Sieben Gründe, warum Brennstoffzelle und Wasserstoff wichtige Bausteine künftiger Mobilität sind

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Bosch

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Elektromobilität nimmt immer mehr Fahrt auf. Sie ist ein wichtiger Baustein, um die CO2-Emissionen des Verkehrs zu senken. Aber wie wirtschaftlich ist es, auch Schwerlast-Lkw mit 40 Tonnen Nutzlast über lange Distanzen rein batterieelektrisch zu betreiben? Allein wegen des Batteriegewichts, der langen Ladezeiten und begrenzten Reichweiten sei der Elektroantrieb mit aktueller Batterietechnik für schwere Nutzfahrzeuge nicht die erste Wahl, so der Zulieferer Bosch.

Trotzdem werden auch 40-Tonner in naher Zukunft über tausend Kilometer rein elektrisch unterwegs sein können. Der Schlüssel dazu liegt im Brennstoffzellenantrieb. Dieser ermöglicht bei Einsatz von regenerativ erzeugtem Wasserstoff den klimaneutralen Transport von Waren und Gütern. Bosch entwickelt den Brennstoffzellenantrieb zunächst vor allem mit Fokus auf Lkw und plant, 2022/23 in Serie zu gehen. Ausgehend von den Nutzfahrzeugen sollen Brennstoffzellen-Antriebe in Zukunft dann auch im Pkw vermehrt zum Einsatz kommen und aus guten Gründen fester Bestandteil des Antriebsportfolios der Zukunft sein.

Sieben Gründe, warum Brennstoffzelle und Wasserstoff entscheidende Bausteine künftiger Mobilität sind:

1. Klimaneutralität

In der Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff (H2) mit Sauerstoff (O2) aus der Umgebungsluft. Dabei wird der Wasserstoff in elektrische Energie gewandelt, die zum Fahren genutzt wird. Zudem entsteht Wärme und reines Wasser (H2O). Gewonnen wird H2 mittels der sogenannten Elektrolyse, bei der Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt wird. Kommt hierfür regenerativer Strom zum Einsatz, arbeitet der Brennstoffzellenantrieb komplett klimaneutral. Seine CO2-Bilanz ist gerade bei großen, schweren Fahrzeugen besser als beim rein batterieelektrischen Antrieb, wenn man den CO2-Ausstoß für Produktion, Betrieb und Entsorgung zusammenrechnet.

Es genügt in Brennstoffzellen-Fahrzeugen neben dem Wasserstofftank eine deutlich kleinere Batterie als Zwischenpuffer/-speicher. Dies senkt den bei der Herstellung entstehenden CO2-Fußabdruck wesentlich. „Die Brennstoffzelle spielt ihre Vorteile genau in den Bereichen aus, in denen der batterieelektrische Antrieb nicht punkten kann“, erklärt Dr. Uwe Gackstatter, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Powertrain Solutions. „Brennstoffzelle und Batterie stehen daher nicht im Wettbewerb, sondern ergänzen einander perfekt.“

2. Einsatzmöglichkeiten

Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte. Ein Kilogramm Wasserstoff enthält so viel Energie wie 3,3 Liter Diesel. Für 100 Kilometer genügt einem Pkw rund ein Kilogramm, ein 40-Tonner braucht gut sieben Kilogramm. Ist der Tank leer, kann H2, wie bei einem Diesel oder Benziner, in wenigen Minuten aufgefüllt werden und die Fahrt geht weiter. „Die Brennstoffzelle ist erste Wahl, wenn täglich viele Kilometer und größere Lasten bewegt werden müssen“, fasst Gackstatter die Vorteile zusammen.

Im EU-geförderten Projekt H2Haul baut Bosch derzeit mit anderen Unternehmen eine kleine Flotte von Brennstoffzellen-Lkw auf und bringt sie auf die Straße. Neben den mobilen Anwendungen entwickelt Bosch auch Brennstoffzellen-Stacks für stationäre Anwendungen mit SOFC-Technologie (Festoxid-Brennstoffzelle). Diese sollen unter anderem in Form kleiner dezentraler Kraftwerke in Städten, Rechenzentren und beim Betreiben von Ladesäulen für Elektroautos zum Einsatz kommen. Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, soll Wasserstoff künftig nicht nur Pkw und Nutzfahrzeuge antreiben, sondern auch Züge, Flugzeuge und Schiffe. Und auch die Energiewirtschaft und die Stahlindustrie plant mit Wasserstoff.

