nextmove: Tesla storniert Bestellung für 85 Model 3 im Wert von 5-Millionen Euro, um Servicehölle zu entgehen

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

nextmove, Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung, teilte uns am heutigen Freitag mit, dass Tesla die Bestellung von 85 Tesla Model 3 im Wert von rund fünf Millionen Euro storniert habe. Grund hierfür sei die Tatsache, dass man den Prozess zur mangelfreien Übergabe beziehungsweise termingerechte Reparaturen nicht in den Griff bekommt.

Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme von Tesla zu den Vorwürfen von nextmove

nextmove: „Tesla ist offenbar in der Servicehölle angekommen“

Doch zurück zum Anfang. Ende 2018 hatte nextmove 100 Tesla Model 3 bestellt und alleine mit dieser Ankündigung für Aufsehen gesorgt. Die ersten 15 Model 3 wurden bereits im Frühjahr 2019 ausgeliefert. Zu diesem Zeitpunkt war dann allerdings nur jedes vierte Tesla Model 3-Neufahrzeug ohne Mängel, teilweise waren Fahrzeuge sogar nicht verkehrstüchtig. Hierzu gab  nextmove-Geschäftsführer Stefan Moeller zu verstehen: „Tesla ist offenbar in der Servicehölle angekommen“.

Nach einer zunächst erfolgten Einigung mit Tesla Deutschland über einen Prozess zur mangelfreien Übergabe beziehungsweise termingerechte Reparaturen nahm Tesla diese zurück. Daraufhin setzte man nextmove ein 24-Stunden-Ultimatum und stornierte nach dessen Ablauf die Bestellung von 85 weiteren Fahrzeugen im Wert von rund fünf Millionen Euro.

Erneuter Versuch weitere Tesla Model 3 zu ordern scheitert spektakulär

In den Sommermonaten nahm nextmove dann einen neuerlichen Anlauf, vier Tesla Model 3 über den Weg der Internetbestellung zu erwerben. Das Resultat kann aber keinesfalls als zufriedenstellend bezeichnet werden.

„Das Resultat war, dass uns Tesla nachweislich Fahrzeuge als neu anbot, die bereits einmal auf eine Privatperson zugelassen waren.“ – Stefan Moeller, CEO nextmove

Wäre nextmove darauf eingegangen, hätte dies zur Folge gehabt, dass nextmove weder eine BAFA-Förderung in Anspruch nehmen noch die Umsatzsteuer als Vorsteuer beim Finanzamt hätte geltend machen können. Des Weiteren sei es für Leasing-Gesellschaften, aufgrund der sprunghaften Preispolitik von Tesla ohnehin bereits ein hohes Risiko, Tesla-Fahrzeuge zu finanzieren.

Auch bei den eigenen Kunden verliert nextmove an Glaubwürdigkeit durch das Verhalten von Tesla. So habe man in den vergangenen Monaten diese immer wieder darüber informiert, dass es Schwierigkeiten mit den Auslieferungen durch Tesla gäbe.

„Wiederholt haben wir die Kündigung der Langzeit-Mietverträge angeboten oder den Kunden zum rabattierten Preis andere Fahrzeuge vermietet.“ – Stefan Moeller, CEO nextmove

Hoffnung besteht, dass sich Tesla aus der Servicehölle befreien kann

Auf die eingangs erwähnten Mängel zu sprechen zu kommen: Fahrzeuge vom Typ Tesla Model 3, die nextmove nach Bezahlung und lediglich kurzer Begutachtung hatte übernehmen sollen, hatten teils gravierende Mängel.

Hierzu kann man defekte Reifen, Lack- und Karosserieschäden, defekte Laderegler, falsche Kabelbäume oder fehlende Notruftasten zählen. Zu Recht verweist nextmove darauf, dass solche Qualitätsmängel die Sicherheit der Kunden und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gefährden.

