Kia Sportage PHEV: Wettfahrt zum Umweltbonus

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Wolfgang Plank

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  —  Lesedauer 5 min

Er ist zwar nicht der Längste bei Kia – einer der Größten indes schon. Immerhin ist der Sportage das meistverkaufte Modell der Koreaner in Europa. In fünfter Generation haben sie das Viereinhalb-Meter-SUV deshalb ordentlich auf Zack gebracht. Messerscharfe Linien, schneidender Blick, kantiger Look. Die Lichter wie mit dem Schwert gezeichnet. „Opposites United“ (Vereinte Gegensätze) nennen sie das bei Kia. Von der einst knuffigen Tigernase ist da wenig geblieben. An den Flanken tobt das Licht zwischen Kniffen und Kanten, Falzen und Furchen. Und einem Blitz gleich zuckt Chrom über die C-Säule in den Dachspoiler.

Apropos Blitz: Spannung herrscht beim jüngsten Sportage auch unter der Haube. Bis auf den Einstiegsbenziner ist stets Strom mit im Spiel: Als 48-Volt-Stütze – und ganz besonders bei der Plug-in-Variante, die ab sofort für die Top-Motorisierung der Baureihe steht. Unter dem Blech kooperieren ein 1,6-Liter-Benziner (132 kW/180 PS) und ein 66,9 kW starker Elektromotor, der sich aus einem Akku mit 13,8 kWh speist.

Das Ergebnis: Wer’s drauf anlegt, kommt mit geballter Kraft in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 und rauf bis 191 – oder schafft offizielle 70 elektrische Kilometer. Bei einer ersten Testfahrt sind es am Ende 54, ohne dass man sich vorkam wie im Safety-Car. Und ein Stückchen Autobahn nahe des elektrischen Maximums von 140 war auch dabei. Damit kann man gut leben. Und sollte man demnächst häufiger auf Umweltzonen stoßen: Per Tastendruck lässt sich der Strom-Modus auch fixieren.

Selbstverständlich ist ihnen auch bei Kia klar, dass der Absatz ein Wettlauf gegen die Zeit wird. Vieles spricht dafür, dass die umstrittene Doppelherz-Förderung zum Jahresende ausläuft. Ohne Zuschuss indes würde der Sportage PHEV aber halt nicht bei 37.212 Euro starten, sondern bei zackigen 44.390 Euro. Zweifache Technik hat ihren Preis – und vereint neben den Vorzügen aus zwei Welten eben auch beider Übel: Im E-Modus schleppt man den obsoleten Verbrenner mit sich, gehen die Kolben auf und ab, wird wiederum der Akku zum Ballast. Und so fährt das Modell einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Gegenwart scheint da deutlich sicherer. Für den erhofften Ansturm glauben sich die Koreaner jedenfalls gut gerüstet. Staus vor den Häfen hin oder her. Produziert wird der Sportage nämlich in der Slowakei. Wobei ein gewisser Vorlauf sicherlich nicht schadet, weil für den Genuss der Förderung eben nicht der Tag des Kaufs zählt, sondern der der Zulassung.

Wer sich – wann auch immer – für den Sportage PHEV entscheidet, hat es überaus kommod und kann den Blick schweifen lassen über ein gewölbtes Breitwand-Display, zu dem digitales 12-Zoll-Cockpit und ein optional ebenso großer Touchscreen unter gemeinsamem Glas verschmelzen. Das ist in dem Segment schon großes Kino. Pfiffig: Wichtige Funktionen benötigen kein lästiges Gefummel in Untermenüs. Und: Die identische Tastenreihe lässt sich durch Umschalten fürs Navi ebenso nutzen wie für Heizung und Klima.