3. Wirkungsgrad

Entscheidend für Klimafreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit eines Antriebs ist unter anderem dessen Wirkungsgrad. Dieser ist bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen rund ein Viertel höher als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Die Möglichkeit der Rückgewinnung von Bremsenergie erhöht die Effizienz weiter. Noch effizienter arbeiten zwar rein batterieelektrische Fahrzeuge, die Strom direkt im Fahrzeug speichern und zum Vortrieb nutzen können. Da Energieerzeugung und Energienachfrage aber nicht immer zeitlich und räumlich zusammenfallen, bleibt Strom von Wind- und Solaranlagen oftmals ungenutzt, weil er keinen Abnehmer findet und nicht gespeichert werden kann. Hier kann Wasserstoff punkten. Mit dem überschüssigen Strom lässt er sich dezentral erzeugen, flexibel speichern und transportieren.

4. Kosten

Mit dem Aufbau größerer Produktionskapazitäten sowie sinkender Preise für regenerativen Strom werden die Kosten zur Herstellung von grünem Wasserstoff deutlich sinken. So erwartet das Hydrogen Council, ein Verband von über 90 internationalen Unternehmen, bei vielen Wasserstoff-Anwendungen in den kommenden zehn Jahren eine Halbierung der Kosten – und damit die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Technologien. Den Stack, das Herzstück der Brennstoffzelle, entwickelt Bosch derzeit gemeinsam mit dem Start-up Powercell zur Marktreife und wird ihn anschließend in Serie fertigen. Ziel ist eine leistungsfähige Lösung, die sich kostengünstig herstellen lässt. „Mittelfristig wird die Nutzung eines Fahrzeugs mit Brennstoffzelle nicht teurer sein als mit einem konventionellen Antrieb“, sagt Gackstatter.

5. Infrastruktur

Das derzeitige Wasserstofftankstellennetz ist noch nicht flächendeckend verfügbar. Die rund 180 Wasserstofftankstellen in Europa genügen allerdings bereits für einige wichtige Transportrouten. Um den Ausbau weiter voranzutreiben, kooperieren Unternehmen in vielen Ländern, oftmals unterstützt durch staatliche Fördermittel. Auch in Deutschland hat die Politik die Rolle von Wasserstoff als wichtigen Defossilisierungspfad erkannt und in der Nationalen Wasserstoffstrategie verankert. Das Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility zum Beispiel will in Deutschland bis Ende 2020 rund 100 frei zugängliche Tankstellen errichtet haben, und im EU-geförderten Projekt H2Haul werden nicht nur die Lkw, sondern auch die auf den geplanten Routen erforderlichen Tankstellen aufgebaut. In Japan, China oder Südkorea gibt es ebenfalls umfassende Förderprogramme.

6. Sicherheit

Der Einsatz von gasförmigem Wasserstoff in Fahrzeugen ist sicher und nicht gefährlicher als andere Auto-Treibstoffe oder Batterien. Von Wasserstofftanks geht keine erhöhte Explosionsgefahr aus. Zwar brennt H2 in Verbindung mit Sauerstoff und ab einem bestimmten Verhältnis ist ein Gemisch auch explosiv. Aber Wasserstoff ist rund 14-mal leichter als Luft und daher extrem flüchtig. Tritt H2 beispielsweise aus einem Fahrzeugtank aus, steigt es schneller auf, als es sich mit dem Umgebungssauerstoff verbinden kann. In einem Feuertest von US-Forschern im Jahr 2003 kam es beim Brennstoffzellenauto zwar zu einer Stichflamme, sie erlosch jedoch schnell wieder. Das Fahrzeug blieb weitgehend unversehrt.

7. Zeitpunkt

Die Erzeugung von Wasserstoff ist bewährt und technologisch beherrschbar. Bei entsprechender Nachfrage kann die Produktion daher zügig hochgefahren werden. Zudem hat die Brennstoffzelle heute eine technologische Reife zur Industrialisierung und zum Einsatz in der Breite erreicht. Entsprechende Investitionen und politischer Wille vorausgesetzt, kann die Wasserstoffwirtschaft dem Hydrogen Council zufolge in den kommenden zehn Jahren wettbewerbsfähig werden. „Die Zeit für den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft ist jetzt“, sagt Gackstatter.

