Kia startet mit dem Niro Plus seine Spezialfahrzeug-Strategie

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der Autohersteller Kia hat mit dem Niro Plus sein erstes zweckgebundenes Spezialfahrzeug (PBV, Purpose-built Vehicle) vorgestellt. Als Anbieter nachhaltiger Mobilitätslösungen verfolgt das Unternehmen verschiedene Ansätze, um Privatpersonen und Unternehmen neue Fortbewegungsmöglichkeiten neben der traditionellen Automobilnutzung zu eröffnen. Kia geht davon aus, dass die PBV-Modelle der Marke in der zukünftigen Mobilität eine wichtige Rolle spielen werden.

Der Niro Plus wird als allgemeines Modell und als emissionsfreies Taxi in Korea eingesetzt. Die erste Generation des Niro EV – in Deutschland unter dem Namen e-Niro vermarktet – wurde dazu so modifiziert, dass der Elektro-Crossover die Anforderungen moderner Mitfahrdienste erfüllt. Kurz vor der Einführung des Niro Plus ist im Februar der Kia Ray Van gestartet, Koreas erster einsitziger Lieferwagen, der im einheimischen Markt die wachsende Nachfrage nach Lieferdiensten für kleine Frachten bedienen soll.

Kia sieht sich als ein Vorreiter auf dem PBV-Markt und strebt an, bis 2030 ein Marktführer zu werden. Dazu entwickelt das Unternehmen eine spezielle Plattform, auf deren Basis PBVs verschiedener Formen und Größen realisiert werden können, um den sich entfaltenden Kundenbedürfnissen und Markttrends gerecht zu werden.

Sein erstes dediziertes PBV-Modell plant Kia 2025 einzuführen, wenn sich der globale PBV-Markt voraussichtlich entwickelt haben wird. Dieses Spezialfahrzeug werde etwa so groß wie ein Mittelklassewagen und skalierbar sein.

„Mit der Neuausrichtung seiner Geschäftsstrategie setzt Kia den Fokus auf die Verbreitung von Elektrofahrzeugen sowie die Einführung neuer Mobilitätsprodukte, die auf die Bedürfnisse der Nutzer in den Märkten rund um den Globus zugeschnitten sind. Der Niro Plus ist unser erster Schritt in die PBV-Welt, einen Markt mit großem Entwicklungspotenzial.“ – Sangdae Kim, Leiter des Geschäftsbereichs für leichte elektrische Nutzfahrzeuge (eLCV) bei Kia

Mit dem Niro Plus will Kia dem wachsenden öffentlichen Bedarf an nachhaltigeren Fortbewegungsmöglichkeiten begegnen. Das Unternehmen plant eine allgemeine Modellversion, die sich für viele geschäftliche Zwecke einschließlich Car-Hailing-Diensten, aber auch als Freizeitmobil nutzen lässt. So könnte zum Beispiel ein Kleinunternehmer den Niro Plus an Wochentagen als Arbeitsfahrzeug und am Wochenende für Freizeitaktivitäten wie Camping oder Ausflüge ans Meer oder in die Berge verwenden.

Die Nachfrage nach Liefer- und Logistikdiensten ist durch die Zunahme des E-Commerce infolge der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Im Zuge des Wachstums des PBV-Marktes plant Kia eine schrittweise Ausweitung seiner Produktpalette von Kleinstfahrzeugen bis hin zu großen PBVs, die eine Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln darstellen oder sogar als mobile Büros genutzt werden können.

Kia-Niro-Plus-Elektroauto-Taxi
Kia

Die allgemeine, nicht speziell auf Taxis zugeschnittene Version des Niro Plus soll in der zweiten Jahreshälfte in ausgewählten internationalen Märkten verfügbar sein. Neben der Elektroversion werden in diesen Märkten auch Plug-in- und Vollhybrid-Varianten des Modells angeboten, um länderspezifischen Besonderheiten und unterschiedlichen Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen. Mit dem Niro Plus will Kia sein PBV-Geschäft schrittweise weltweit ausbauen. Details zu den weiteren Marktstarts will der Hersteller in Kürze bekannt geben. Eine Einführung in Deutschland ist zurzeit allerdings nicht geplant.

Die weltweit verkaufte erste Generation des Niro EV, auf der das jetzt vorgestellte Taximodell basiert, wurde 2018 eingeführt. Ihr Erfolg ist Kia zufolge ein Beleg für das wachsende Interesse an vielseitigen batterieelektrischen Fahrzeugen.

Durch verschiedene Veränderungen hat Kia den Elektro-Crossover auf die Anforderungen der koreanischen Taxiunternehmen zugeschnitten. Um den Insassen mehr Platz zu bieten, ist das Taximodell des Niro Plus im Vergleich zum regulären Niro der ersten Generation deutlich höher (plus 80 mm gegenüber Ausführung ohne Dachreling) und auch etwas länger (plus 10 mm). Zum gewachsenen Raumangebot tragen auch die schlankeren Sitze und die dünneren Türverkleidungen bei. Zusätzliche Sicherheits- und Komfortelemente wie Türreflektoren und Haltegriffe sind sowohl für die Taxiversion als auch für das allgemeine Modell erhältlich.

Kia-Niro-Plus-Elektroauto-Taxi-Innenraum
Kia

Das integrierte „All-in-One“-Display des Taximodells bietet dem Fahrer mehr Komfort und erhöht die Sicherheit, da er nicht mehr verschiedene Geräte und Bildschirme im Blick haben muss. Das Display beinhaltet alle Informationen und Funktionen, die Taxifahrer für ihre Arbeit benötigen, darunter Navigation, Taxameter, digitaler Tacho und Spracherkennung. Das System wird auch Daten zu relevanten „Points of Interest“ und nahegelegenen Ladestationen liefern. Kia plant zudem, in Kooperation mit lokalen und nationalen Unternehmen Updates und Dienste Over-the-Air (OTA) anzubieten.

Quelle: Kia – Pressemitteilung vom 27.04.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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