Warngeräusch Avas für elektrifizierte Fahrzeuge ab 2021 verpflichtend!

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Bereits im November 2018 hatten wir darüber berichtet, wie schön es sein könnte, dass Elektroautos beinahe lautlose durch die Gegend surren, nur das Abrollgeräusch der Reifen bei höheren Geschwindigkeiten ab etwa 30 km/h zeugt vom herrannahenden Fahrzeug, ansonsten beinahe Stille. Doch damit ist ab 2021 endgültig Schluss.

Denn das Avas (Acoustic Vehicle Alerting System) – ein künstliches Warngeräusch für Hybrid- und Elektrofahrzeuge – wird ab Juli 2021 für alle erstmals zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge im Rahmen einer EU-Verordnung verpflichtend vorgeschrieben. Durchaus sinnvoll, denn Blinde und Menschen mit schlechter Sehkraft können sich nur auf ihr Gehör verlassen, wenn sie eine Straße überqueren. Avas ist daher notwendig, um diese zu schützen.

Blindenverbände konnten durchsetzen, dass Elektroautos per Gesetz einen Warnton abgeben müssen. Eine entsprechende EU-Verordnung wurde bereits im Jahr 2014 verabschiedet. Künftig ertönt das Warnsignal bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. Somit ist es Fußgängern früher möglich E-Autos wahrzunehmen.

Die akustische Warneinrichtung AVAS muss bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren einen Verbrenner-ähnlichen Ton mit mindestens 56 dB(A) und maximal 75 dB(A) bei 20 km/h erzeugen. Vorgeschrieben sind mindestens zwei Terzbänder, eines davon mit weniger als 1600 Hertz, damit auch Senioren mit schlechtem Gehör frühzeitig auf das sich nähernde Fahrzeug aufmerksam werden. Beim Beschleunigen soll sich die Tonlage von einer eher tiefen zu einer höheren Frequenz verändern.

Ohne Avas können Fußgänger ein elektrisch betriebenes Auto bei einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern erst akustisch wahrnehmen, wenn es weniger als acht Meter entfernt ist. Dann hat man gerade einmal eineinhalb Sekunden Zeit, bis es zum Aufprall kommt. Zu wenig!

„Die Gefahr durch lautlose Autos besteht schon jetzt – und nicht erst in zwei Jahren! Jedes Fahrzeug, das ohne Avas auf unsere Straßen kommt, wird dauerhaft lautlos fahren und so zu einem gefährlichen Mischverkehr aus hörbaren und lautlosen Autos beitragen.“ – Klaus Hahn, Präsident des DBSV

Bei höheren Geschwindigkeiten, über 20 km/h, sollen dann die Reifengeräusche ausreichen, damit man die E-Autos wahrnehmen kann. Vonseiten des Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) wird ein Avas bis zu 30 km/h gefordert. Des Weiteren soll der Warnton nicht über einen entsprechenden Taster im Fahrzeuginneren abschaltbar sein.

Kritiker bemängeln das künstliche Fahrgeräusch AVAS als unnötige Lärmquelle: „Es macht die E-Fahrzeuge zwar für manche Verkehrsteilnehmer sicherer, schränkt aber das lautlose Gleiten für den Fahrer ein“, so Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Er ist sich aber auch sicher, dass sich dieser Nachteil nicht auf den Durchbruch der Elektromobilität auswirke, da es „viel zu viele andere Vorteile“ gebe, die für das Elektroauto sprechen.

Quelle: emobilitaet.online – Warngeräusch Avas für E-Fahrzeuge ab 2021 verpflichtend

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Spanier:

Dieses verzerrte Klingeln, genau wie es oben im Text beschrieben wird, hat mich im Urlaub im Süden fast jeden Morgen um 6.15 h geweckt. Am Anfang war ich regelrecht beängstigt, was das wohl sei, bis es zum Psychoterror wurde und ich am Haus auf Lauer ging .. ein Elektroauto beim Ausparken!

Konsequenz: Fenster zu, keine naturgekühlte Luft mehr von draußen, sondern Klimanalage an.

Andreas Dorfer:

In Deutschland E-Roller sind auch Elektro-Kraftfahrzeuge (im Gegensatz zu den kleinen Pedelec, in Österreich sind sie es nicht).
Da bei AVAS keine „Mindestgewichte“ angegeben sind werden auch die Elektro-Nicht-Tretroller entsprechende Soundmodule ab diesem Jahr benötigen.