Quelle: Bosch – Pressemitteilung vom 02.09.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Gerhard:

Da die nächsten Jahre hunderte von Windräder und auch Solaranlagen aus der Förderung fallen, sind die bestimmt froh noch etwas für ihre Strom zu bekommen anstatt nichts.

Gerald Friesen:

Heutzutage importieren wir Öl warum nicht in Zukunft grünen Wasserstoff. Es wird so getan als sei die Abkehr von fossilen Brennstoffen gleichzeitig mit der Autarkie der Strom- und Wärmeproduktion verbunden. Das ist Blödsinn. Ich vermisse in der Diskussion sinnvolle Ideen abseits des Verkehrs wie Wasserstoff sinnvoll eingesetzt werden kann.

MrX:

Norwegen hat ca. 30 GW Wasserkraft installiert (was fast 100% der Stromerzeugung in Norwegen ist) und produziert damit jährlich ca. 140 TWh. Zusätzliche 20 GW könnten erschlossen werden.
Zum Vergleich hat Deutschland 200 GW installiert und produziert jährlich ca. 500 TWh Strom.
Deutschland wird vermutlich ca. wesentlich mehr als 100 GW und mehr als 100 TWh puffern können müssen, wenn wir vollständig von erneuerbaren Energien abhängig sind.
Norwegen wird daher nicht mal die ganzen deutschen Öko-Stromschwankungen ausgleichen können, schon gar nicht von einem Großteil Europas. Trotzdem hilft Norwegen und leistet mit jedem Seekabel nach Deutschland einen Strompuffer ganz grob in der Größenordnung eines Atomkraftwerks.
Ich sehe keine andere Lösung, als dass wir grünen Wasserstoff importieren müssen – aus Ländern wie Marokko. Jedes Seekabel nach Norwegen, jeder Wasserspeicher und jeder Batteriespeicher (auch mobil in Autos) und jedes Solarpanel und Windrad in Deutschland hilft diese Abhängigkeit zu reduzieren.
https://www.researchgate.net/publication/301214007_Design_of_Future_Pumped_Storage_Hydropower_in_Norway
https://norwegen.ahk.de/kernbereiche/erneuerbare-energien
https://www.energy-charts.de/energy_de.htm?source=all-sources&period=annual&year=2019

Peter Saar:

Zu Punkt 0+3: Also bei allen Veröffentlichungen werben die Hersteller immer mit 350 bar Tanks in LKW. Welche Firma hat denn 700 bar Tanks im LKW?
zu Punkt 3: Gut hier gibt es immer abweichende Berechnungen. Ein Elektromotor hat aber immer 94% Wirkungsgrad. 80% Gesamt-Wirkungsgrad sollten aber immer erreicht werden. Beim Wasserstoff liegen die Berechnungen zwischen 15% und 30% Wirkungsgrad. Ein Faktor ist hier die Verflüssigung des Wasserstoffs für den Transport. Es bleibt aber schon eine große Differenz. Ein BEV braucht im Jahr 2.500 kWh Energie und ein FCEV 10.000 kWh.
Zu Punkt 4: Nachdem ein Fahrzeug getankt hat an der H2-Tankstelle muss wieder Druck aufgebaut werden. Das geschieht durch elektrische Pumpen in der Tankstelle. https://www.heise.de/forum/Autos/Artikel-Foren/E-Mobilitaet-mit-Brennstoffzelle/Das-Weihnachtsmaerchen-vom-schnellen-Betanken-eines-Brennstoffzellenfahrzeuges/posting-31581331/show/

Wenn es nur Wasserstoff geben würde, würde ich ja zustimmen. Aber als große Speicher gibt es doch auch andere Möglichkeiten. Ein Wasser-Speicherkraftwerk wie zum Beispiel der Schluchsee hat einen Wirkungsgrad von 80%. Es gibt eine neue elektrische Hochleistungsverbindung nach Skandinavien. Man kann im Sommer Norwegen mit Solaranergie aus Spanien versorgen und die Stauseen schonen und im Winter Energie aus Norwegen beziehen. Das europäische Verbundnetz ist die Lösung und nicht der marokkanische König. Denn wenn wir mit unserer Energie nicht sparsam umgehen, bleibt uns nur der Import aus Afrika.

