Wasserstoff: So stellt sich die Energiewirtschaft den Hochlauf vor

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft und die Nutzung von erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen als Transformations- und Wachstumstreiber nimmt weltweit Fahrt auf. „Auch in Deutschland müssen die Weichen für einen entschlossenen Wasserstoffhochlauf gestellt werden“, schreibt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in einer Pressemitteilung. Der BDEW hat hierzu nun ein „Diskussionspapier für ein Marktdesign für Wasserstoff“ vorgelegt. Es soll wesentliche Bausteine für die Entwicklung eines Marktes aufzeigen und umreißt vier Phasen des Wasserstoffhochlaufs, wie sie der Verband sich vorstellt.

„Für die Energiewende und aber auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland bietet der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft enorme Chancen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Die kommenden Jahre werden in Deutschland und Europa entscheidend für die Frage sein, ob der Wasserstoffhochlauf im großen Stil gelingen und ob ein Umfeld für Innovationen und Investitionen geschaffen wird. Wir sollten deshalb eine europäischen Marktdesigndebatte führen – ähnlich wie bei Strom und Erdgas.“

Markthochlauf noch am Anfang

Das Zielbild für die Wasserstoffwirtschaft sollte aus Sicht des BDEW auf lange Sicht ein funktionierender Wettbewerbsmarkt sein. Langfristig würden so Investitionsentscheidungen aufgrund von transparenten Preissignalen und Absicherung gegenüber marktlichen Risiken für die Nachfrage- und Angebotsseite ermöglicht. Die Nachfrage nach Wasserstoff erfolge dann auf Basis wirtschaftlicher Entscheidungen und werde das Angebot weiter befördern.

„Aktuell befindet sich der Markthochlauf noch am Anfang: Die Technologien rund um Wasserstofferzeugung, -transport, -speicherung und -nutzung sind in großen Teilen verfügbar und technisch reif. Es fehlt bisher allerdings die Erprobung im Zusammenspiel der verschiedenen Wertschöpfungsstufen“, erklärt Kirsten Westphal, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Dies liege auch daran, dass die langfristigen Marktaussichten bisher noch zu ungewiss und die finanziellen Risiken daher zu groß sind. „Privatwirtschaftliche Investitionen erfolgen noch nicht in ausreichendem Umfang. Für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf brauchen wir Mut und Pragmatismus. Regulatorische Hürden sollten deshalb gering gehalten, Angebot und Nachfrage durch konsistente Förderinstrumente angereizt und ein verlässlicher Regulierungsrahmen, zum Beispiel für die zukünftige Wasserstoffinfrastruktur gesetzt werden.“

BDEW sieht vier Phasen

Zudem brauche es klare Regeln, Standards und Zertifizierungen für den Handel mit Wasserstoff und seinen Derivaten. Dazu gehöre auch ein EU-weites, transparentes und international anschlussfähigen Herkunftsnachweis- und Zertifizierungssystems. Der BDEW sieht demnach vier Phasen für die Entwicklung des Wasserstoffmarkts:

Während der Initialphase müssten wichtige Grundvoraussetzungen bis 2023/2024 geschaffen werden, um den Markthochlauf zeitnah zu initiieren. Zu diesem frühen Zeitpunkt einer Hochlaufkurve seien staatliche Unterstützung, regulatorische Flexibilität und ein glaubwürdiges Zielbild essenziell, um Anreize zu setzen, die Finanzierung zu ermöglichen, Risiken zu minimieren und Transparenz zu schaffen.

Dies sollte den Weg für die anschließende Aufbauphase ebnen. Die Aufbauphase dauere laut Definition des Papiers bis Anfang der 2030er Jahre, wenn das H2-Kernnetz und weitere Leitungen auf Fernleitungs- und Verteilnetzebene in Deutschland aufgebaut seien und die Übergangsregelungen aus dem europäischen Wasserstoff- und Gasmarkt-Dekarbonisierungspaket endeten. In der Aufbauphase würden erste internationale Lieferbeziehungen etabliert, Projekte ausgedehnt, die Wasserstoffnutzung in der Industrie angereizt und bedarfsgerecht Gasverteilnetze auf Wasserstoff umgestellt.

Immer günstigere Preise erwartet

Im Anschluss vollziehe sich in der Ausprägungsphase von circa 2032 bis 2035 immer mehr die Entwicklung hin zu einer durch überwiegend marktliche Mechanismen gesteuerten Wasserstoffwirtschaft. Bis etwa 2040 würden auch langfristig angelegte staatliche Fördermechanismen nach und nach auslaufen. Die Wasserstoff-Erzeugung werde nun durch die Nachfrageseite angereizt und durch Skalierung und Preissenkungen bei Erneuerbarem Strom immer kostengünstiger, der internationale Handel mit Wasserstoff wachse und der industrielle Mittelstand werde großflächig mit Wasserstoff versorgt. Das Wasserstoff-Kernnetz werde zum H2-Backbone weiterentwickelt und die europäische Einbindung des Netzes verstärkt.

