Produktionsstart des „Zero“: Start-up Eli liefert bald erste Fahrzeuge in Europa aus

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Eli Electric Vehicles

Felix Katz
Felix Katz
  —  Lesedauer 5 min

Mit dem „Zero“ von Eli kommt bald ein neuer Elektrokleinstwagen für die Stadt auf den Markt – wir berichteten bereits vor einem Jahr über den kleinen E-Flitzer. Zum damaligen Zeitpunkt war jedoch noch nicht ganz klar, wann die ersten Exemplare ausgeliefert werden können. Außerdem machte Corona diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Dies hat sich nun aber geändert: Der Hersteller, das chinesische Start-up „Eli Electric Vehicle“, hat nun ganz offiziell den Produktionsstart bekannt gegeben. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Bestellungen des ZERO an europäische Vertriebspartner versendet werden, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. 

„Wir sind sehr stolz darauf, mitteilen zu können, dass der ZERO nun finale Produktreife erlangt hat“, so Marcus Li, CEO und Gründer von Eli Electric Vehicles. Und weiter: „Wir haben nun die Entwicklung abgeschlossen und ihn Produktion gebracht. Ich möchte unserem Team, unseren Investoren, unseren Tausenden von Crowdfunding-Unterstützern sowie unseren Produktions- und Vertriebspartnern dafür danken, dass sie uns bisher so sehr geholfen haben.

Eli

Bereit für die Straße – mit bis zu 45 km/h

Auf den ersten Blick sieht der Eli ZERO aus wie eine Kreuzung aus Renault Twizy, Smart EQ fortwo und Citroen Ami. Er fährt etwa 45 km/h schnell, ist deshalb auch für Jugendliche interessant, weil sie ihn mit der Führerscheinklasse AM (ab 15 Jahren) fahren dürfen. Dank seiner kompakten Abmessungen von 2,13 Meter Länge und 1,37 Meter Breite ist er wie gemacht für volle und enge Innenstädte – mit ihm einen Parkplatz zu finden, dürfte also kein Problem darstellen. Im Übrigen gibt es auch einen Kofferraum: er fasst 160 Liter. Die Akkus mit 5,8 kWh Kapazität sollen den Angaben zufolge für eine Reichweite von 80 Kilometer  ausreichen.

Geladen wird an üblichen Haushaltssteckdosen, eine Vorladung dauere laut Hersteller dann etwa 2,5 Stunden. Rekuperieren sei während der Fahrt möglich, über das Display auf der Mittelkonsole werden technische Informationen geliefert. Eine Rückfahrkamera, Parksensoren sowie ein Warnton für Passanten seien integriert, viel mehr Assistenz- und Sicherheitssysteme sind aber vorerst nicht vorgesehen. Dafür gibt es andere Annehmlichkeiten wie eine Klimaanlage, USB-Ladeanschlüsse und einen Zigarettenanzünder. Der Zweisitzer soll rund 12.000 Euro kosten und zunächst in kleinen Stückzahlen angeboten werden. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm: Denn wie Li zur Onlineplattform „Techcrunch“ sagte, sehe er in Europa einen großen Markt für langsame Stadtfahrzeuge. Damit könnte er Recht behalten: In der Pariser Innenstadt gilt bereits Tempo 30, auch in anderen Städten soll diese Geschwindigkeitsbegrenzung kommen.

Seit der Vorstellung des ersten Prototyps von Eli ZERO hat der Hersteller nach eigenen Angaben Tausende von Arbeitsstunden in die Überarbeitung und Feinabstimmung des endgültigen Fahrzeugdesigns investiert. Während dieser Zeit wurden verschiedene technologische Fortschritte und technische Verbesserungen in das endgültige Produktionsdesign integriert, darunter eine verbesserte 72-Volt-Systemarchitektur (statt 48 Volt), eine neue Servolenkung und Bremsanlage, eine Rückfahrkamera, LED-Doppelscheinwerfer und ein neu gestaltetes Aluminiumchassis, um nur einige zu nennen. Das Upgrade war Teil der Bemühungen, die Markteinführung in Europa vor der Verfügbarkeit in den USA zu ermöglichen. Der Eli ZERO wurde so umgestaltet, dass er in Europa straßenzugelassen werden kann. Er wurde bereits Ende 2020 homologiert. Somit hat er Serienreife erlangt und muss schließlich nur noch zu den Kunden gebracht werden.

Und genau das ist jetzt der Fall: Die Produktion habe begonnen, die Auslieferung erfolge in den kommenden Wochen, gibt das Unternehmen bekannt. Hierfür wurden auch spezielle Verträge mit europäischen Händlern unterzeichnet. Besonders erwähnenswert ist die weitreichende Partnerschaft mit der KSR Group, einem der größten Distributoren für Mikromobilität, die mehr als 10 europäische Länder abdeckt. Unter den Interessenten und Kunden von Eli Electric seien Ridesharing-Anbieter, Händler, Universitäten, Immobilienentwickler und viele mehr. Das Start-up hat seinen Sitz in Kalifornien, USA, und lässt in Peking, China, fertigen. Der Markt für Mikromobilität wird laut Experten in den USA und in Europa bis zum Jahr 2030 voraussichtlich ein Volumen von 300 Milliarden Dollar erreichen.

 

Eli

Mini-BEVs – das perfekte Stadtauto?

