Hyundai: Wandel zur E-Mobilität für Händler und Werkstätten „kein Grund zur Panik“

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Karl Hell, Direktor Aftersales von Hyundai Motor Deutschland, sprach mit dem Fachblatt Autohaus darüber, was die Elektromobilität für die Geschäftsentwicklung von Händlern, Werkstätten und Servicebetrieben bedeutet, wie sie sich auf den Wandel vorbereiten können – und warum Panik aufgrund befürchteter Umsatzeinbußen nicht angebracht ist.

Generell sei Hyundai in Sachen Elektroautos gut aufgestellt, sagt Hell zu Beginn des Interviews. Hersteller und Händler seien erfreut „über eine gute Verfügbarkeit und kurze Lieferfristen der rein elektrischen Modelle, die zu den beliebtesten am Markt zählen“. In den Werkstätten sei das Servicepersonal „gut durchgeschult“ und die Betriebe „können ihren Kunden eine praktikable Ladeinfrastruktur anbieten“.

Hell räumt zwar ein, dass die Elektromobilität zumindest in den Bereichen Wartung und Teile gewisse Umsatzverluste mit sich bringe, weil Elektroautos „weniger Wartung und weniger Verschleißteile“ benötigen, was pro Fahrzeug „zu weniger Werkstattumsatz“ führe. Es bestehe allerdings „kein Grund zur Panik“. Denn „der Wandel in den Antriebsformen“ komme „nicht über Nacht“. Außerdem werden Autohäuser „noch sehr lange Millionen von Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren handeln und warten“, so Hell. Daran ändere sich selbst dann „so schnell nichts, wenn wir nun pro Jahr zehn bis 20 Prozent Elektrofahrzeuge verkaufen.“

Gewisse Bereiche betreffe die Elektromobilität auch gar nicht, etwa das Karosserie- und Lackgeschäft. Andere Bereiche können sogar profitieren, etwa jenes mit Reifen, da der Reifenverschleiß von E-Autos „wegen des hohen Drehmoments sogar höher“ sei. Hinzu kämen neue Umsatzpotenziale, etwa der Handel mit Zubehör wie Ladekabeln oder Wallboxen. Hell findet sogar, dass sich Betrieben, „die ihren elektrobegeisterten Kunden einen guten Rundum-Service sowie eine gute Beratung offerieren, aktuell sehr gute Wachstumschancen bei starker Loyalität“ eröffnen.

„Jeder Mitarbeiter sollte Gelegenheit bekommen, E-Fahrzeuge selbst zu erleben“

Wichtig für Händler und Werkstätten sei „eine hohe Begegnungsqualität“, die jedoch nicht immer gegeben sei: „Tatsächlich verlieren wir heute schon viele Kunden an den freien Wettbewerb, weil die Kundenkommunikation nicht optimal ist“, gibt Hell zu. Sales und Service gleichermaßen für die E-Mobilität zu begeistern gelinge „am besten, wenn der Chef sich für das Thema selbst begeistert, denn am Ende ist das eine Führungsfrage“, findet er. Zudem sollte „jeder Mitarbeiter Gelegenheit bekommen, E-Fahrzeuge selbst zu erleben“, sagt Hell. „Denn erst jemand, der einmal privat längere Strecken mit einem E-Auto zurückgelegt hat, weiß, was Käufern auf den Nägeln brennt“. Diese Erfahrung sei „wichtig, um gegenüber Kunden authentisch agieren zu können“.

Technikern gibt Hyundais Aftersales-Direktor mit auf den Weg, die „Komplexität der Technologie in E-Fahrzeugen“ nicht zu unterschätzen: „Der E-Motor mag eine vergleichsweise simple Konstruktion sein, das Batteriemanagement und der Akku sind es nicht“, stellt Hell klar. Hier lohne es sich, „Know-how für die Zukunft aufzubauen“, was sich „gegenüber dem freien Wettbewerb als Vorteil erweisen“ könnte.