Dazu gibt’s viele schicke Details: So runden sich Getränkehalter auf Knopfdruck in der Mittelablage, die Lehnen der Vordersitze verfügen auf Wunsch über eine USB-Buchse, und in die Kopfstützen sind Haken und Kleiderbügel integriert. Wer’s lieber sportlich schätzt: In der auch zweifarbig erhältlichen Version GT-line locken abgeflachtes Lenkrad, Sportpedale, schwarzer Dachhimmel – vor allem aber eine elektronische Dämpfer-Kontrolle.

Der Radstand von 2,68 Metern ist für europäische Straßen und Kundenwünsche zugeschnitten. Außerhalb gibt es den Sportage auch länger. Doch selbst die hiesige Version bietet bei kaum veränderten Abmessungen zum Vorgänger deutlich mehr Platz – vor allem in zweiter Reihe. Wer lieber Last transportiert statt Leute: Hinter voller Bestuhlung packt der Doppelherz-Sportage bis zu 540 Liter weg. Das Minus von 50 Litern zu den einmotorigen Modellen ist ein kleines Opfer für den Akku. Mit umgeklappten Lehnen finden gut 1,7 Kubikmeter Platz. Und falls auch das nicht reicht: Achtern dürfen gebremste 1350 Kilo an den Haken.

Gut austariert haben sie bei Kia das Fahrwerk. Sogar in schnellen Kurven bewahrt der Sportage dank steiferer Karosserie Haltung, ohne jedoch unkomfortabel zu sein. Immerhin sind knapp zwei Tonnen auf Kurs zu halten. Und auch in Sachen Offroad macht der Wagen nicht bloß Show. Anders als bei vielen Lifestyle-Hochbeinern darf dem Allradler einiges an Ungemach unter die 19 Zoll großen Räder kommen. Sechs-Stufen-Wandler und eine „Terrain Mode“-Funktion sorgen auf verschneitem, matschigem oder sandigem Untergrund für optimale Traktion.

In Sachen Sicherheit ist der Sportage PHEV ebenfalls voll auf der Höhe. Er hält Tempo, Spur und Abstand, späht in den Querverkehr, projiziert beim Setzen des Blinkers einen Blick in den toten Winkel und wirft im Notfall den Anker. Besonders praktisch für enge Tiefgaragen: Das Plug-in-Modell lässt sich in die Parklücke fernsteuern – und auch wieder herausdirigieren.

So oder so geht irgendwann der Saft zur Neige. Bei maximal 7,2 kW Leistungsaufnahme dauert die volle Ladung eine Stunde und 45 Minuten, an der heimischen Steckdose gehen 5,5 Stunden ins Land. Für unterwegs werben die Koreaner mit dem Ladeservice Kia Charge. Über einen einzigen Account können damit europaweit mehr als 300.000 öffentliche Ladepunkte genutzt werden. Und falls es beim Höhenflug der Marke schon in Vergessenheit geraten sein sollte: Kia gibt noch immer sieben Jahre Garantie. Auch auf den Akku.

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Hans Salzmann:

Im Gegensatz zum bis 2021 angebotenen Sportage, der m. E. eines der schönsten SUV im Straßenbild darstellte, ist das neue Modell an Hässlichkeit kaum zu überbieten. Da ist mir dann auch die Technik, ob Hybrid oder Elektro völlig Schnuppe. Das Ding kommt nicht in meine Garage. Frage mich was die Designer geraucht haben, als sie vor allem diese grauenhafte Front entworfen haben.

Peter Bigge von Berlin:

Wer noch einen PHEV haben will, sollte schnell sein.
Mit versanden der Förderung bleiben Gefährte, die nichts von beiden gut können und in jeder seiner Welten einfach alles nur schlechter machen.
90min Ladezeit für 50km elektrisch geht dazu nur an eigener Wallbox, unterwegs ein No-go, an öffentlichen Ladestationen fast schon asozial gegenüber allen anderen wirklich bedürftigen Nutzern.
Jeder PHEV weniger ist ein Gewinn an zusätzlichen Chips, die in jedem BEV besser aufgehoben sind.

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