Probebetrieb mit Batterie-Zug mit vielversprechenden Ergebnissen

Cover Image for Probebetrieb mit Batterie-Zug mit vielversprechenden Ergebnissen
Copyright ©

Alstom

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Eine gut dreimonatige Premiere eines Akku-Triebzugs des Schienenfahrzeugherstellers Alstom in Bayern ist abgeschlossen. Obwohl der Akku-Zug aufgrund von Batterieproblemen nicht an allen Tagen wie geplant zwischen Pleinfeld und Gunzenhausen im Fränkischen Seenland im Einsatz sein konnte, sieht Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter großes Potenzial in dieser innovativen Technik: „Wir wollen das Bahnland Bayern bis 2040 klimaneutral machen und Dieselzüge Schritt für Schritt durch emissionsfreie Antriebe ersetzen. Neben Elektrifizierungen testen wir deshalb auch den Einsatz von Wasserstoff- und Batteriezügen. Der Probebetrieb im Fränkischen Seenland hat uns gezeigt, dass sich die Fahrgäste über den komfortablen und spurtstarken Zug und die Anwohner über einen leisen und CO2-freien Betrieb freuen. Der Akku-Zug hat also viel Potenzial.“

Ein Wermutstropfen ist in Bernreiters Augen jedoch, dass Batterieprobleme den Zug davon abhielten, an allen vorgesehenen Einsatztagen zu fahren. „Diese Kinderkrankheiten sind auf der einen Seite bedauerlich, bringen andererseits aber auch wichtige Erkenntnisse. Unterm Strich zeigt sich, dass unsere behutsame Strategie zur Einführung dieser neuen Zukunftstechnik im bayerischen Bahnnetz richtig gewählt ist.“

Alternative Antriebe sind die Zukunft der Mobilität und Alstom hat das klare Ziel, seine internationale Führungsrolle in diesem Bereich weiter auszubauen“, erklärt Müslüm Yakisan, Präsident der Region DACH bei Alstom. „Der Einsatz des Batteriezugs liefert wichtige Daten aus der Praxis. Er belegt, dass unsere Alternativen Antriebstechnologien eine effiziente und kostengünstige Lösung zur Überbrückung der nicht-elektrifizierten Lücken im deutschen Schienennetz bieten.“

Hansrüdiger Fritz, Vorsitzender der Regionalleitung bei DB Regio Bayern betont, dass die Testfahrten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „viel Freude“ bereitet haben: „Der Zug war laufruhig und durch seine Spurtstärke besonders pünktlich unterwegs.

Die zahlreichen Daten und Rückmeldungen aus dem Testbetrieb erlauben positive Rückschlüsse auf die generelle Eignung und Zuverlässigkeit von Batteriefahrzeugen. Damit stellen sie eine attraktive Alternative zum Dieselbetrieb dar“, erklärt Prof. Birgit Milius vom Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur der Technischen Universität Berlin. Der Testbetrieb in Bayern und Baden-Württemberg wurde von der Technischen Universität Berlin im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums wissenschaftlich begleitet.

„Der Abschied vom Diesel ist eine der großen Herausforderungen für den Schienennahverkehr“

Der Abschied vom Diesel ist eine der großen Herausforderungen für den Schienenpersonennahverkehr“, sagt Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die den Regional- und S-Bahn-Verkehr im Auftrag des bayerischen Verkehrsministeriums plant, finanziert und kontrolliert. „Wir wollen beim Klimaschutz vorangehen und haben fest im Blick, wie wir das Bahnfahren im Freistaat klimaneutral machen können“, betont Fuchs.

Die Fahrten, die seit Mitte Januar wochentags auf der Strecke Stuttgart – Horb und seit Anfang Februar an den Wochenenden auf der Strecke Pleinfeld – Gunzenhausen stattfanden, waren bundesweit die ersten Einsätze von Akku-Zügen im regulären Fahrgastbetrieb. Während in Baden-Württemberg der Testbetrieb auf einer komplett elektrifizierten Bahnstrecke stattfand, waren in Bayern nur die beiden Endbahnhöfe elektrifiziert. Während der dortigen Wendezeiten konnte der Akku aufgeladen werden. Sobald allerdings mindestens zwei der vier Traktionsbatterien des Zugs nicht funktionsfähig waren, musste der Prototyp in der Werkstatt bleiben, weil dann die Reichweite nicht ausgereicht hätte. Im Ergebnis war der Akku-Zug somit an 18 Tagen nicht einsatzfähig.