Joe Schmidt:

Die nicht mehr deaktivierbaren AVAS-Zwangsgeräusche sind so unnötig wie ein Kropf! Die angeblich erhöhte Unfallgefahr rührt allenfalls daraus, dass sich die /alle Verkehrsteilnehmer erst an die neue Situation mit den leisen el. Kfz anpassen müssen.
Eigentlich sollte man dies aus den Pedelec gelernt haben, die sowohl von den Fahrern (Bremsweg) als auch von Fußgängern (Geschwindigkeit) zuerst auch häufig falsch eingeschätzt wurden. Heute ist das Pedelec so präsent, dass sich die Leute daran gewöhnt haben.

Man erwartet schlicht für ein Kfz gewisses Geräusch und hat verschiedene Geräusche mit tausenden Situationen /Geschwindigkeiten /Fahrzeugen als Erfahrungswerte abgespeichert. Da müssen Fußgänger, Radfahrer, Kinder – schlicht mit den BEV alle etwas neues lernen. Was sogar erschwert wird, wenn jedes BEV seinen eigenen AVAS-Lärm produziert.

Der Yuppie mit Kopfhörern /Ohrhörern oder ein Hörgeschädigter wird ein BEV mit AVAS ebenso wenig hören wie ein anderes Auto. Ein Fahrrad macht ebenso nur leise Geräusche – bekommt aber kein AVAS. Der Mensch lebte früher in einer sehr stillen Umwelt. Daher konnte er auch leise Umgebungsgeräusche noch wahrnehmen und zuordnen …

Das AVAS ist ein bürokratischer Schnellschuss ohne wissenschaftlichen /nachgewiesenen Hintergrund. Ich möchte nicht ausschließen dass früher geschürte „Urängste“ gegen das BEV hier noch späte Früchte tragen.

Peter:

Sollte nicht eigentlich der Autofahrer aufpassen, dass er keinen Fußgänger ummäht? Wenn ein Verbrenner mit 20 km/h in meiner Nähe ist, rechne ich auch nicht unbedingt damit, dass er mich über den Haufen fährt, obwohl ich ihn höre!

Der Staat:

Autos. Müssen vermehrt laut sein und Fahrräder, so wie früher, haben keine Klingeln mehr. Versteh die Welt nicht mehr und das grade bei dem selben tempo. Wer mach solche Gesetze?

Niki:

Unsinnig und überflüssig.
Als nächstes bekommen wahrscheinlich die Radfahrer und Fußgänger eine Kuhglocke umgehängt. Sicher ist sicher!
https://www.schweizerbauer.ch/images/61303_1.jpg

Manfred Ostertag:

Selten so einen Blödsinn gelesen! Endlich kehrt etwas Ruhe ein, muss wieder Krach gemacht werden! Das ist wie mit den ganzen Piepsern auf Baustellen, da reagiert auch keiner mehr, denn irgend etwas Piepst und pfeift ja immer! Sinnvoller wären ja aktive, nicht abschaltbare Bremsassistenten, die auch das vorbeifahren mit zu geringem Abstand unterbinden – Radfahrer würden es sehr begrüßen!!!

Ralph:

Schlauer wäre es, wie beim Fahrrad eine Fussgängerklingel einzurichten. Z.B. mit einem freundlichen und eindeutigen „Ding-Dong“; bei Bedarf vom Fahrer mit einem zweiten knopf am Lenkrat ausgelöst. Stadbewohner, die an Kreuzungen oder verkehrsreichen Strassen wohnen werden es danken. Über die Forderung nach einem Verbrennermotor-ähnlichen Geräusch kann ich nur den Kopf schütteln. Dann doch lieber noch Hufegeklapper oder Dampfmaschine. Gut das wie bisher keine Autos mit Turbinenantrieb hatten…

Gunnar:

Radfahrer oder E-Roller geben auch kaum Geräusche von sich. Leise Verkehrsteilnehmer künstlich lauter zu machen, finde ich den falschen weg. Wenn insgesamt die Geräuschemmision abnimmt, dann sind auch leise Verkehrsteilnehmer leichter wahr zu nehmen.
Ich fände es besser, wenn das Fahrzeug z.B. durch Funksignale auf sich aufmerksam macht, das wiederum mit passenden kleinen Empfängern ausgelesen wird und so Menschen mit Hörschwäche, Blinde, etc. vor dem ankommenden Fahrzeug warnt.

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