Autobahnen sinkt im Vergleich zum Vorjahr, das Vorhaben wird aber weiterhin von einer deutlichen Mehrheit befürwortet (57 Prozent, -6).

Kritik an Autobranche und Bezahlmodellen, Zustimmung zu Digitalisierung

Die langfristigen Zukunftsaussichten der deutschen Autobranche sehen 68 Prozent der Befragten kritisch. Als Gründe nennen die meisten Befragten die Geschäftspolitik der Hersteller sowie die politischen Rahmenbedingungen (86 bzw. 85 Prozent). Häufig genannt wurde zudem die wirtschaftliche Gesamtsituation in Deutschland (79 Prozent), die Konkurrenzsituation im Markt (74 Prozent) sowie die mangelnde Innovationskraft der Unternehmen (73 Prozent).

Kritisch sehen die Befragten auch neue Bezahlmodelle, bei denen Autos die Soft- oder Hardware bereits werksseitig installiert/verbaut haben, die Leistung aber nur im Abo oder gegen Einmalzahlung freigeschaltet wird (z.B. die Sitzheizung). Nur 13 Prozent der Befragten finden solche Modelle gut, 78 Prozent äußern sich ablehnend.

Hingegen sehen die meisten Befragten in der zunehmenden Digitalisierung des Autos, etwa durch intelligente Assistenzsysteme und Gefahrenerkennung, eher Chancen (61 Prozent). 34 Prozent sehen hier hingegen eher die Risiken, etwa durch Datenlecks oder Systemfehler.

Grüne Mobilität gewinnt als Mitarbeiter-Benefit an Bedeutung

Nachhaltigere Mobilität wird zunehmend als Mitarbeiter-Benefit geschätzt. So finden 78 Prozent (+3) der Erwerbstätigen kostenlose Ladeinfrastruktur für E-Autos und E-Bikes am Arbeitsplatz attraktiv. Das Angebot einer Jobrad-Option stößt bei 68 Prozent (+3) auf Interesse, für fast genauso viele trifft dies auf die Kostenübernahme für das Deutschlandticket als Jobticket zu (66 Prozent; +6).

Bei über der Hälfte der Befragten (55 Prozent, +3) können Arbeitgeber damit punkten, dass sie die private Umstellung auf E-Autos mit einem finanziellen Zuschuss für Ladegeräte fördern. 50 Prozent (+8) wünschen sich Corporate Carsharing, d.h. die Bereitstellung von Fahrzeugen für die vergünstigte gemeinschaftliche Nutzung durch Mitarbeitende eines Unternehmens, auch im privaten Bereich.

Quelle: Targobank – Pressemitteilung vom 27.03.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Melvin:

Die Umfrage zeigt vor allem eins: Die Lobby- und PR-Arbeit der fossilen Industrie wirkt gnadenlos und wird uns mit ihrer Desinformation noch viel Zeit und Nerven kosten – alles auf dem Nacken unserer Umwelt und der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen.

Johannes:

Die Verdrängungsenergie ist schon erschreckend. Die meisten scheinen den Zusammenhang zwischen Ölverbrennen und Waldbränden/Dürren/Unwettern völlig ausblenden zu können. Die Welt ist schon wie ein Raucher mit Hustenanfällen und die meisten finden er sollte weiter rauchen. Auch nach 2035 noch.

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