Smart-Chef fordert günstigeren Strom und höhere Benzinpreise

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Tobias Stahl
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Dirk Adelmann, CEO von Smart Europe, spricht sich in einem Interview für niedrigere Strompreise und gegen den breiten Einsatz von E-Fuels aus. Die niedrigen Strompreise könne man dem Smart-Chef zufolge über höhere Benzin- und Dieselpreise finanzieren, auch wenn das wohl auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte.

Im Gespräch mit dem Electrified Magazin stand Adelmann kürzlich Rede und Antwort bezüglich des bislang eher verhaltenen Verkaufserfolgs des Smart #5. Zuletzt gingen aber zahlreiche Probefahrtanfragen bei dem Hersteller ein – bis Mitte Mai waren es Adelmann zufolge rund 6000 verbindliche Terminanfragen –, sodass der Hersteller positiv in die Zukunft blickt: „Unser Blick bei Smart ist trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft gerichtet. Wir sind zufrieden mit dem Fundament, das wir in den zurückliegenden fünf Jahren gelegt haben“, so Adelmann.

Ladeinfrastruktur als „Achillesferse bei der E-Mobilität“

Für den Smart-CEO waren die Themen Laden und Ladeinfrastruktur „lange Zeit ein Stück weit die Achillesferse bei der E-Mobilität“. Nachdem der Smart #1 und #3 dann immerhin mit 150 kW an der Schnellladesäule laden konnte, erzielt der Smart #5 Ladeleistungen bis zu 400 kW. Adelmann zufolge hat sich die Lage beim Thema Laden somit entspannt: „Ich lade in fünf Minuten Energie für 130 bis 150 emissionsfreie Kilometer Reichweite. Das ist vergleichbares Tempo wie beim Tanken.“

Freilich können E-Autofahrer diese Ladeleistungen nur dann erzielen, wenn die Ladesäule das auch mitmacht, räumt der Smart-Chef ein. „Ich glaube, dass die Anzahl der Ladesäulen zumindest in Deutschland nicht mehr das Problem ist. Wir haben mittlerweile genug Schnellladesäulen“, so Adelmann. „Aber wir brauchen dringend ein Upgrade der Ladesäulen. Da gibt es mittlerweile einige gute Beispiele von Ladeparks, die das peu à peu durchziehen. Es gibt indes Automobilhersteller, die den 800 Volt-Schritt nicht mitgehen. Und: ich glaube, sie tun sich damit keinen Gefallen.“

Die geplanten Abschreibungen für Unternehmen könnten nach Ansicht des Smart-Chefs einen „echten Schub bei der Elektrifizierung von Dienstwagen bewirken“. Auch bei Smart begrüße man diese Maßnahmen laut Adelmann, allerdings nur „sofern sie denn langfristig Bestand haben“. Er sei kein Freund von Kaufprämien, „die man nicht durchhalten kann“, erklärt der Smart-CEO weiter. „Das haben wir gesehen, als die letzte Kaufprämie in Deutschland abrupt gestoppt wurde. Das ist kontraproduktiv. Ich bin noch weniger ein Freund davon, über Kaufprämien zu spekulieren, wenn man sie sich letztendlich gar nicht leisten kann. So etwas verhindert Marktwachstum.“

Der Smart-Chef hält E-Fuels für den falschen Weg Richtung Klimaneutralität

Adelmann würde sich persönlich eher niedrigere Strompreise wünschen. Er selbst lade seine Smart #1 und #3 seit rund zwei Jahren an einer heimischen Photovoltaik-Anlage. „Das funktioniert hervorragend. Günstiger kann kein Mensch E-Auto fahren.“ Da aber nicht jeder eine eigene PV-Anlage oder überhaupt die Möglichkeit zur Installation hat, müsse man sehen, wie man viel mehr Menschen günstigen Strom anbieten kann, so Adelmann. „Ich mache mir damit sicher keine Freunde: Aber ich würde das über höhere Benzin- und Dieselpreise finanzieren. Niedrigere Strompreise sollten nicht durch Steuereinnahmen quer finanziert werden. Wenn man schon über Klimawende spricht und das ernst nimmt, sollte man die finanziellen Notwendigkeiten aus den fossilen Brennstoffen subventionieren.“

Synthetische Kraftstoffe, die sogenannten E-Fuels, sieht der Smart-Chef indes nicht als Lösung oder Alternative zum geplanten Verbrenner-Aus 2035: „Es gibt nichts Schlimmeres, einmal getroffene Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen“, so Adelmann. Synthetische Kraftstoffe seien eine tolle Lösung für den Oldtimer, der auch noch in 30 Jahren fahren soll. Aber: „E-Fuels werden uns und den Planeten nicht weiterbringen.“

Quelle: Electrified Magazin – «E-Fuels werden uns und den Planeten nicht weiterbringen»

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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