Nissan erzeugt für Werk Strom aus Hirse

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Nissan

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der japanische Autobauer Nissan setzt auch bei der Energieversorgung seiner Werke zunehmend auf Nachhaltigkeit: Im Werk Tochigi testet Nissan laut einer Pressemitteilung nun ein stationäres System, das Strom aus Bioethanol erzeugt, also auf nachwachsende Rohstoffe setzt. Die Testphase sei der erste Schritt, um die lokalen Kapazitäten der Stromerzeugung zu verbessern. Das soll den Weg für eine großflächige Nutzung ab 2030 ebnen.

Bereits im Jahr 2016 habe Nissan als erster Automobilhersteller weltweit ein Antriebssystem für Fahrzeuge entwickelt, das eine mit Bioethanol betriebene Festoxid-Brennstoffzelle nutzt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen laut Mitteilung nun in das stationäre System zur Stromerzeugung ein.

Die Festoxid-Brennstoffzelle, kurz SOFC, sei hocheffizient: Sogenannte Reformer arbeiten bei hohen Temperaturen und erzeugen Strom aus Wasserstoff, der aus unterschiedlichen, mit Sauerstoff reagierenden Brennstoffen erzeugt wird – zum Beispiel Erd- und Flüssiggas, aber eben auch Ethanol. Die hohen Betriebstemperaturen begünstigen demnach hohe katalytische Prozesse und erzielen damit einen ebenso hohen Wirkungsgrad von 70 Prozent. Klassische Polymerelektrolyt-Brennstoffzellen (PEFC) weisen dagegen nur einen Wirkungsgrad von 60 Prozent auf.

Nissan: Keine Konkurrenz zu Lebensmitteln

Um die Festigkeit der Brennstoffzelle weiter zu verbessern, werde eine metallgestützte Zelle als Bestandteil des SOFC-Stacks entwickelt. Damit lasse sich problemlos auf plötzliche Schwankungen im Leistungsbedarf reagieren, was einen noch effizienteren Betrieb in der Zukunft ermögliche – insbesondere, wenn das SOFC-System in Verbindung mit erneuerbaren Energien genutzt wird.

Das stationäre Stromerzeugungssystem wird laut Pressemitteilung mit Bioethanol aus Sorghumhirse (Sorghum-Bioethanol) betrieben. Entwickelt wurde der alternative Kraftstoff gemeinsam mit dem Biokraftstoff-Spezialisten Binex, der diesen ab 2025 auch liefert. „Sorghumhirse absorbiert während seiner Wachstumsphase CO2, womit sich die bei der SOFC-Stromerzeugung aus Sorghum-Bioethanol entstehenden Emissionen ausgleichen lassen. Damit leistet die Pflanze einen wichtigen Beitrag zum CO2-neutralen Kreislauf„, schreibt der Autohersteller.

Es handele sich um eine einjährige Pflanze aus der Familie der Gräser, die schnell wächst und innerhalb von etwa drei Monaten geerntet werden kann. Bei idealen Anbaubedingungen ermögliche dies mehrere Ernten pro Jahr. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an Kälte und Trockenheit könne sie in verschiedenen Regionen und auf unterschiedlichen Böden angebaut werden. Der Stängel werde als Rohstoff für Bioethanol verwendet, das Korn für Lebensmittel. So entstehe keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion – einer der Kernkritikpunkte, die bei Nutzung von Ackerflächen zur Energiegewinnung vorgebracht wird. Die Abfallprodukte nach dem Auspressen der Stängel können demnach auch für die Stromerzeugung aus Biomasse verwendet werden.

Bis 2050 CO2-Neutralität das Ziel

„Der Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb ist mit großen Veränderungen verbunden. Nissan stellt sich den verschiedenen technologischen Herausforderungen; eine unserer Stärken ist die SOFC-Stromerzeugung“, erklärt Kazuhiko Murata, als Corporate Vice President bei Nissan für die Produktion und Entwicklung von Antrieben verantwortlich. „Mit eigenen innovativen Technologien werden wir die Elektrifizierung fördern und den Weg in die CO2-Neutralität vorantreiben“, führt er zudem aus.

Nissan will bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität im Unternehmen und über den gesamten Lebenszyklus seiner Modelle erreichen. Die Produktionsanlagen sollen hierfür vollständig elektrifiziert werden – auch durch die Einführung innovativer Produktionstechnologien und einer generellen Reduzierung des Energieverbrauchs. Um CO2-Neutralität in den Produktionsanlagen zu erreichen, wird der gesamte Strom aus erneuerbaren Energiequellen oder mit Brennstoffzellen, die alternative Kraftstoffe nutzen, vor Ort erzeugt.

Quelle: Nissan – Pressemitteilung vom 7. März 2024

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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alchemist:

Neben der im Artikel nicht gestellten Frage zum Energieaufwand für die notwendige Vorbehandlung der Stiele (siehe dazu meine – noch nicht freigegebene – Antwort auf den Kommentar von Daniel W. und Referenz #1) wäre es auch interessant zu wissen, welche alternative Verwendung für die nicht für Lebensmittel nutzbaren Anteile besteht. Düngung der Anbauflächen? Andere industrielle Nutzung, z.B. die Herstellung von Filmen oder Papier (siehe Referenz #2) oder gar für Konstruktionsmaterialien (siehe Referenz #3)?