„Das alles zeigt, dass Tesla in einer Servicehölle steckt, nachdem zumindest die Produktionshölle überwunden scheint. Man ist nicht gewillt oder nicht in der Lage, einem großen Flottenbetreiber wie uns Fahrzeuge ohne gravierende Mängel zu übergeben. Wir wissen nicht, ob wir ein Einzelfall sind oder generell so mit Geschäftspartnern umgesprungen wird. Wir bedauern das sehr. Aber: Letztlich haben wir nur auf der Einhaltung marktüblicher Qualitätsstandards und Prozesse gedrängt, um unsere Mieter und unser Geschäftsmodell zu schützen.“ – Stefan Moeller, CEO nextmove

Vom Ausbau der Service-Leistung sei aber nicht viel zu spüren gewesen. Bekanntermaßen ist nextmove nicht das einzige Unternehmen, welches von solchen Problemen betroffen ist. Dort häufen sich allerdings die Probleme in vergangener Zeit zunehmend. Schon in der Vergangenheit hatte es immer wieder Schwierigkeiten mit Reparaturen von Tesla-Fahrzeugen gegeben. So wartet nextmove seit mehr als zwei Jahren auf den versprochenen neuen Sitz eines Tesla Model X, der damals mit einem Loch ausgeliefert worden war.

Seit drei Monaten kann ein Tesla Model 3 mit Unfallschaden nicht vermietet werden, weil ein neuer Kotflügel nicht lieferbar ist. Es gäbe Tesla-Kunden, deren Fahrzeug ohne deren Verschulden nicht mehr fahrtauglich ist, die aber weder telefonisch noch via E-Mail beim Kundenservice jemanden erreichen konnten, so der nextmove-Geschäftsführer.

Und nichtsdestotrotz bringen Moeller und seine nextmove-Kollegen weiterhin Verständnis für Tesla auf: „Wir wissen, dass Tesla größte Herausforderungen bewältigen musste, weil zeitgleich in Europa und China mit den Auslieferungen begonnen wurde. Aber mittlerweile müssten sich doch Prozesse etabliert haben, die es möglich machen, nicht nur jedes vierte Fahrzeug ohne Mängel zu übergeben“, sagt Moeller.

Für Moeller steht fest, dass das Model 3 das derzeit beste Elektroauto der Welt ist. Der Service von Tesla selbst passt allerdings nicht. Hier müsse man noch lernen „was Kundenservice bedeutet.“

nextmove berichtet ab 13:00 Uhr im Livestream über aktuellen Stand

Am Freitag den 16.08.2019 wird nextmove sich in einem Youtube-Livestream über den aktuellen Stand der Zusammenarbeit / Stornierung der 5 Mio. Euro schweren Bestellung äußern. Diesen haben wir euch nachfolgend eingebunden.

Quelle: Nextmove – Pressemitteilung vom 16. August 2019

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Sebastian Henßler:

Danke für dein Feedback ;) War aber definitiv nicht so gedacht!

Markus Doessegger:

Es ist Dein Blog und ich finde Deine Berichte sehr gut und lese auch oft und gerne darin.

Dieses Bild eines Tesla Model X ( die schräge Linie auf der Fronthaube vorne von links oben nach rechts unten sugeriert ein verbocktes Auto ) zusammen mit der Thematik hinterlässt es bei mir einen ganz bestimmten Eindruck.

Sebastian Henßler:

Es geht auch um Tesla. Daher sollte man sich an dem Foto nicht aufhängen. Müssen in puncto Copyright auf einige Dinge achten und daher nehmen wir lieber ein zu 50% passendes Foto an dem wir die Rechte haben, als ein unpassendes Foto, welches uns Ärger bringen könnte. Danke für dein Verständnis.

Markus Doessegger:

Meines Wissens geht in diesem Artikel um das Tesla Model 3. Das Titelbild ist zweifellos kein Model 3. Warum auch immer ein solch manipuliertes Fake Bild benutzt, ist für der Förderung der Elektromobilität nicht gerade hilfreich zumal es sich auch noch um den momentanen Leader handelt. Auf den Ersten zu schiessen ist immer einfach. Ein klar erkennbares Ziel. Keiner schiesst auf den 3. oder 4. platzierten.

