Klimaschutz: Rechnet die Politik beim E-Auto falsch?

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Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
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Wie groß ist der Beitrag von E-Autos für den Klimaschutz? Möglicherweise liegt er weit niedriger als seit Jahren versprochen. Die Politik habe sich grundlegend verrechnet, sagen 170 Wissenschaftler aus aller Welt in einem offenen Brief an die EU-Kommission, aus dem die „Zeit“ unter Berufung auf „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ zitiert.

Die Zahlen suggerieren ein Einsparpotenzial, das wir nicht haben„, sagt Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der Deutschen Presse-Agentur. Der Strom-Mix sei schlicht falsch berechnet worden. „Die Frage ist nicht: Elektroauto oder Verbrenner. Die Frage ist: fossil oder nicht„, so Koch. Der Zeitpunkt der Kritik ist gut gewählt. Die EU ist gerade dabei, ihre CO2-Vorgaben für neu zugelassene Autos in Europa noch einmal zu verschärfen.

Mit 453.000 verkauften Elektro- und Plug-in-Fahrzeugen im ersten Quartal ist Europa China mit 489.000 E-Autos dicht auf den Fersen. Und nach Ländern ist Deutschland heute sogar schon zweitgrößter E-Auto-Markt der Welt, mit fast 250.000 neu zugelassenen Elektroautos bis Ende Mai. VW gehört inzwischen zu den Treibern der Entwicklung. Bis 2030 will Volkswagen nur noch ein Drittel seiner Autos mit Benzin- oder Dieselmotor verkaufen. Mercedes-Benz und BMW peilen einen Anteil von etwa 50 Prozent an.

Einen festen Termin für das Ende des Verbrenners wollen die Konzerne allerdings nicht festlegen. Zu unterschiedlich seien die Märkte und die Wünsche der Kunden, zu unterschiedlich auch die politischen Vorgaben und die Ladeinfrastruktur. Weil es aber um Klimaschutz gehe, sei die Herkunft des Stroms ganz entscheidend.

Mit Strom aus Kohle oder Öl sehe er keinen großen Sinn in der Umstellung auf E-Antriebe, sagte kürzlich VW-Chef Herbert Diess. Mit dem Satz „Ein moderner Diesel ist klimafreundlicher als ein Elektrofahrzeug, das mit Kohlestrom geladen wird„, zitiert die „Passauer Neue Presse“ BMW-Chef Oliver Zipse. Die EU-Kommission geht bei ihren Vorgaben davon aus, dass der Strom mit dem Ausbau von Wind- und Solaranlagen sauberer werden wird. „Nein„, sagen hingegen Koch und seine Kollegen. Der Bedarf werde weiter steigen – und dann stimme die ganze Rechnung nicht mehr.

Die Bundesregierung wolle bis 2030 nicht nur 10 Millionen Elektroautos auf der Straße haben, sondern auch Industrie und Heizung rasch umstellen, so Koch. Der Strombedarf in Deutschland werde daher bis 2030 von 56 auf 57 Gigawatt zulegen. In 6000 von den 8760 Stunden im Jahr werde es neben Ökostrom auch mehr Strom aus fossilen Kraftwerken brauchen. Das habe die Politik in ihren Debatten und Rechnungen aber übersehen – auf jeden Fall nicht mitgerechnet. In der Folge könnten die realen CO2-Emmission viel höher sein als von der Politik veranschlagt – in der Summe sogar doppelt so hoch.

Die Wissenschaftler seien sich alle einig, dass das Klima geschützt und der CO2-Ausstoß gesenkt werden müsse, betonte Koch. „Dafür brauchen wir auch das E-Auto.“ Aber die Vorgaben favorisierten das E-Auto auch da, wo es dem Klima gar nichts nütze. Wenn heutige Verbrenner statt Benzin und Diesel CO2-neutrale e-Fuels tanken würden, ließen sich dagegen 25 Prozent CO2 einsparen.

Quelle: zeit.de / dpa

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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E-Föhn:

Typischer Bezahl-Kommentarschreiber. Null Argumente.
Dabei ist die Faktenlage klar: E-Autos mit vergleichbarer Reichweite bauen erheblich schwerer, emittieren folglich mehr Feinstaub aus Reifen- und Asphaltabrieb und die nicht-verbrennermotorische Feinstaubemission beträgt im Straßenverkehr >80%. In Stuttgart sind es sogar 84%.

Wolfgang:

Dummschwätzer sterben nicht aus. Unterstellen einfach was.

Wolfgang:

Aber recht hat er trotzdem. Hoffentlich Arroganzversichert!

E-Föhn:

So ist es.
Und Herr Gösebert darf gerne einmal versuchen, eine Weile in seiner Garage samt Lachgas- und Methan emittierenden Fäkalien und/oder Komposthaufen zu verbringen, die anderenfalls zu BioCNG verarbeitet werden. Denn auch Natur kann tödlich sein.
Er wird glücklich sein, aus seinem eigenen Gestank befreit zu werden.

E-Föhn:

Auch das kann nicht jeder, denn dazu braucht es einen Gasanschluss, ein Eigenheim mit zusätzlich investiertem BHKW usw.

Ferner liefert Ihr Biomethan-Micro-BHKW im Sommer ebenfalls nutzlose Abwärme. Da fährt der preiswerte BioCNG-Verbrenner günstiger, zumal seine Wirkungsradkette kürzer ist. Noch ungünstiger sieht es für E-Mobilität aus, die mit verstromtem Biogas betrieben wird: Weit mehr THG-Emission als beim BioCNG-Verbrenner.

E-Föhn:

Vollkommen richtig. Zumal allein das Reststrohangebot in DE laut DBFZ Leipzig für bis zu 10 Mio BioCNG-Pkw ausreicht. Das gesamte BioCNG-Potential (einschließlich PtG) wird sogar auf 300 TWh geschätzt – ausreichend für >40 Mio BioCNG-Pkw.

Leider versteht z.B. Frau Baerbock unter Verbrenner nur Fossiles und wird wie viele andere erst aufwachen, wenn die Stromwende für alle verstromten Sektoren auf Import-Atomstrom angewiesen sein wird. Denn Grünstrom-Standort DE wird niemals den Bedarf decken können. Allein die Chemieindustrie wird Mitte der 2030er mehr Grünstrom benötigen als DE derzeit insgesamt an Strommix produziert: Die Energiewende wird viel zu stromlastig angegangen.

E-Föhn:

@Wranky, gratuliere zu den 14 Dislikes, Merkmal fürs Wundenlecken bei Nicht-Denkern und solcher ohne Argumente: In diesem Stromerforum die Mehrheit.

E-Föhn:

Dummerweise fällt in der efuel-Produktion nicht nur Kerosin-Fraktur an (ca. 20%), sondern auch Benzin, Diesel, Wachse usw.
Überlegen Sie mal, was das bedeutet.

E-Föhn:

Lustig, Ihr Unterschlagungs-Versuch, dass der fehlende Grünstrom für die E-Mobilität aus deutschen Landen kommen muss, während efuels aus ganz anderen wind- und solarreichen Regionen importiert werden können und sollen…

Sie wissen das alles selbst und es macht Ihre Falschdarstellungen noch durchsichtiger.

E-Föhn:

Dummerweise emittierten vergleichbare E-Autos allein wegen ihres Mehrgewichts (hinzu kommt die Feinstaubemission aus der rasanten Anfahrbeschleunigung) mehr Feinstaub aus Reifen- und Asphaltabrieb als Verbrenner und allein dieser Feinstaubanteil beträgt im Straßenverkehr >80%.

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