Ladesäulen: Aral fordert einheitliche und digitale Genehmigungsverfahren

Cover Image for Ladesäulen: Aral fordert einheitliche und digitale Genehmigungsverfahren
Copyright ©

Aral

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 4 min

Der zunehmend in Ladeinfrastruktur investierende Tankstellenbetreiber Aral hat unter dem Titel „Deutschland im Ladecheck“ ein Umsetzungsbarometer zum Ausbau der Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Darin zeigt Aral auf, woran es in Deutschland in Sachen Bürokratie und Digitalisierung mit Blick auf den Ausbau von Ladepunkten für Elektroautos noch Verbesserungsbedarf gebe. Auch wenn die Ladeinfrastruktur im Land zuletzt wieder deutlich mehr geworden ist, wie der aktuelle Bericht der Bundesnetzagentur zeigt, könnte es mit weniger Hürden noch bedeutend schneller gehen.

„Insbesondere die bundesweit uneinheitlichen Genehmigungsverfahren für Trafostationen und unterschiedliche technische Anforderungen des jeweiligen Netzbetreibers sowie zahlreiche weitere Schwierigkeiten bei der Realisierung der Netzanschlüsse stellen zentrale Hürden für den Ladeinfrastrukturausbau dar“, schreibt Aral. Diese Herausforderungen resultieren demnach unter anderem aus der fehlenden Harmonisierung der Regelungen auf Landes- und Kommunalebene sowie zwischen den Netzbetreibern, was zu Rechtsunsicherheiten, erhöhtem bürokratischem Aufwand und unnötigen Verzögerungen führe. „Zusätzlich tragen Verzögerungen im Netzanschlussprozess erheblich zur Verlangsamung des Ausbaus bei“, kritisiert Aral ferner.

Um diese Hindernisse zu überwinden, seien eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehöre die Einführung einer bundesweit einheitlichen Baugenehmigungsregelung für Trafostationen, die grundsätzlich eine Genehmigungsfreiheit ohne Maßbeschränkungen und Zusatzkriterien beinhaltet. „Außerdem sollte der Gesetzgeber schnellstmöglich eine verpflichtende Digitalisierung und Standardisierung der Genehmigungs- und Netzanschlussprozesse bundesweit forcieren“, schreibt Aral. Dazu zählen demnach die Etablierung eines zentralen Online-Portals für Netzanschlussanträge und die Harmonisierung der technischen Anschlussbedingungen. Weiterhin sollte die Einführung gesetzlich verbindlicher Zeitpläne für die Bearbeitung von Genehmigungen und Netzanschlüssen priorisiert werden, wodurch Verzögerungen minimiert und die Planungs- und Investitionssicherheit für Unternehmen erhöht werden, heißt es weiterhin.

Umsetzungsmesser nie besser als gelb

Ein weiteres zentrales Anliegen sei der gesetzlich verpflichtende vorausschauende Ausbau des Stromnetzes, insbesondere im Hochspannungsbereich, um den zukünftigen Anforderungen der Elektromobilität gerecht zu werden.

Für verschiedene Umsetzungsschritte gibt Aral dabei anhand eines Reglers von rot bis grün den aktuellen Stand an. Zwei Bereiche werden dabei noch im roten Bereich als kaum vorangeschritten bewertet. Zum einen ist dies die Digitalisierung und Ausbau der Kapazitäten in Bauämtern. In seiner Bewertung schreibt Aral hierzu: „Bewusstsein für das Erfordernis einer schnellen, digitalen Verwaltung ist gegeben; Umsetzung bei Bauämtern erfolgt sehr langsam, kein genereller Aufbau höherer Kapazitäten sichtbar.“

Ebenfalls im roten Bereich bewegt sich der Regler für die Verpflichtung zu vorausschauendem Netzausbau, auch wenn es hier positive Tendenzen zu erkennen gebe. „Die Bundesnetzagentur hat entsprechende Ideen in ihrem Eckpunktepapier vom Januar 2024 angesprochen. Eine Umsetzung per Festlegung könnte
in den nächsten zwei Jahren nach öffentlicher Erörterung erfolgen„, heißt es in der Begründung.

