Stellantis-Händler fordern Lockerung der CO2-Ziele

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Stellantis / Peugeot – Cédric Viollet @ ContinentalProductions

Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Ein zunehmender Konflikt innerhalb des Stellantis-Konzerns beschäftigt die Autobranche. Während der CEO des Unternehmens, Carlos Tavares, weiterhin auf die strikten CO₂-Ziele der EU pocht, wenden sich nun Händler gegen diese Haltung. Sie unterstützen stattdessen die Forderung anderer Hersteller, die eine Anpassung der Vorgaben verlangen.

Im Gegensatz zu den meisten Autobauern hält Tavares an den verschärften CO₂-Vorgaben fest, die bis 2025 erfüllt werden müssen. Das sorgt für Unmut bei den europäischen Stellantis-Händlern, die befürchten, die Last dieser strengen Ziele tragen zu müssen. In einem Brief an die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, machen sie ihre Position deutlich. Sie fordern eine Überarbeitung der CO₂-Gesetzgebung und warnen vor den wirtschaftlichen Folgen, sollte es keine Anpassungen geben.

Händlerverbände machen Druck

In dem Schreiben, das zuerst vom Manager Magazin berichtet wurde, argumentieren vier große Stellantis-Händlerverbände, dass die gegenwärtigen Marktbedingungen die Erreichung der CO₂-Ziele nahezu unmöglich machen. Dabei handelt es sich um die Händlervertretungen von Peugeot (AECP), Citroen und DS (ACCDE), Fiat (ADEFCA) und Opel (Euroda), wie nun auch die Automobilwoche berichtet. Sie gehören zu den bedeutendsten Vertriebsorganisationen Europas und sehen sich zunehmend unter Druck gesetzt.

Insbesondere die Unsicherheit über die zukünftigen Verkaufsziele sorgt für Unruhe. Noch stehen die Vorgaben für das kommende Jahr nicht fest, doch es zeichnet sich ab, dass Händler ihre Bonuszahlungen riskieren, wenn sie die CO₂-Ziele nicht erreichen. Dies ist nicht die erste Herausforderung für das Vertriebsnetz. In den vergangenen Jahren wurden bereits die Gewinne der Händler gekürzt, was zu Unzufriedenheit in den Reihen der Partner geführt hat.

Viele Händler sehen ihre wirtschaftliche Existenz bedroht, wenn die CO₂-Ziele weiter verschärft werden. Um die CO₂-Ziele zu erreichen, müsste Stellantis laut einer Berechnung des Marktanalysten Dataforce den Anteil von batterieelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden nahezu verdoppeln. Konkret bräuchte es einen Elektroauto-Anteil von 18 Prozent und weitere 7,5 Prozent durch Plug-in-Hybride, um die CO₂-Vorgaben zu erfüllen. Doch die Nachfrage nach E-Autos stagniert, die jüngsten Zahlen zeigen einen leichten Rückgang der Verkäufe.

Diese Diskrepanz zwischen den politischen Vorgaben und der Realität auf dem Markt führt zu wachsender Frustration bei den Händlern. Sie sehen die CO₂-Ziele in Gefahr und fordern, dass die Politik realistische Maßnahmen ergreift, um den Übergang zur Elektromobilität zu erleichtern.

Neue Ansätze für CO₂-Messung gefordert

Neben der Anpassung der Zielvorgaben verlangen die Händler auch eine Änderung in der Art und Weise, wie CO₂-Emissionen gemessen werden. Sie plädieren für einen ganzheitlichen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Autos berücksichtigt – von der Produktion bis zur Nutzung. Dieser Ansatz würde aus ihrer Sicht zu effektiveren Reduktionen führen und gleichzeitig den wirtschaftlichen Druck auf Händler verringern.

Die nächsten Monate dürften entscheidend sein für den weiteren Verlauf des Konflikts. Sowohl Stellantis als auch die EU-Kommission stehen vor der Herausforderung, einen Weg zu finden, der sowohl den Klimazielen gerecht wird als auch die Existenz der Händler sichert.

Quelle: Automobilwoche – Stellantis-Händler fürchten ehrgeizige CO2-Ziele

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Robert:

soll der Herr habeck gleich mal das passende Gesetz dazu machen, allerdings zu welcher Strafe soll Mutter Natur verdonnert werden qwenn sie mit dem Klimawandel nicht aufhört? werden dann sanktionen verhängt? Strafzölle?

Martin:

Es war nicht Faulheit. Die hatten bei Verbrennern einfach eine höhere Marge.

Gregor:

#agenturmodell , da spart man sich die nasse Schulter von den Händlertränen.

Voltaire:

Ich fordere die sofortige Anpassung des Klimawandels an die Bedürfnisse des Kfz-Handels !

Robert:

ja und Mercedes verkauft seine Werkstätten oder schließt sie einfach und dünnt das Werkstattnetz massiv aus und das ist dann besser?

Robert:

Vertehe jetzt nicht was die Händler mit den CO2 Regeln zu tun haben? Für die Einhaltung der CO2 Grenzwerte sind die Hersteller verantwortlich und nicht die Händler wenn zu wenig verkauft wird muss der Hersteller, halt wie in einer Marktwirtschaft eben üblich die Preise gesenkt werden das war schon immer so

egon_meier:

wundert mich bei den Stellantis-Händlern sowieso nicht. Die kämpfen um ihre nackte Existenz. Die BEV zur Flotten-Kompensation sind unverkäuftlich (man sehe sich mal die Marktanteile an) weil minderwertig und unverschämt teuer und dann müssen die Verbrennerpreise noch rauf weil Strafen bezahlt werden müssen.

Ja. stellantis eben.

Silverbeard:

Das ist die erste Herausforderung für Händler seit Autos verkauft werden. Und sie versagen sofort komplett.
Anstatt über die CO2 Vorgaben zu jammern, sollten die VerkäuferInnen geschult werden, damit sie E-Autos verkaufen können.
Hilfreich wäre es z.B. die E-Autos nach vorne zu holen und die Verbrenner im Ausstellungsraum in die Schmuddelecke zu stellen.

Aber mal ernsthaft. Hier geht es nicht um CO2. Die Händler wissen ganz genau, dass die E-Autos viel weniger Service brauchen und länger halten. Die haben einfach nur Angst, dass sie sich selbst ihr Geschäftsmodell ‚Ölwechsel‘ vernichten müssen.
Da hat es Tesla viel besser. Die Autos werden über das Internet verkauft und die Werkstätten gehören dem Konzern.

Johannes:

Statt die Schuld außerhalb zu suchen, wären die Händler gut beraten ihr Verkaufspersonal zu schulen. Erstmal nicht aus Faulheit den Kunden zum Verbrenner raten. Dann vielleicht auch mal mit zur Ladesäule fahren und zeigen wie das geht. Basiswissen vermitteln.
Aufweichung der CO2 Vorgaben zu fordern ist schwach und wie die anderen Posts sagen auch ziemlich dumm.

Rolando:

Genau und der Klimawandel wird mal einfach auf später verschoben….

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