Li ist der Ansicht, dass der Individualverkehr freundlicher, weniger aufdringlich und wendiger sein sollte. Mikro-Elektrofahrzeuge sollen tägliche, kurze Fahrten bequem und unterhaltsam machen und in großem Maßstab die Emissionen und Staus in Städten drastisch reduzieren können. Somit seien Mini-BEV wie der ZERO für ein städtisches Umfeld besonders geeignet. Der Eli ZERO gehört laut Unternehmen zu den energieeffizientesten, vielseitigsten und erschwinglichsten Elektrofahrzeugen, die es momentan gibt. „Wir befinden uns an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte: Weil die städtische Dichte rapide zunimmt und das Klima eine noch nie dagewesene Herausforderung darstellt, müssen wir den Stadtverkehr dringend neu konzipieren“, erklärt der CEO. Zudem ist er der Meinung, „Fahrzeuge müssen zu den Städten passen und nicht umgekehrt.“

Das Startup finanziert sich bisweilen durch Investoren und Crowdfunding-Kampagnen. So brachte die erste „Runde“ fast 1,4 Millionen Dollar von über 1.500 Investoren ein. Erst Mitte September startete Eli Electric seine zweite Equity-Crowdfunding-Kampagne auf „StartEngine“. Die hieraus gewonnenen Erlöse sollen zur Finanzierung von ZEROs erhöhter Produktion, dem Aufbau des Vertriebs und anderen allgemeinen Betriebskosten verwendet werden. Bis heute hat das Unternehmen mehr als 6,5 Millionen Dollar sammeln können.

Der Markt von Micro-Elektroautos ist bereits jetzt schon hart umkämpft. Immer mehr Anbieter drängen in den Markt, so dass es Eli nicht ganz so leicht haben dürfte. Jüngst konnte man auf der IAA in München mit dem Microlino ein sehr ähnliches Konzept bestaunen. Lange hat’s gedauert, nun hat das kleine BEV des Schweizer Unternehmens Micro endlich Serienreife erlangt. Jenes scheint in fast allen Belangen dem Eli ZERO überlegen – bei einem ähnlichen Preis von rund 12.000 Euro. Mal schauen, wo die Reise noch hingeht.

Quelle: Eli, IAA New Mobility, microlino-car.com

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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KDB:

Mit 45 km/h in den Stadtverkehr führt so lange wir nicht 30 km/h generell in den Städten haben (was hoffentlich nicht so bald passiert!), wie die bereits erhältlichen Mikrofahrzeuge mit Otto Motor, eher zur Verkehrsbehinderung in den Städten – wo u.U. wie z.B. in Düsseldorf bis zu 60 km/h zulässig sind. Finde ich keinen probaten Einsatz. Zudem für die Einkäufe in der Stadt oder Kurzstrecke auf dem Land zu kleiner Kofferraum für den Wocheneinkauf und täglich einkaufen ist aus ökologischen und Effizienzgründen nicht sinnvoll.

KleinFritzchen:

„… die Motorradmarke Zero wird wohl Einspruch gegen den Namen des Modells erheben ?
Es git haufenweise „Zero“-Fahrzeuge:U.a. den E-LKW Volta Zero, den LEAF Zero Edition, Lynk ZERO EV, Piëch Mark Zero … tbc. :P

Alex S.:

Da kaufe ich mir lieber den Renault Twizzy.
Der ist genauso teuer, ist aber schneller und hat eine höhere Reichweite bei besserem Verbrauch.

Traugott O.:

Es gibt schon ein elektrisches Motorrad namens ZERO, das führt zu Verwechslungen

Helmut.H:

Mal davon abgesehen, dass so ein Fahrzeug mit 45 Km/h ein Verkehrshindernis darstellt, die Motorradmarke Zero wird wohl Einspruch gegen den Namen des Modells erheben….?

Farnsworth:

45 km/h… Absolutes No-Go. Wir haben nur einen Twizy, weil der 80 fahren kann.

Wer kauft denn freiwillig ein Verkehrshindernis? Man würde mit dem Teil ständig überholt werden. Das provoziert doch nur Unfälle. Diese 45km/h Grenze der EU ist mir ein Rätsel. Genau wie für Roller. 50 oder 55 wäre okay gewesen.

Farnsworth

Olli:

Bei dem Preis werden in Deutschland sich kaum Käufer für die Neuwagen finden. Gebrauchte daher wohl nur aus dem Europäischen Ausland.

Daniel W.:

Pluspunkte sind: ab 15 Jahren, Führerschein der Klasse AM, nur ein Versicherungskennzeichen und eine Steckdose für den Strom und vielleicht alle 1-2 Jahre eine kleine Inspektion.

Dass die Preise nicht niedriger sind liegt wohl daran, dass viele Leute daran verdienen wollen und die Stückzahlen kaum die Millionengrenze wie bei Autos der großen Hersteller erreichen werden.

Vielleicht bietet Microlino eine 45.km/h-Version an, die nach 3 Jahren entsperrt werden kann, falls die Erwachsenen in Deutschland und der EU zu wenige Fahrzeuge kaufen.

Falls ich in einigen Jahren ein kleines Auto fürs Einkaufen brauche, dann gibt es vermutlich günstige Gebrauchte.

Fabian Uecker:

Was für eine Verschwendung. Verbrauch viel zu hoch, Preis ebenfalls viel zu hoch und nutzen gleich Null. Seat mii, Fiat 500 und zoe bieten viel mehr Auto bei ähnlichen Preisen nach Förderung. Ich verfluchte die vag bis heute das up citigo und mii vom Markt genommen wurden. Unabhängig davon das ich selbst einen fahre aber sparsamer kann man nicht unterwegs sein.

neumes:

nun ja… wenn die Miniautos für 9000,-€ zu haben sind warum kostet der dann so viel mehr, obwohl die verbaute Technik günstiger ist?

Wird sich zeigen ob der so viele Abnehmer findet…

trotzdem toller Ansatz

es bleibt spannend

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