Klar ist es natürlich gar nicht gut, wenn Tesla sich solche Dinge leistet. Tut mir selber sehr weh das zu vernehmen. Und klar habe auch ich Dinge, die ich bei Tesla bemängle, z.B. dass es in den neuen Modellen keine Dualcharger mehr gibt die AC Laden bis 22kW ermöglichen. Damit habe ich immer das Gefühl mit angezogener Handbremse zu laden, wenn ich an einem Tesla Destination Charger bin, der effektiv 22kW Leistung bringt. Schade, aber es ist halt so.

Ich bin im Tesla Club Schweiz mit 1200 Mitgliedern, und sicher ist keiner nur mit Allem zufrieden. Konstruktive Kritik soll und muss es immer geben, so dass sich auch Tesla nie zu sicher fühlen darf.

Dass ich aber über mein Smartphone den nächsten Service Termin buchen kann ist absolut cool und spart recht viel Zeit. Bei BMW muss ich immer zuerst ins Servicecenter fahren, 15 Minuten ein Formular von Hand ausfüllen ( da hat man noch nie etwas vom Papierlosen Büro gehört ). Sowas von gestern. Auch die Rechnung wird mir noch ausgedruckt und dann muss ich zur Post gehen oder mich ins e-banking einloggen. Wie wenn die Zeit zur Jahrtausendwende stehen geblieben wäre.

Das Alles entschuldigt sicher nicht die Mängel bei den Auslieferungen. Da gibt es bei Tesla deutliches Verbesserungspotenzial.

Elmar Hunke:

2017, als ich mein Model S erwarb, war der Service richtig gut. Umso enttäuschender, dass sich Tesla völlig abschottet und ich mit den Mängeln völlig allein gelassen werde. Statt schneller Lösungen kann nur noch per Handy ein Termin im 300 km entfernten Servicecenter vereinbart werden…wenn es denn klappt. Ein unglaubliches Gebahren gegenüber der Kundschaft, die ein 100.000Euro- Prdukt erstanden hat. Vom Kauf eines weiteren Teslas nehme ich erst mal Abstand.

Sebastian Henßler:

Dann werden wir das Mal ausbessern ;) Danke!

Benjamin:

Der gute Herr heißt Stefan nicht Steffen ;)

Skodafahrer:

Will Tesla das Geschäft selbst machen?
Wenn sich das Geschäftsmodell von nextmove rechnet, könnte Tesla daran interessiert sein es selbst zu machen.

E. Sattler:

Wenn NextMove argumentiert, dass Tesla die Produktionshölle überwunden hat und nun in der Servicehölle steckt, dann ist das ein gewaltiger Irrtum.
Tesla hat anscheinend die Produktionshölle noch lange nicht verlassen. Falsche Kabelbäume, fehlerhafte Lackierungen, defekte Teile, nicht fahrtüchtige Autos, etc. kann nicht das Aufgabengebiet des Service sein.
Hier ist wohl ein chaotischer Produktionsprozess ohne jegliche Qualitätskontrolle am Werken. Es zählt nur der Output. Wie hier Nextmove noch glaubt Tesla baut die besten E-Autos der Welt ist mir schleierhaft.
Das ist bestenfalls Neuschrott, für derart viel Geld erwarte ich Perfektion, nicht Hitechabfall einer Bastelbude die im Geschäftsmodell jeden Basar in den Schatten stellt. Tesla nein danke !

Egon meier:

Wo will Tesla eigentlich das Geld hernehmen um neben der defizitären Produktion noch den defizitären Service zu organisieren. Die schmeißen links und rechts die Leute aus – und das was bislang funktionierte geht auch noch baden.
Vor allem sind die Freaks mit Teslas versorgt und jetzt müssen die normalen Konsumenten versorgt werden – die haben keine solchen Leidenswillen ..

Ab 2020 gibt es endlich Konkurrenz in der Mittelklasse – in der Luxusklasse ist sie schon da. Sie ist für Tesla deswegen existenzbedrohend weil diese Wettebewerber die x- und S- Konkurrenten als Fingerübung ansehen können während Tesla damit Geld verdiene muss.
Man mag über die Rabattaktionen von Jaguar lächeln – sie können sie sich aber erlauben. Tesla nicht.

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