RNV setzt auf Elektro-Busse mit Wasserstoff-Range-Extender

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Mercedes-Benz

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Verkehrsbetriebe Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) mit Hauptsitz in Mannheim beschleunigen ihre Transformation hin zur Elektromobilität. Im Beisein von Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg sowie Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg und Christian Specht, Aufsichtsratsvorsitzender RNV, erfolgte der erste Spatenstich für den neuen Betriebshof in Heidelberg mit einer auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Wasserstofftankstelle. Gleichzeitig gab das Unternehmen einen Großauftrag über bis zu 75 vollelektrisch angetriebene Gelenkbusse des Typs Mercedes-Benz eCitaro G mit Brennstoffzelle als Range Extender bekannt.

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH mit Hauptsitz in Mannheim ist der größte Mobilitätsdienstleister in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die RNV gehörten im Frühjahr 2019 zu den ersten Kunden des Elektro-Busses Mercedes-Benz eCitaro. Heute sind bereits 36 der vollelektrisch angetriebenen Stadtbusse an den Standorten Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen erfolgreich im Einsatz. Jetzt wurde die Lieferung über 40 eCitaro G mit Range Extender in den Jahren 2023 und 2024 fixiert, hinzu kommt eine Option über 35 weitere Gelenkbusse bis 2027.

Mit den Gelenkbussen von Mercedes-Benz mit Brennstoffzelle und Wasserstoff als Range Extender tritt die Elektrifizierung unseres Omnibusverkehrs in eine neue Phase ein“, erklärt Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der RNV. Die dreitürigen Gelenkbusse verfügen über zwei Antriebstechnologien: Sechs Batteriepakete mit Lithium-Ionen-Akkus bilden die Basis der Stromversorgung. Sie verfügen über eine Batteriekapazität von 392 kWh. Hinzu kommt ein Brennstoff­zellenstack. Es wandelt Wasserstoff aus den sechs Tanks der Gelenkbusse mit zusammen 30 kg Inhalt in Strom um. Daraus resultiert eine Gesamtreichweite von mehr als 300 Kilometern.

Mercedes-Benz-Elektro-Wasserstoff-Bus-RNV-Betriebshof
Daimler Truck

Das Aufladen der Batterien bzw. Betankung der Wasserstoffbehälter erfolgt durchweg in den Betriebshöfen der RNV oder deren unmittelbaren Nähe in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. Der neue Betriebshof in Heidelberg bietet Platz für 27 Elektrobusse mit Range Extender. Außerhalb des Betriebshofes werde eine Tankstelle mit zwei Tankplätzen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, so Daimler Truck in einer aktuellen Mitteilung. Mit Ladesteckdosen links und rechts über der Vorderachse sind die Mercedes-Benz Gelenkbusse sehr flexibel, was ihre Aufstellung im Betriebshof angeht. Wasserstoff wird in Fahrtrichtung rechts über der zweiten Achse eingefüllt.

Angetrieben werden sowohl die Mittel- als auch die Hinterachse der Gelenkbusse. Das soll eine hohe Traktion und eine gute Performance auch auf anspruchsvollen Streckenabschnitten sicherstellen. Die radnabennahen E-Motoren leisten pro Rad 141 kW (192 PS) und erreichen ein Drehmoment von 494 Nm. Daraus resultiert durch eine fixe Übersetzung ein Drehmoment von 11.000 Nm pro Rad.

Ausstattung komfortabel, sicher und bedienungsfreundlich

Die Gelenkbusse für RNV sind umfangreich ausgestattet und das Außendesign setzt sich im Fahrgastraum fort: Die Omnibusse sind von den Haltestangen in Pastellorange über einen Boden in Holzoptik bis zur Bestuhlung Mercedes-Benz City Star Eco mit Sitz- und Lehnfläche mit blau-grau-orangenem Stoffbezug gestaltet. Gleich zwei Sondernutzungsflächen sind für Rollstühle und Kinderwagen vorgesehen. Mitgebrachte Fahrräder lassen sich mittels eines Befestigungsgurts arretieren. Zahlreiche USB-Doppelsteckdosen für elektronische Geräte der Fahrgäste sowie zwei TFT-Bildschirme im Großformat von 29 Zoll sollen Information und Unterhaltung an Bord sicherstellen.

Die Fahrer:innen des Elektrobusses nehmen hinter einer Kabinentür mit vollflächig verglaster Trennscheibe auf einem klimatisierten Sitz Platz. Vom elektrisch verstellbaren Innenspiegel über eine Kühlbox für Getränke bis zum Ablagekasten für ein Tablet lässt ihr Arbeitsplatz kaum noch Wünsche offen.

Auch das Sicherheitsequipment ist umfangreich. Der aktive Bremsassistent Preventive Brake Assist sowie der Abbiege-Assistent Sideguard Assist sollen vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer schützen. Neu: Die seitlichen Markierungsleuchten verfügen über eine Blinkfunktion, gekoppelt mit dem Richtungsanzeiger. Die Reifendruckkontrolle warnt vor Druckverlust, eine Rückfahrkamera unterstützt ebenso beim Rangieren wie das Rückfahr-Warnsignal. Sicherheit anderer Art vermitteln Aktivfilter mit antiviraler Funktion sowie Filter für die Gebläseheizgeräte. Und sechs Domkameras überwachen den Fahrgastraum.

