Interesse an E-Autos steigt, Verkäufe bleiben aber schwach

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Hannes Dollinger
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  —  Lesedauer 2 min

Das Interesse an Elektroautos wächst – zumindest in der Theorie. Eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Horváth zeigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland sich vorstellen kann, ein Elektroauto zu kaufen. Auch weltweit steigen die Verkäufe elektrischer Autos. Jedoch bleiben die Verkaufszahlen in Deutschland hinter den Erwartungen: Die Neuzulassungen rein elektrischer Autos gingen 2024 stark zurück. 

Laut der Studie ziehen 58 Prozent der deutschen Autofahrer beim nächsten Kauf ein Elektroauto in Betracht, jeder Dritte sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit. Gleichzeitig nimmt die Zahl der strikten Elektroauto-Gegner ab. Noch vor einem Jahr hatte mehr als jeder zweite Befragte ein Elektroauto grundsätzlich ausgeschlossen – mittlerweile sind es nur noch 20 Prozent. Der Elektroauto-Anteil an den gesamten Pkw-Neuzulassungen erreichte im vergangenen Jahr jedoch nur 14 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen Interesse und Kaufentscheidung hat laut der Studie klare Gründe. Der höhere Anschaffungspreis in Relation zum Verbrenner ist für 28 Prozent das größte Hindernis. Auch Reichweitenbedenken (17 Prozent) und fehlende Lademöglichkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz (16 Prozent) bremsen die Entscheidung aus. Zudem gibt es nach wie vor Lücken im öffentlichen Ladenetz, die 13 Prozent der Skeptiker als Problem sehen.

Besonders stark ist die Zurückhaltung gegenüber gebrauchten Elektroautos. 56 Prozent der Befragten bewerten sie als weniger attraktiv als gebrauchte Verbrenner. Die Unsicherheit über Batterielebensdauer und hohe Reparaturkosten schreckt viele potenzielle Käufer ab.

Deloitte-Studie zeigt andere Zahlen

Einschränkend muss man auch sagen: Eine kürzlich veröffentlichte „Global Automotive Consumer Study“ von Deloitte zeigt ein ganz anderes Bild. Ihr zufolge liegt die tatsächliche Kaufabsicht für ein rein elektrisches Modell in Deutschland nur bei 14 Prozent, für Plug-in-Hybride bei 9 Prozent. Die methodischen Unterschiede der beiden Umfragen zeigen, wie stark die Wahrnehmung von Elektromobilität schwanken kann – je nachdem, welche Fragestellungen berücksichtigt werden. Beide Studien gelten als repräsentativ.

Ob mit oder ohne steigendes Interesse – dem Elektroauto fehlt in Deutschland oft die reale Kaufbereitschaft. Ohne Anreize bleibt die Idee, den Verbrenner zu ersetzen, für viele eine theoretische, die sie zwar durchspielen, sich aber nicht zur Umsetzung durchringen.

Zwar ist das Elektroauto in Deutschland bereits komfortabel genug für den Alltag, doch auch die Bedingungen wie Ladeinfrastruktur und Zweifel an gebrauchten E-Autos verhindern weiterhin eine größere Marktdurchdringung.

Quelle: Handelsblatt – Umfrage: Interesse an E-Autos wächst trotz Kauf-Flaute / Kurier – Hohe Kosten, geringe Reichweite die größten Probleme / Deloitte – Global Automotive Consumer Study 2025

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Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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Gastschreiber:

Also alle Firmen, die ich kenne, müssen auch auf die Kosten achten. https://www.spiegel.de/fotostrecke/was-privatkunden-kaufen-die-beliebtesten-neuwagen-der-deutschen-fotostrecke-121853.html
Ich sehe hier durchaus einen hohen Anteil an Autos, die deutlich über 20k liegen bei den beliebtesten Neuwagen im privaten Bereich. Dacia ist hier nicht in den Top10.

