FlixBus und Freudenberg entwickeln den ersten Fernbus mit Brennstoffzellenantrieb

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Freudenberg Sealing Technologies

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 5 min

FlixBus und Freudenberg Sealing Technologies arbeiten in einem Zukunftsprojekt zu nachhaltiger, CO2-freier Mobilität zusammen. Gemeinsam möchte man den ersten Fernbus mit Brennstoffzellenantrieb entwickeln und auf die Straße bringen. Erste Gespräche mit Bushersteller sind am Laufen, welche die Partnerschaft erweitern sollen.

FlixBus will „einen weiteren Meilenstein in der Mobilitätsgeschichte setzen“

Die grünen FlixBusse sind mittlerweile nicht mehr vom Straßenbild in Europa und den USA wegzudenken. Sie gelten als Verbindungen verschiedenster Orte quer durch Europa. Dabei ist Grün nicht nur die Farbe der Busse und mittlerweile auch Züge. Grün ist auch das Reisen mit den Fernbusse der FlixBus-Flotte; gleiches gilt für die mit 100 Prozent Ökostrom betriebenen FlixTrains. Gemeinsam mit Freudenberg will man noch einen Schritt weitergehen und die „Zukunft der Mobilität mitgestalten“, wie Fabian Stenger, Geschäftsführer FlixBus DACH, zu verstehen gibt.

Man frage sich immerfort, wie man „das Reisen noch nachhaltiger gestalten und den CO2-Ausstoß pro Kopf noch weiter reduzieren könne“, so Stenger weiter. Bereits im März vergangenen Jahres ist man den ersten Schritt gegangen und hat eine Testflotte von drei Elektro-Fernbussen gestartet. Nun will man „gemeinsam mit Freudenberg den ersten Fernbus mit Brennstoffzellenantrieb entwickeln und einen weiteren Meilenstein in der Mobilitätsgeschichte setzen“, so der Geschäftsführer FlixBus DACH weiter.

Brennstoffzellen-Bus – Illustration Aufbau

Freudenberg beschäftigt sich bereits seit Mitte der 1990er Jahre mit der Erforschung alternativer Antriebskonzepte und hat damit die Zukunft für die elektromobile Zukunft des Unternehmens gelegt. Dabei spielen sowohl Brennstoffzellen und Batterien eine wichtige Rolle. Für die Mobilität der Zukunft, bietet Freudenberg den Herstellern von Heavy-Duty-Anwendungen – vor allem Bussen, Bahnen, Lkw und Schiffen – komplette elektrische Energiesysteme aus einer Hand.

Nils Martens, Leiter der Division Battery & Fuel Cell Systems, gab erst vor kurzem zu verstehen: “Die Division Battery & Fuel Cell Systems fokussiert sich ausschließlich auf Heavy Duty, das heißt LKW und Lieferfahrzeuge, Busse, Bahnen, Schiffe sowie Minen- und Baufahrzeuge”. In diesem Segment allerdings zeigt sich Freudenberg auf einer breiten Basis aufgestellt und bietet komplette Systemlösungen wie Batteriesysteme, Brennstoffzellensysteme oder integrierte Hybridantriebssysteme, die die Vorzüge von Batterie und Brennstoffzelle miteinander kombinieren, an.

XALT Energy-Beteiligung und Elcore-Übernahme als wichtiger Baustein der Freudenberg/FlixBus-Zusammenarbeit

Bereits im vergangenen Frühjahr investierte die Freudenberg Gruppe, in Form einer Minderheitsbeteiligung, in das US-amerikanischen Unternehmen XALT Energy. Das Unternehmen mit Sitz in Midland (Michigan) produziert großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen, -Module und -Systeme für den Einsatz in schweren Nutzfahrzeugen, für Stadt- und Transitbusse, für die Marine-Industrie sowie für andere, industrielle Anwendungen. 2019  erhöhte die Unternehmensgruppe die Beteiligung auf 50,1 Prozent, mit der Option auf Komplettübernahme.

