Porsche bezeichnet Schalt-Simulation für E-Autos als „sinnlos“

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Der Hyundai Ioniq 5N wartet mit allerlei Funktionen auf, die wir eigentlich aus Verbrennern kennen. So gibt es einen Soundgenerator, um das leise Gleiten eines Elektroautos krawallig zu übertönen. Und es gibt einen Handschalter, der die Drehzahl ohne Not so reguliert, dass es sich wie beim Schalten mit einem Benziner oder Diesel anfühlt. Das ergibt zwar technisch keinen Sinn, soll aber den Fahrspaß erhöhen und zudem auch eine Zielgruppe ansprechen, die vor allem aufgrund fehlendem „Brummbrumm“ die Elektromobilität noch skeptisch beäugt.

Der deutsche Sportwagenhersteller Porsche hat sich die Möglichkeit der Schaltsimulation für seine Elektroautos offenbar ebenfalls näher angesehen und erwogen. Doch wie nun ein Porsche-Entwicklungsfahrer verrät, erachtet der Autohersteller diese Funktion als sinnlos. Das australische Portal Drive.com zitiert Lars Kern wie folgt: „Natürlich schauen wir uns an, was die Konkurrenz macht, aber unsere Sichtweise ist immer, warum sollten wir etwas schlechter machen?“

Der Elektromotor sei schlichtweg besser als ein Verbrennungsmotor. „Es gibt keinen Grund, das zu simulieren, was in der Vergangenheit war“, stellte der Fahrer fest. Und weiter: „Ich sehe keinen Sinn darin, das zu benutzen, damit er sich wie ein Verbrennungsmotor anfühlt, weil er es nicht ist – also tun wir es auch nicht.“ Auch weil ja Verbrennungsmotoren sowieso immer noch produziert werden würden, ergebe es keinen Sinn, diese in einem E-Auto zu imitieren.

Der südkoreanische Autohersteller Hyundai räumt ebenfalls ein, dass die Rundenzeiten im Ioniq 5N schneller werden würden, wenn man die Schaltsimulation ausschaltet. Doch es sei bei der Konzeption eben nicht um ein möglichst schnelles, sondern um ein möglichst fahrfreudiges Elektroauto gegangen.

Porsche hat da andere Ideen

Auch bei Porsche habe man den wilden Koreaner ausgiebig probeweise gefahren. Kern sagte: „Natürlich gibt es immer Leute, die das für eine gute Idee halten, und es gibt immer Leute, die es für eine schlechte Idee halten. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das nicht das ist, was wir wollen.“

Dem Bericht zufolge wird Porsche also auch bei künftigen Elektroautos nicht auf verblassende Verbrennertugenden setzen, sondern eher besonders sportliche Funktionen wie Push-to-pass zur kurzzeitigen Leistungssteigerung bei Überholvorgängen und der Simulation eines Rennstarts durch die Nutzung der Launch Control als Startbooster setzen.

Quelle: Drive.com – „‘Why should we make something worse?’ Porsche shoots down Ioniq 5 N-style fake shifter for electric cars“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Gastschreiber:

Das Argument „sinnlose Autos“ verstehe ich nicht. Entweder sind Autos generell eher sinnlos oder sie haben den Sinn, wie andere Autos auch.

Gastschreiber:

Ach, es geht doch um Spaß. Wenn ein Hersteller da nicht mitmachen will, fein. Wird ja schön formuliert, der eine mag es, ein anderer nicht.
Mit Sprüchen wie, „warum sollte man etwas schlechter machen“, sollte man vorsichtig sein. Wer sucht, der findet da sicher einige Dinge, die nicht besser wurden. Da muss man sich nur die Mittelkonsole eines Taycan ansehen…
Dafür finde ich eine Launchcontroll mit Bremse feststellen, Fuß aufs Gas, kurz gewartet und ab geht es, schön einfach. Hyundai ist da etwas verspielter unterwegs.

Hiker:

Ich gebe Dir recht. Wenn man Spass an sowas hat, dann ist die Frage nach dem Sinn schlichtweg sinnlos. Also hab Spass und lass die andern meckern.

Gerd:

Man könnte meinen: Eine Schaltsimulation ist vergleichbar unsinnig wie ein auf den Fahrer gerichteter Verbrenner-Sound im BEV. Braucht beides niemand.