Rhein-Neckar-Verkehr GmbH: drei Städte, ein Verkehrsunternehmen

Die RNV betreibt Bus-, Stadtbahn- und Straßenbahnlinien in den Städten Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen am Rhein sowie zwei regionale Eisenbahnlinien. Der Fuhrpark umfasst 129 eigene Busse und 101 Busse von Subunternehmen sowie 190 eigene Bahnen. Das Verkehrsangebot wurde im Geschäftsjahr 2021 von rund 108 Millionen Fahrgästen genutzt. Der Verkehrsbetrieb hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2032 die gesamte Fahrzeugflotte auf lokal emissionsfreien Antrieb umzustellen. Der Mercedes-Benz eCitaro und die jüngst georderten eCitaro G mit Range Extender sind ein wesentlicher Baustein dafür.

Quelle: Daimler Truck – Pressemitteilung vom 17.10.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Djebasch:

Gerade mal gegoogelt
Preis Wasserstoff Bus 650000€
Preis Batteriebus 550000€
Beide Lang und hohe Reichweite…
Also die These geht nicht auf…
Kurz mal zur Info
Für Wasserstoff sind keine normalen Drucktanks in Verwendung sondern Hochdrucktanks für den Kältebereich , diese Kosten richtig viel Geld.
Dazu nehmen diese sehr viel Platz ein.
Gewicht kann man drüber reden aber meist weichen diese beiden Arten nur um 20% ab, denn auch bei Wasserstoff wird meist eine Große Ladebatterie verbaut, dazu benötigt man dann Stacks und Stromwandler die auch einiges Wiegen.
Dazu kommen bei den Wasserstoff Bussen das man 4x höhere Energiemengen benötigt, der Stack muss alle 4 Jahre getauscht werden und jedes Jahr kontrolliert werden.
Mir geht momentan auf den Kecks das wir nicht mal Wasserstoff für die Industrie haben aber wir verjubeln es in Bussen und LKW…

Daniel W.:

Die dreitürigen Gelenkbusse verfügen über zwei Antriebstechnologien: Sechs Batteriepakete mit Lithium-Ionen-Akkus bilden die Basis der Stromversorgung. Sie verfügen über eine Batteriekapazität von 392 kWh. Hinzu kommt ein Brennstoff­zellenstack. Es wandelt Wasserstoff aus den sechs Tanks der Gelenkbusse mit zusammen 30 kg Inhalt in Strom um. Daraus resultiert eine Gesamtreichweite von mehr als 300 Kilometern.

Akku netto ca.350 kWh (392 kWh minus rund 10%)
30 kg H2 etwa 660 kWh (geschätzt 22 kWh pro kg H2)
Zusammen = 1.010 kWh

Verbrauchsrechnung:

1010 kWh bei 330 km wären ca. 306 kWh pro 100 km – wäre viel zu viel
660 kWh bei 330 km wären ca. 200 kWh pro 100 km – immer noch zuviel
350 kWh bei 330 km wären ca. 106 kWh pro 100 km – rund 1/3 zu wenig

Irgendetwas kann da nicht stimmen – zusammen hätte der Bus eine Reichweite von etwa 650 km haben müssen. Mit dem Wasserstoff alleine rund 450 km und mit Batterie alleine rund 230 km.

Und es hätte eine günstigere Alternative zum H2-Range-Extender gegeben.

Die polnische Großstadt Breslau ist auf dem Weg zur Elektromobilität: Künftig sollen beim ÖPNV-Betrieb MPK Wroclaw elf neue Mercedes-Benz eCitaro G im Stadtverkehr aktiv sein.

Die Kapazität von 396 kWh ermögliche es, die Nutzungs- und Ladestrategie individuell im Verkehrsbetrieb den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Aufgeladen können die Fahrzeuge sowohl im Depot als auch auf den Linien selbst mittels Pantografen.

(Quelle: eurotransport.de – 23.03.2022)

Mit Pantografen wäre es wohl deutlicher günstiger gewesen, aber die Wasserstoff-Lobby wollte wohl unbedingt einen Wasserstoff-Range-Extender haben. Aber in Deutschland spielt Geld, dank großzügiger Subventionen, wohl keine Rolle – im Gegensatz zur polnischen Großstadt Breslau.

Meine Frage: Wozu Wasserstoff-Range-Extender, wenn es nur etwa 330 km Gesamtreichweite gibt?

Die Pressemitteilung sieht mir doch sehr nach „bezahlter Leuteverdummung“ der H2-Lobby aus.

Jakob Sperling:

„Ich versteh es nicht …“
Für einmal bin ich mit Ihnen einverstanden – ist mir schon lange aufgefallen.

Ich habe auch schon häufig erklärt, warum ab einer bestimmten Energiemenge die Wasserstoff-Lösung besser und/oder sogar die einzig mögliche Lösung ist.
Noch einmal etwa 700kWh Batterie hätten den Bus wohl in die Knie gezwungen, die Ladestation (für alle Busse) vielleicht ebenso, und sie wäre auch nicht billiger als eine Brennstoffzelle mit ein paar Tanks.

Djebasch:

Ich verstehe es nicht wieso baut man die Doppelt so teure Wasserstofftechnik statt einer erweiterten Batterie ein???

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