Ebenfalls in 2018 sicherte sich Freudenberg, mit der teilweisen Übernahme des Brennstoffzellen-Herstellers Elcore und seiner Schwester-Gesellschaft Elcomax in München, die Rechte an mehreren hundert Patenten und Patentanmeldungen. Auf diesen fußt eine hocheffiziente Brennstoffzelle für den stationären Gebrauch.

Schematische Darstellung eines Brennstoffzellen-Aggregats

Die Kombination dieser beiden Technologien für saubere, leistungsfähige und wirtschaftliche Antriebe soll laut Freudenberg Sealing Technologies künftig in die breite Serienanwendung kommen. Die daraus entstehenden integrierten Hybridantriebssysteme verbinden die Vorzüge von Batterie und Brennstoffzelle komplementär miteinander. Welche wiederum durch die einzigartige Wertschöpfungstiefe im eigenen Haus profitieren.

Schematische Darstellung eines Brennstoffzellen-Aggregats mit Beschriftung

FlixBus erwartet Brennstoffzellenantrieb-Fernbus der mit Diesel-Fernbus mithalten kann

Europas größter Anbieter von Fernbusreisen hat das Anforderungsprofil für seine Fahrzeuge klar umschrieben. So sollen die Leistungsmerkmale des Fernbus mit Brennstoffzellenantrieb, wie die Beschleunigung denen heutiger, mit Diesel betriebener Fernbusse mit Euro VI-Norm entsprechen.

Des Weiteren soll von  den Brennstoffzellen-Fahrzeuge eine Reichweite von mindestens 500 Kilometer am Stück zurückgelegt werden können, ohne nachzutanken. Das Auftanken selbst soll ähnlich wie heute höchstens 20 Minuten dauern, nur dass Wasserstoff statt Diesel in den Tank fließt.

„Wir sehen die Brennstoffzelle in Kombination mit Batterien als festen Bestandteil der Mobilität der Zukunft. Mit FlixBus haben wir einen Partner für diese Null-Emission-Anwendung gefunden und freuen uns auf die Zusammenarbeit in diesem wegweisenden Projekt.“ – Claus Möhlenkamp, CEO von Freudenberg Sealing Technologies

Starten wird man in die Validierungsphase mit einer repräsentativen Busflotte von 30 Fahrzeugen die mit dem System ausgerüstet werden. Zudem streben die beiden Unternehmen eine öffentliche Förderung im Rahmen des „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) an. Dadurch soll sichergestellt werden, dass diese Technologie schnell Marktreife erlangt und so maßgeblich zur Reduzierung von CO2 im Straßenverkehr beiträgt.

FlixBus-Partnerschaft erst der Anfang? Was folgt…

Freudenberg stellt direkt zu Beginn klar, was beim gemeinsamen Projekt mit FlixBus funktionieren kann, kann ebenfalls direkt für schwere Nutzfahrzeuge wie LKW eingesetzt werden.

„Die Elektrifizierung der Antriebstechnik schreitet in riesigen Schritten voran. Ich freue mich sehr, dass wir durch unsere Innovationskraft und Qualität mit FlixBus einen weiteren namhaften Kunde von uns überzeugen konnten“, so Möhlenkamp weiter.

Freudenberg zeigt sich zuversichtlich:

„Was gemeinsam mit FlixBus auf den Straßen Europas ins Rollen kommt, könnte auf den Autobahnen und Fernstraßen anderer Kontinente seine Fortsetzung finden – und nach dem Willen der Projektpartner auch im Schienenverkehr zukünftig Weichen stellen.“

Wir ebenfalls. Die Entwicklung des ersten Fernbus mit Brennstoffzellenantrieb, aus der Partnerschaft von FlixBus und Freudenberg Sealing Technologies behalten wir im Blick. Und natürlich was da vielleicht sonst noch so kommt.

Quelle: Per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Rene:

Was soll das mit Brennstoffzellen Busse, Shenzhen in China hat schon 16000 EL-Busse.
Viel zu kompliziert, teuer, wartungsintensiv, nicht 100% sauber produziert NOx.

Sebastian Henßler:

Was genau haben die MB-Busse nun mit der Partnerschaft von FlixBus und Freudenberg am Hut? Generell kann man ihrer Aussage zustimmen, nur der Kontext passt eben nicht.

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