Aber – welcher Automobilhersteller hat das hier wohl geschrieben:

„Und der Sound des Antriebsstrangs, Motor und Getriebe, charakterisiert die Leistungsentfaltung und transportiert identitätsstiftende Merkmale wie Kraft oder Agilität. Das Erreichen der Traktionsgrenze wird vom Ohr genauso unmittelbar ans Hirn gemeldet wie die zur Verfügung gestellte Antriebs- oder Rekuperationsleistung beim Verzögern.“

Auflösung: Porsche. Im Pressetext des „Porsche Electric Sport Sound“ als Option für den „Turbo S“.
Porsche macht sich damit (auch aus meiner Sicht) natürlich irgendwie lächerlich, aber Hyundai hat bei der Umsetzung ein technisch deutlich höheres Niveau ;-)

Wenn man sich allerdings die Begeisterung auch von Pistonheads wie JP, Malmedie oder Marco (Halle77) über den 5N ansieht (von Preis/Leistung ganz zu schweigen) und die zahlreichen positiven Kommentare aus der Klientel: Man muss das Auto auch erst eimal selbst gefahren haben, um ein Urteil abgeben zu können. Bei mir wird das am 19.9. der Fall sein. Einfach so.
Als ex-Boxster-Fahrer warte ich eher auf einen 983 Boxster E oder auf den MG Cyberster.

p.s.: Die Modellbezeichnung „Turbo“ bei einem BEV war selbst Porsche-intern umstritten. Aber es gewinnen auch bei Porsche zunehmend die Marketiers und Controller, immer weniger die Ingenieure.

Guido:

Wer im Elektroauto eine Schaltung braucht, der drückt sich auch Wikipedia aus. :-)

APu:

Es ist eine Modellbezeichnung, Gerd. Sie ändert nix am Fahrverhalten und schleppt auch nix an Extrafunktion, was niemand braucht, mit rum. Dein Gleichnis ist voll daneben.

Im übrigen sollte man nicht Porsche brauchen um zu erkennen, dass eine Schaltsimulation am E-Auto kompletter Müll ist.

Läubli:

Es wird nie richtig echt klingen und sich auch nicht so anfühlen, niemals! Du musst dir also einen 2L Turbo, einen HEMI und einen Ferrari V12 kaufen und fahren… alles andere ist Spielzeug. Ein Lautsprecher kann niemals die Töne und Emotionen eines echten Motores sauber immitieren, das ist wie im Film, genaso weit von der Realität entfernt… bitter, bitter, aber nicht süss!

Läubli:

Es scheint so, als seiest du wirklich ein sehr gefühlvoller und verständiger Mensch… das war genau das, was ich rüberbringen wollte, so sollent wir vielmehr sein. Denn das Leben ist zu kurz, um selber ein Rotzlöffel zu sein, nicht wahr?

Nicht nur bei den neuen Töff, sondern auch die Autos der letzten Jahre konnten schon serienmässig durch Fehlzündungen durch die Gegend donnern, bei jeder abrupter Gaswegnahme donnert es aus dem Auspuff, die Fahrer wissen das zu schätzen. Für sowas musste man früher ein teures und unerlaubtes Tuning an der Karre durchführen – heute ist es ab Stange möglich. Tja, die Industrie weiss nicht, was sie will, die machen nur, was der Kunde will und noch in der legalen Grauzone ist, das ist ja am Ende des Tages auch verständlich.

Was ich mir zum Schlafzimmerthema so alles gedacht habe, möchte ich hier jetzt nicht schreiben, sonst könnte ich noch gegen die Nettiquette verstossen – das will ich nicht. Die Gedanken sind Frei… aber wenn in deinem Schlafzimmer totzdem noch +/- 85dB regelmässig vorkommen sollten, bist du und deine Genossin noch rundum in Schuss… also besteht auch hier kein Handlungsbedarf.

Philipp:

Du weißt, wie ich das mit dem Schlafzimmer meinte. Und wenn früher die Rotzlöffel von der Mofagang des Nächtens mir den Schlaf geraubt haben, dann war das auch ok. Man ist ja nicht immer in dem Alter von zur Frage „und was hast Du Dir dabei gedacht?“ ⇒ „Nichts…“ kommt.

Auch meinen gealterten Nachbarn mit seiner bildschönen, aber katastrophal 100dB+ beim Anlassen lauten Moto Guzzi aus den späten 60’ern habe ich toleriert.

Es sind die Poser und andere Idioten, wie Du schreibst, die absichtlich lauter bestellt oder umgebaut haben und das jedem in der Nähe mitteilen müssen. Man kann aber im Fahrzeugschein nicht „ungeeignet für Poser“ hineinschreiben. Aber es sind auch der Durchschnitt, die gar kein Interesse an leiseren Gefährten haben, wie im Schnitt alle Motorradfahrer heutzutage. Warum sind die neu zugelassenen Motorräder in den letzten 20 Jahren deutlich lauter laut Papieren geworden? Weil die Käufer es so wollen, nicht weil sie so „rücksichtsvoll“ wären, oder weil die Hersteller sie dazu gezwungen hätten (Ausnahme natürlich die eBikes).

Esteban:

Lustig, dass ein Hersteller, der ausschließlich auf sinnlose Autos spezialisiert ist, mit dem Argument um die Ecke kommt. Klar ist die Funktion ebenso sinnlos wie ein 911er, aber beides macht nen riesen Spaß. Die Simulation funktioniert super, das einzige was ich vermisse, sind vernünftige Motorgeräusche. Zwei der drei Optionen sind völlig albern. Ich wünsche mir seit Jahren ein E-Auto, dass ich je nach Laune umschalten kann zwischen 2L Turbo, Big Block V8 und Ferrari V12…

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