Deutschland will Lithium per Geothermie fördern

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Elektroautos sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz – doch der Abbau von Lithium für die Batterien wird oft kritisiert. Was Sie über das Streitthema wissen sollten hatten wir bereits erörtert. Chile verfügt mit 8 Millionen Tonnen über die weltweit größten bekannten Lithium-Reserven. Damit liegt das südamerikanische Land vor Australien (2,7 Millionen Tonnen), Argentinien (2 Millionen Tonnen) und China (1 Million Tonnen). Künftig soll aber auch in Deutschland Lithium gefördert werden.

Sogenannte Geothermie-Kraftwerke, die die Wärme aus dem Oberrheingraben nutzen, sollen aus dem geförderten Tiefenwasser Lithium filtern. Dieses kann dann seinerseits für die Akku-Produktion verwendet werden. Geht es nach einem Bericht der Welt am Sonntag könnte der Import des Materials stark reduziert werden, wenn man die heimischen Quellen stärker nutzt. Zur Einordung: Innerhalb Europas besitzt Portugal kleinere Mengen des wertvollen Rohstoffs, auch im Erzgebirge wurden Lithium-Reserven entdeckt. Mehrere Unternehmen sollen dem Bericht nach eine Lithium-Produktion in Deutschland planen.

Geht es nach der Welt am Sonntag will beispielsweise der Energiekonzern EnBW eine Geothermie-Anlage in Bruchsal nördlich von Karlsruhe durch eine Extraktionsanlage für Lithium-Chlorid erweitern. Begonnen werden soll mit einer sogenannten Demonstrationsanlage. Im kleinen Maßstab, im Labor, haben entsprechende Versuche bereits funktioniert und Früchte getragen. Neben der EnBW plane auch Vulcan Energy in Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern Pfalzwerke eine ähnliche Erweiterung seines Geothermie-Kraftwerk. Dort will Vulcan testen, wie gut sich Lithiumhydroxid aus dem Thermalwasser herausfiltern lässt. 2021 soll bei Erfolg eine größere Demonstrationsanlage kommen, die schon im Tonnenbereich arbeiten soll. Ab 2022 sei es dann vorstellbar eine kommerzielle Anlage in Betrieb zu nehmen, die jährlich 2.000 Tonnen Lithiumhydroxid liefert.

Sicherlich sind diese Schritte richtig, um die steigende Nachfrage nach Lithium in den Griff zu bekommen. Das britische Rohstoff- und Chemie-Beratungsunternehmen Roskill geht davon aus, dass sich die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien bis 20‌29 voraussichtlich mehr als verzehnfachen und eine Kapazität von mehr als 20‌00 GWh erreichen wird, im Vergleich zu gut 180 GWh Ende 2019. Langfristig soll ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe recycelt werden – dies würde den Bedarf an „neuem“ Lithium senken. Allerdings dürfte sich dies erst ab 2030 bemerkbar machen, wenn in größerem Umfang gebrauchte Batterien zurückkommen.

Quelle: Golem.de – Lithium soll in Deutschland per Geothermie gefördert werden

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Philipp k:

Lithium gibt es tatsächlich echt überall, nur die frage ist, ob es wirtschaftlich abbaubar ist. Die dosis macht quasi das gift.
Habe gestern lustigerweise bezüglich vulcan gelesen, das geothermie wohl auch nicht überall akzeptanz findet, und ein Bürgermeister einer anliegenden gemeinde wohl dagegen sein sol. Ok ich weis, BLABLA

Nun, das ganze verfahren in seinen unterschiedlichen Ausprägungen wird DLE – direct lithium extraction genannt, und ist an sich ne gute sache meiner meinung nach

Nur ob sich das hierzulande durchsetzt halte ich erstmal für fraglich, da es ebenwoanders warscheinlich günstiger ist, und es wie gesagt auf die konzentraion ankommt.

Persönlich finde ich hier die advanced metallurgical group aus holland interessant: die haben eine lithium mine in brasilien eröffnet, und wollen eine hydroxid raffinerie in mittel-Deutschland betreiben, da so durch die endproduktion vor ort, die beste reinheit erreicht werden kann.

Stefan:

Es dürfte noch ein großes Vorkommen in Deutschland existieren. Die Vulkan Eifel.

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