Rund um das Jahr 2040 soll laut BDEW dann die Zielphase eines funktionierenden Wasserstoffmarkts erreicht sein. Dann würden Wasserstoff und seine Derivate in Deutschland, der EU und global in ausreichenden Mengen erzeugt und gehandelt, ein Markt für Wasserstoff (und seine Derivate) sei etabliert und ein virtueller Handelsplatz existiere. Zudem sei eine voll funktionsfähige Infrastruktur vorhanden und ein europaweites Wasserstoffnetz habe sich herausgebildet, das die notwendigen Transport- und Verteilungsaufgaben übernimmt.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft – Pressemitteilung vom 04.07.2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Captain Ahab:

Es sind Dutzende von Milliarden Investitionen und von GW grüner Stromproduktion geplant. Du bist nur schlecht informiert.

Die sogenannte ‚Projektpipeline‘ für grüne H2-Produktion beträgt über 1’000 Milliarden $.
Man findet diese Informationen ganz leicht im Netz, aber die meisten H2-Leugner wollen das gar nicht wissen.

Captain Ahab:

Es gibt Zeiten, da kostet die kWh im Handel 75 Cents. Meist kostet sie 10 bis 20 Cents. manchmal kostet sie aber gar nichts und manchmal krieg ich sogar noch etwas für den Bezug.
D hat schon 2019 5 TWh Windstrom abgeregelt – und trotzdem bezahlt.
In Südaustralien ist Strom fast jeden Tag von 09:30 bis 15:30 nichts wert. Null, Zero.

Merkst du etwas? Bei den Kosten für den Strom kommt es nicht nur auf die Menge an, sondern auch auf den Zeitpunkt. 4 mal 5 Cents ist immer noch weniger als 1 mal 30 Cents. Und zudem auch noch netzdienlicher.

Und dann noch der Ort: Das gleiche PV-Modul produziert in der algerischen Wüste dreimal so viel Energie wie auf einem hessischen Acker. Und die gleiche Windkraftanlage produziert an der marokkanischen Küste dreimal so viel Energie wie am Bodensee.

Also hört doch endlich mal mit dieser primitiven Milchmädchenrechnung auf!

Djebasch:

Das Größte Problem was ich eher sehe ist das alles nur Luftschlösser sind.
Wer will denn wo in Afrika oder Latein Amerika welche Anlagen bauen?
Die Mengen die geplant sind sind Peanuts…

Hans Rudolph:

Das Erzeugen von Wasserstoff verlangt 4-mal soviel Energie wie das laden eines E-Akkus. Damit müsste Wasserstoff 4-mal so teuer sein. Doch wird eine lobby-gesteuerte Wirtschaft einen Weg finden, diese Kosten auf alle zu verteilen.

Djebasch:

Also das größte Problem ist das Wasserstoff über Leitungen kaum verteilt werden kann, die Ermüdung der Materialien sorgt dafür das alle 10 Jahre diese erneuert werden müssten… wer will das… daher ist eine lokale Produktion durch Windräder oder Solar wichtig was aber auch sehr teuer ist.
Tankwagen machen es auch nicht besser…
Am Ende wird das alles entweder ein Subventionsmonster oder unrentabel und damit sind alle Unternehmen zum scheitern verurteilt…

Daniel W.:

Bevor man Wasserstoff-Luftschlösser plant, sollte man erstmal PV- und Windkraftanlagen in Deutschland bauen und zwar massiv in kurzer Zeit, um nicht gleich in die nächste Abhängigkeit von Wasserstoff aus Afrika zu kommen, denn gerade dort sind Russland und China sehr aktiv.

Wer jetzt auf Wasserstoff aus Afrika setzt, der kommt vom fossilen russischen und arabischen Regen in die Wasserstoff-Traufe von Ländern unter chinesischem und russischem Einfluß.

Für mich sind Verkehr, Haushalte und Gewerbe in der Zukunft batterie-elektrisch mit regionalen Wasserstoff-Dunkelflauten-Reserven, von denen ein Teil auch für den Mittelstand zur Verfügung steht, wenn PV und Windkraft jetzt zügig und massiv ausbaut.

Nur die Großindustrie braucht Wasserstoff aus Afrika in größerem Maße und Wasserstoffnetze von den Häfen zu den Industriezentren, d.h. man könnte diese Industrien in der Nähe von Häfen konzentrieren, da sie auch andere Rohstoffe per Schiff bekommen und spart beim H2-Leitungsnetz.

brainDotExe:

Stahl sollte man auch größere Mengen günstiger via Lichtbogenofen erzeugen können.

Der Lichtbogenofen ist doch meines Wissens nach der zweite Prozessschritt. Im ersten findet die Reduktion mit Wasserstoff statt.
Bzw. das ist ja die von dir genannte Roheisenerzeugung.

DarkestMage:

Für welche Branchen/Bereiche wird denn eigentlich mit einem großen Wasserstoff Bedarf gerechnet?

Landtransport und Heizung sind es nicht, das ist bekannt. Prozesswärme in der Industrie wird bis zu einem gewissen Temperaturbereich auch mittels Hochtemperatur Wärmepumpen günstiger abzudecken sein. Stahl sollte man auch größere Mengen günstiger via Lichtbogenofen erzeugen können.

Es bleiben soweit ich das sehen kann Roheisenerzeugung, Glasherstellung und chemische Industrie. Letztere wird einiges (Dünger, Harnstoff etc.)eher mittels Ammoniak abdecken wollen.

Die genannten Bereiche sind aber vermutlich eher nicht massiv geografisch verteilt so das sich ein weitverzweigtes Wasserstoffpipelinenetz rechnet. Insbesondere wenn man bedenkt, das einiges auch mittels Elektrolyse direkt vor Ort abgedeckt werden kann.

Übersehe ich was?

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