Alle anderen bewerteten Teilbereiche schaffen es jedoch ebenfalls nicht in den grünen Bereich des Reglers, sondern befinden sich allesamt mittig, was gelb markiert ist. Bewertet wurden dabei eine einheitliche Baugenehmigungsregelung für Trafostationen (ohne Maßbeschränkungen), eine bundesweite Einführung des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens, eine Standardisierung der Unterlagenanforderungen, eine standardisierte, transparente und digitale Antragstellung für Netzanschlüsse sowie ein verbindlicher Zeitplan für die Errichtung eines Netzanschlusses.

Politik soll entschlossen handeln

„Das Umsetzungsbarometer verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der die verschiedenen politischen und administrativen Akteure agieren müssen, um den erfolgreichen Ausbau der Elektromobilität in Deutschland zu gewährleisten“, schreibt Aral in seinem Fazit. Von großer Bedeutung sei die bundesweite Einführung einheitlicher Baugenehmigungsregelungen für Trafostationen, die als integrale Bestandteile der Ladeinfrastruktur von der Genehmigungspflicht befreit werden müssten. „Vor diesem Hintergrund müssen die Landesbauordnungen schnellstmöglich von den Landesregierungen angepasst werden, sodass eine Verfahrensfreiheit der Nebenanlagen sichergestellt wird. Darüber hinaus sind standardisierte und digitalisierte Verfahren für Baugenehmigungen sowie Netzanschlüsse unumgänglich, um Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten“, fordern die Autoren.

Deutschland könne es sich nicht leisten, aufgrund bürokratischer Hürden und ineffizienter Prozesse die Klimaziele im Verkehrssektor zu verfehlen. Der zügige Ausbau der Ladeinfrastruktur sei die Grundlage für eine erfolgreiche Verkehrswende sowie die Etablierung der Elektromobilität. „Die Politik ist daher aufgefordert, gemeinsam entschlossen zu handeln, um die notwendigen Voraussetzungen für eine nachhaltige und zukunftssichere Mobilität zu schaffen“, richtet sich Aral nicht zuletzt auch an eine künftige Bundesregierung, die womöglich von der als der Elektromobilität eher skeptisch gegenüberstehenden CDU geführt werden könnte. „Nur durch die schnellstmögliche Umsetzung der vorgestellten Maßnahmen kann Deutschland seine Vorreiterrolle in der Elektromobilität behaupten und die Mobilitätswende erfolgreich gestalten“, mahnen die Autoren.

Quelle: Aral – Umsetzungsbarometer (PDF)

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Pete1261:

Wie wäre es denn liebe Aral, mit ein endlich durchschaubaren Ladetarif/Bezahlmethode an den Säulen??? Kreditkarte, oder wenn’s an der Tanke ist dann wie beim Sprit, bezahlen an der Kasse??? Das ist viel wichtiger für die Elektromobiltät. Bezahlen mit Kreditkarte (und nicht unzählige Karten/Apps) für ein Durchschnittspreis(!) des Stromes was er daheim kostet, PLUS ein kleiner Aufschlag um das Ladenetz instand zu halten, und den Ausbau. Noch genialer wäre ich bezahle das was ich bei mir daheim bezahle + der Instandhaltungs/Ausbauaufschlag + ein kleiner Durchleitungsobulus bis zur Säule. Das ist viel viel wichtiger als das Chaos und Mondpreise die wir jetzt haben. Das Ladechaos ist ja nicht mehr auszuhalten!!! Ich lade unterwegs nur wenn es unbedingt sein muss, und dann bei TESLA, Aldi, Lidl, Kaufland.