Quelle: Autohaus – Elektromobilität: Der Wandel kommt… aber nicht über Nacht

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Daniel W.:

Die Strassen ließen sich entlasten, wenn der Güterfernverkehr auf die Schiene verlagert wird. Damit würde der Großteil der Kosten für Instandhaltung und Neubau von Strassen und Brücken wegfallen.

Der verbleibende Rest müsste auf alle Bürger und Firmen als „Strassen-Soli“ über die Steuererklärung umgelegt werden, die Großverdiener zahlen mehr und die Geringverdiener weniger oder gar nichts.

Mark Müller:

Die Finanzierung der Strassen-Infrastruktur wird bei vollständiger Durchdringung mit E-Mobilität ein Problem sein. Es wäre ja auch ungerecht, wenn die Fussgänger die Strassen zahlen müssten. Ich vermute aber, es wird mittel- und langfristig eher zu einem (variablen) Road-Pricing kommen: Man zahlt laufend für die Benutzung einer Strasse zu einer bestimmten Zeit. Wenn das vernünftig und fair gemacht wird, könnte es eine gute Lösung sein, mit der man die Verkehrsströme auch etwas steuern könnte.

Norbert Seebach:

Keine Sorge: Um den Umsatz der Fachwerkstätten nicht vollends einbrechen zu lassen werden sich Politik und Hersteller schon etwas einfallen lassen – von neuen Schwachsinns-Vorschriften bis hin zur geplanten Obsoleszenz. Ebenso gehe ich davon aus, dass es nach erfolgter Marktdurchdringung der E-Mobilität eine Verpflichtung geben wird, den Ladestrom auch an der heimischen Wallbox separat zu erfassen, damit hier noch eine saftige Steuer (analog der alten Mineralölsteuer) draufgeschlagen werden kann.

Wolfbrecht Gösebert:

Vielleicht richtet der Gesetzgeber ja doch noch sowas wie die Klasse der Kei-Cars in Japan ein, also eine Begrenzung bei Größe, Gewicht, kW (PS) und Drehmoment ein und im Gegenzug dafür zahlreiche Vergünstigungen und Sonderrechte für diese kleinen E-Autos in den Innenstädten.

+1

Daniel W.:

Vielleicht sollte man eine Drehmomentsteuer einführen, um E-Auto nicht zu Feinstaubschleudern durch erhöhten Reifenabrieb zu machen – eine Steuer soll steuern, z.B. die Vernunft beim E-Autokauf.

Vielleicht richtet der Gesetzgeber ja doch noch sowas wie die Klasse der Kei-Cars in Japan ein, also eine Begrenzung bei Größe, Gewicht, kW (PS) und Drehmoment ein und im Gegenzug dafür zahlreiche Vergünstigungen und Sonderrechte für diese kleinen E-Autos in den Innenstädten.

Johannes:

Andere Bereiche können sogar profitieren, etwa jenes mit Reifen, da der Reifenverschleiß von E-Autos „wegen des hohen Drehmoments sogar höher“ sei

So kann man Plastikmüll auch was Gutes abgewinnen oder wie?

Wolfbrecht Gösebert:

[…] Autohäuser [werden] „noch sehr lange Millionen von Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren handeln und warten“, so Hell. Daran ändere sich selbst dann „so schnell nichts, wenn wir nun pro Jahr zehn bis 20 Prozent Elektrofahrzeuge verkaufen.“

»Pro Jahr zehn bis 20 % Elektro« klingt ein wenig wie ängstliches Rufen im dunklen Wald … :)

Es waren 2020 in -D- schon >10% (in NOR 2020 übrigens schon fast 55% !)
Ob –> 2023 der Anteil hier auch so hoch liegen wird, zeigt sich wohl erst im Licht des künftigen politisch- /ökologischen Umfeldes … die Adressaten des Fachblatts „Autohaus“ werden sich aber sicher schon bis dahin einem sehr deutlichen Rückgang der Zahl der Betriebe stellen müssen …

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