Der bayerische Verkehrsminister will den Akku-Zug noch weiter im mittelfränkischen Dieselnetz auf Herz und Nieren testen lassen, sobald die Traktionsbatterien repariert sind. „Es macht Sinn, auch zusätzliche Erfahrungswerte für den Akkubetrieb in den heißen Sommermonaten zu sammeln“, so Bernreiter. Ob dies geschehen kann, wird noch zwischen dem Freistaat, DB Regio und Alstom abgestimmt.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr – Pressemitteilung vom 02.05.2022

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Wolfbrecht Gösebert:

„… Und dort, von [wo] eine Elektrifizierung am einfachsten und über Jahrzehnte bewährt ist, will man Batterien einsetzen.“

Du solltest Dich wohl erst mal mal sachgerecht über Möglichkeiten, Kosten und benötigte Zeiträume einer Elektrifizierung von Nebenstrecken informieren.
Dort nämlich können BEV-Züge ökonomisch und ökolgisch kurzfristig Dieselantriebe ersetzen!

Wranky:

Das ist doch der größte Unsinn den man sich einfallen lassen kann. Da wird überlegt Autotrassen fürś Laden zu bauen am Besten mit Induktion beim Fahren. Und dort von eine Elektrifizierung am einfachsten und über Jahrzehnte bewährt ist will man Batterien einsetzen. Wie krank ist das denn? Eine Batterie-Lok verbraucht Batterien und damit selten Erden für viele hundert Fahrzeuge. Das kann doch nur aus einem Bundesland kommen, in dem man sich permanent gegen Oberleitungen der Bahn wie auch von Stromtrassen aus dem Norden wehrt.

Herwig:

Da hat sich Bayern aber nicht den besten Partner ausgesucht…
Die ÖBB hat gemeinsam mit Siemens einen Probebetrieb durchgeführt, diese Züge können sich während der Fahrt auf elektrifizierten Strecken laden und brauchen die Batterie erst, wenn sie auf die Nebenstrecke abbiegen! Dadurch kann bei Regionalbahnen die gesamte Strecke vom/bis zum Hauptstadt-Bahnhof elektrisch gefahren werden (bei Dieselloks würde natürlich auch auf elektrifizierten Abschnitten alles mit dem Verbrenner bestritten).
https://www.mobility.siemens.com/at/de/unternehmen/newsroom/pressemitteilungen/siemens-mobility-batteriezug-desiro-ml-cityjet-eco-sparte-140-tonnen-co2-ein-.html

Andiz:

Der Batteriezug von Stadler hat hier eine Reichweite von über 200 km vorgelegt, hier muss Alstom noch kräftig nachlegen

David:

Die Strecke ohne Lademöglichkeit unterwegs ist 20 km. Die Akkus konnten pro Wendezeit 118 kWh aufnehmen, der Verbrauch war etwa 500 kWh/100km. 160 Passagiere. Das alles haut einen nicht vom Hocker.

steinpilz:

Interessant wären mal Reichweite und Lademöglichkeiten.

Ähnliche Artikel

Cover Image for EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

EU: Marktanteil von E-Autos steigt auf 15,6 Prozent

Daniel Krenzer  —  

In Deutschland steigt der Anteil von Elektroautos in diesem Jahr besonders stark an. Frankreich hingegen schwächelte.

Cover Image for PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

PEM: Europas Batterie-Industrie vor dem „Tal der Tränen“

Sebastian Henßler  —  

Europas Batteriebranche kämpft mit hohen Kosten, fehlendem Know-how und dem Vorsprung asiatischer Wettbewerber – PEM-Professor Heimes zeigt die Folgen.

Cover Image for IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

IAA: „Von deutschen Herstellern ist ein Modellfeuerwerk zu erwarten“

Michael Neißendorfer  —  

Kunden dürfen sich auf ultrakurze Ladezeiten und hohe Reichweiten freuen, so Capgemini-Analyst Sulek, die E-Mobilität wird also nochmals alltagstauglicher.

Cover Image for MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

MG Motor will in zwei Jahren 13 neue E-Autos herausbringen

Daniel Krenzer  —  

Mit einer Produktoffensive will die SAIC-Marke vor allem auf dem Heimatmarkt mehr Kunden von seinen E-Autos überzeugen.

Cover Image for Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Porsche frischt den Elektro-Macan auf

Michael Neißendorfer  —  

Porsche stattet den vollelektrischen Macan mit neuen Assistenzsystemen und digitalen Features aus. Im Fokus stehen mehr Komfort beim Parken, Laden und Ziehen.

Cover Image for Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Hyundai-Kia und Batteriehersteller arbeiten zusammen für sicherere Elektroautos

Laura Horst  —  

Führende südkoreanische Autohersteller und Batterieunternehmen wollen gemeinsam die Batteriesicherheit verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.