Harald:

solange ich noch auf öffentliche AC-Ladesäulen angewiesen bin, wünsche ich mir einen einheitlichen Ladepreis pro kW/h. Aktuell wird mir vorgegaukelt, manche Ladesäulen berechnen nur um 50Cent, letztlich können es auch gerne mal 89Cent werden.
Als absolutes Ärgernis bekam ich heute als Rechnung per eMail am 1.1.2025 eine Abrechnung, nach der ich laut MAINGAU eine Blockiergebühr zahlen soll.
Angeblich stand mein BEV von 17:10 bis 18:30 Uhr nach Ablauf der maximalen Ladedauer noch 83 Minuten an der Ladesäule. Dumm nur, dass ich belegbar zu dieser Zeit wieder unterwegs war. Nun eine Reklamation oder ein Anruf ist sicher vergebens, daher schone ich meine Nerven und zahle den Fehlbetrag von 8,30 €.
Nur die Ladekarte von MAINGAU verschwindet nun in einem Fach der ungeliebten Anbieter.
Kann man es nicht endlich mal vereinheitlichen?
Manche Anbieter erheben eine Blockiergebühr nach 120 Minuten, andere erst ab 180 Minuten und wenige erst ab 240 Minuten. Nur ein Anbieter setzt auf Fairness und erhebt noch keine Blockiergebühr. In der Regel brauchen und stehen wir nicht länger an der AC-Ladesäule als 60-90 Minuten.

Das ganze Wirrwarr der unterschiedlichsten Berechnungen der kW/h Preise und der stillen Kürzungen der Standzeiten ist schon nervig. Wenn auch dann noch die Säulen streiken oder das Ladekabel wird nicht freigegeben oder man kann auch mit 8 unterschiedlichen Ladekarten nicht die Säule aktivieren, ist das für die eMobilität sicher nicht förderlich.
Mein nächstes Auto wird im Jahr 2026, so wie es aktuell aussieht, sicher wieder ein Verbrenner werden.
Wenngleich ich mich bereits auf die neue BMW-eFamilie bzw dem CLA von Mercedes gefreut habe.
Aber liebe Politik und Ladestromanbieter, macht zunächst eure Hausaufgaben und setzt uns keine unausgereiften Produkte vor, die uns nur Frust bereiten.

Sagitarius:

Aral ist eigentlich vorbildlich. Meisten Ladeparks wie Tankstellen überdacht. Da kann sich eon mal was abschneiden mit ihren schlecht gelegenen Ladeparks in irgendwelchen Industriegebieten ohne Überdachung

Ähnliche Artikel

Cover Image for Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Daniel Krenzer  —  

Stecker rein und einfach losladen: Diese unkomplizierte Art des E-Auto-Ladens gibt es für immer mehr Modelle. Doch welche sind die günstigsten?

Cover Image for Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Michael Neißendorfer  —  

Effizienter, intelligenter und resilienter will Deutschlands größter Autohersteller werden: Dafür setzt der VW-Konzern in der Produktion verstärkt KI ein.

Cover Image for Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Michael Neißendorfer  —  

Im stadtnahen CLTC-Zyklus fährt der neueste Plug-in-Hybrid von Volvo 200 Kilometer weit. Ob er nach Europa kommt, ist noch offen.

Cover Image for Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Daniel Krenzer  —  

Mit der Anzahl der getauschten Akkus geht es für Nio in Europa voran, doch von den 170 geplanten Standorten gibt es bislang nur 60.

Cover Image for EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

Daniel Krenzer  —  

In Deutschland steigt der Anteil von Elektroautos in diesem Jahr besonders stark an. Frankreich hingegen schwächelte.

Cover Image for PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

Sebastian Henßler  —  

Europas Batteriebranche kämpft mit hohen Kosten, fehlendem Know-how und dem Vorsprung asiatischer Wettbewerber – PEM-Professor Heimes zeigt die Folgen.