#1: Biotechnol Biofuels 10 (2017) 146 (https://biotechnologyforbiofuels.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13068-017-0834-9)
#2: https://doi.org/10.1016/B978-0-08-101879-8.00017-6
#3: https://www.americansorghum.com/sorghums-eco-friendy-building-material/

alchemist:

Das ist natürlich eine völlig unbelegte, „herausgeschriene“ Meinung und Ihre Frage ist völlig berechtigt. Die nutzbare Biomasse (nicht der Körner für Lebensmittel) soll aus bis zu 78% aus dem zuckrigen Saft für die Bioethanolgewinnung bestehen. Selbst wenn das im Mittel nur ein hundertstel dieser Menge wäre, also aufgerundet ca 1% sind das immerhin einige Promille.

Biotechnol Biofuels 10 (2017) 146 (https://biotechnologyforbiofuels.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13068-017-0834-9)

alchemist:

Das energieintensive Verfahren bezieht sich wohl auf den Aufschluss der Cellulose. Die referierte BINEX Lösung dürfte eher auf den Extrakt und die Umwandlung des zuckrigen Saftes abzielen, der bis zu 78% der Biomasse ausmacht.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5465577/

Mr.Hu:

Woher willst du das mit dem Promillebereich wissen? Überhaupt: Erneuerbare Energien sind in Japan noch rar. Wenn es so unrentabel wäre, würde es niemand machen. Aber Hauptsache, wieder die Lebensmittel-Keule auspacken.

Hiker:

Wann begreifen diese Strategen endlich: KEIN Strom mit Lebensmitteln! Und wenn man nur den Stängel verwendet und das Korn als Lebensmittel nimmt, liegt der Ertrag im Promille Bereich. Die Idee ist nicht zuende gedacht und wird so niemals rentabel sein.

Daniel W.:

Ich habe hier einen älteren Artikel aus dem Jahr 2015 dazu gefunden.

—–
Verflüssigung süßer Sorghumstiele in überkritischem Methanol: Auswirkungen der Betriebsbedingungen auf Produktausbeuten und molekulare Zusammensetzung der löslichen Fraktion

Als optimale Bedingungen wurden 300 °C und 30 Minuten ermittelt …

Aufgrund dieser Eigenschaften könnten die unfruchtbaren und salzhaltigen Böden für den Anbau von Sorghum genutzt werden, was eine mögliche Lösung für die Verbindung von Nahrungsmitteln und Brennstoffen darstellen könnte. Die Gesamtfläche des salzhaltigen und alkalischen Landes in der Region Huanghuaihai und im Nordwesten Chinas wird auf mehr als 170.000 km² geschätzt , was ausreichend Platz für den Anbau von Süßhirse bietet.

(Getrennt zur besseren Lesbarkeit)

Im Vergleich zu konventionellen und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen wie Mais, Weizen und Reis weist Süßhirse einen hohen Gehalt an Zucker, Zellulose und Hemizellulose auf, die zur Herstellung von Bioethanol fermentiert werden können. Allerdings ist bei der enzymatischen Hydrolyse zur Gewinnung von Bioethanol eine aufwendige Vorbehandlung mit hohem Energiebedarf nahezu unumgänglich. Ein alternativer Ansatz zur Umwandlung von süßem Sorghum in BO verdient eine Untersuchung.

In dieser Arbeit untersuchten wir die Verflüssigung von süßen Sorghumstängeln (SSS) in überkritischem Methanol, um die Auswirkungen physikalischer Prozessparameter auf die Produktausbeuten und molekularen Zusammensetzungen der BOs zu untersuchen.
(Quelle: sciencedirect.com – Eingegangen am 5. November 2015, überarbeitet am 23. Januar 2016, … – übersetzt mit Google)
—–

Falls sich nichts verbessert hat, dann ist „eine aufwendige Vorbehandlung mit hohem Energiebedarf (300°C) nahezu unumgänglich“ – inkl. hoher Verluste.

Hier dürfte es ähnlich sein wie beim Wasserstoff und den E-Fuels, es würde in großen, sehr weit entfernten Ländern erzeugt und müsste über weiter Strecken transportiert werden und wir hätten wieder die selben Abhängigkeiten wie beim Erdöl und Erdgas. Günstiger als Ökostrom vor Ort dürfte es auch nicht sein.

Wieder das Thema „Technologie-Offenheit“ – diesmal unter einem neuen Namen, damit große Konzerne Transport, Verteilung und Profit übernehmen können.

Ein neuer Versuch die „Energiewende von unten“ zu torpedieren und die Bürger von der günstigen Energie vor Ort aus Wind und Sonne abzubringen.

Wolfbrecht Gösebert:

„[Sorghumhirse] … Der Stängel werde als Rohstoff für Bioethanol verwendet, das Korn für Lebensmittel.“

Klingt erstmal gut, ist aber nur eine Nischenproduktion und ist im Kontext zur *insgesamt* benötigten Energie der Industrie weniger als der berüchtigte Tropfen …!

Eine Energieproduktion über Solar und Wind würde wesentlich weniger Zwischenschritte erfordern, effektiver sein und wäre mit weit weniger Anlagenaufwand realisierbar!

Mr.Hu:

Ich weiß, Biogas und Bioethanol sind 2 Paar Schuhe, aber die ach so tollen Merkel-Regierungen haben Biogas einen Riegel vorgeschoben, weil Biogas ja automatisch Mais bedeutet, so zumindest das bis heute weit verbreitete Narrativ: „Für Biogas verhungern Kinder in Afrika!“ Dabei steigt der Reststoffanteil seit Jahren, der Maisanbau ging ganz natürlich wieder zurück. Schön, dass Nissan hier ganz rational vorgegangen ist.

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