Gastschreiber:

Jeder, der ein Auto neu kauft ist privilegiert, immer noch haben 1/3 der Haushalte überhautpt kein Auto. Und im Artikel geht es genau um die Menschen, die ein neues Auto kaufen und neue Autos kosten eben im Schnitt 50k hierzulande. Darauf beziehe ich mich und wenn man 50k ausgibt, dann hat man Alternativen die auch elektrisch sind. Bleiben wir doch bitte bei dem Punkt, auf den ich mich beziehe.

Spiritogre:

Der Durchschnittspreis liegt bei ca. 50k. Nur werden 2/3 aller Neukäufe durch Firmen getätigt, bei Privatpersonen kaufen nur ein paar Bessergestellte im oberen Segment neu. Der Großteil der privaten Käufe wird im Schnitt eher so bei 20.000 oder maximal knapp höher erfolgen. Die ganzen Dacias die man so sieht etwa, sind genau deswegen erfolgreich.

Und, wie im anderen Beitrag schon genannt, die Verkaufszahlen in Europa sind seit den späten 2010er Jahren inzwischen um ein Drittel zurückgegangen. Alle müssen den Gürtel enger schnallen, alle außer vielleicht die ganz Reichen. Und ja, bei dem einen Punkt stimme ich zu, da scheint es hier im Forum einige zu geben.

Marcel Gleißner:

Die Anschaffungskosten spielen sehr wohl eine wichtige Rolle, gerade für sehr viele Menschen die nicht mit Geld um sich werfen können. Ganz oft muss knallhart gerechnet werden, was für ein Auto möglich ist.
Sie scheinen ja Privilegiert zu sein oder leben Sie in einer Parallelwelt.

Marcel Gleißner:

Mit der E-mobilität bzw. E-Autos gibt es noch viel zu viele Probleme und viel zu wenige Menschen können sich das leisten. Das ist Fakt!!!
E-mobilität von OBEN zu Verordnen und mit der Brechstange durchzudrücken funktioniert NICHT, wie man sehen kann.
Bisher ist das E-AUTO eher was für Gutverdiener mit eigenem Haus, PV Anlage und mehreren Autos. Die meisten Leasen oder Kaufen ein E-Auto eh nur wegen der Prämie oder fürs eigene Gute Gewissen.
Mit Klimaschutz hat das wenig bis nichts zu tun. E-Autos haben meiner Meinung nach keinen Echten Nutzen für Klima, da auch öffentlicher Ladestrom auf den die Mehrheit in Deutschland angewiesen ist, nicht 100% Öko ist. Die E-Autos bzw. die Batterien sind auch nicht Öko.
Klein- Deutschland kann NICHT das Klima und die ganze Welt retten!!!!
***

[Edit: Passage gelöscht, bitte unsere Netiquette beachten und auf Beleidigungen und Provokationen verzichten, danke / Die Redaktion]

Dr. Kralle:

Ich glaube, dass das vor allem an dem hohen Wertverlust von E-Autos liegt. Und, dass viele Menschen die Kaufentscheidung vertagen, weil ja in kurzen Abständen neue Entwicklungen im Rahmen der Batterien kommen. Gebrauchte E-Autos stauben aktuell bei vielen Händlern zu. Gleichzeitig sind die Leasingraten gerade bei E-Autos von deutschen Händlern einfach zu hoch, da ja auch die Hersteller selber den Wertverlust mit einrechnen müssen. Das es anders geht, zeigt ja gerade das rege Interesse am ID.3 mit geringer Leasingrate.

Gastschreiber:

Mein Gefühl, egal welcher Studie man jetzt mehr traut, es gelingt hierzulande nicht eine „einfach mal machen“ Kultur zu entablieren und die Ängste abzubauen. Wenn, hier ja auch wieder, nahezu jeder Artikel das, real deutlich weniger zutreffende, Damoklesschwert der Infrastruktur und Reichweite in den Vordergrund stellt, wie soll da Vertrauen aufgebaut werden.
Natürlich spielt der Preis eine Rolle, aber wenn das Image passt und keine Angst herrscht, spielen doch beim Autokauf die Kosten eine eher geringe Rolle, oder wie sollte man sich sonst durchschnittliche Kaufpreise von 50.000€ erklären? Mehr, außer mehr Parkraum den man benötigt, bekommen tut man in den Autos eher selten.

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