MrX:

Es wird immer Batterie gegen Wasserstoff diskutiert. Wie soll Deutschland den gesamten Energiebedarf decken? Man muss schon das ganze Bild betrachten und nicht nur LKWs. Es wir ohne Wasserstoff oder ein ähnlich mächtiges Energiespeichermedium schlicht nicht möglich sein, Deutschland sicher über Monate und Jahre bei Wochen- und Saison-Schwankungen im Wind- und Solarstrom sicher zu versorgen. Wenn Wasserstoff als Langzeitspeicher genutzt wird, kann ich ihn bei Rückverstromung auch im LKW einsetzen. Wirtschaftlich ist der Unterschied zur Batterie dann kaum mehr gegeben. Und bitte nicht falsch verstehen – ich bin kein Wasserstoff-Gläubiger. Allerdings sehe ich keine Alternative, um Deutschland auf nahezu 100% grüne Energie zu bringen.

Peter Saar:

Sollte heißen : Wobei das Gewicht pro kWh auch ständig fällt
2014 230 Wh/l 140 Wh/kg
2016 410 Wh/l 170 Wh/kg
2018 650 Wh/l 280 Wh/kg
2020 700 Wh/l 300 Wh/kg
——————————–
2025 800 Wh/l 350 Wh/kg

Das komplette Wasserstoff-Drucktanksystem für einen Pkw wiegt ca. 125 kg für 5 kg Wasserstoff
Das bedeutet 1100 Wh/kg, aber dazu kommt noch das Gewicht der Brennstoffzellemit Luftfilter
Deshalb ist ein Toyota Mirai auch schwerer als ein Tesla Model 3

Christoph:

Ich möchte ein paar Punkte des Kommentars von Herrn Saar relativieren:

zu Punkt 0+2)
Sie nehmen 300 bar als Referenz für Wasserstofftanks. Aktuell sind wir jedoch bei einem Standarddruck von 700 bar (z.B. Toyota Mirai), was die Energiedichte pro Liter weit über die von Akkus hebt und auch das Tankvolumen deutlich reduziert.

zu Punkt 3)
Mich würde auch interessieren, wie sie auf 80%-90% Wirkungsgrad bei einem Batteriesystem kommen? Alleine die Ladeverluste betragen üblicherweise schon um die 15%, wie kürzlich vom ADAC nachgewiesen. Hinzu kommen noch mindestens die weiteren Verluste durch den Stromtransport über Hochspannungsleitungen (ca. 6 %), Wandlungsverluste im Elektromotor (ca. 10%).
Des Weiteren liegt der Well-to-Wheel Wirkungsgrad bei einem Wasserstoffauto, je nach Quelle, bei 30-39%. So kommt man auf ein realistischeres Verhältnis von 70% E-Auto zu 35% Wasserstoffauto, was nur halb so schlecht ist, wie von Ihnen dargestellt.

zu Punkt 4)
Wie kommen Sie auf die Zahl von 20kg pro Stunde? Ein Wasserstoffauto ist in 3-5 Minuten vollgetank, bei ca. 5kg Tankinhalt. Selbst wenn man nochmal 5 Minuten für’s bezahlen drauflegt, kommt man auf mindestens 30kg pro Stunde. Zudem ist der Preis pro Zapfstelle deutlich günstiger, wenn mehr als ein Zapfpunkt installiert wird. Somit ist ihre Rechnung nicht sehr realitätsnah…

Natürlich ist Wasserstoff nicht die Lösung aller Probleme, aber es kann zumindest eine sinnvolle Übergangslösung für mittlere und lange Strecken sein. Nur für den Arbeitsweg in der Stadt bin ich auch der Meinung, dass ein Wasserstoffauto keinen wirklichen Sinn macht, hier sind akkubetriebene Elektroautos wahrscheinlich die bessere Wahl.

Wolfgang:

Nur ein einziger Hinweis zu Punkt 2 im Kommentar von Peter Saar: „Wobei das Gewicht pro kg auch ständig fällt.“

Peter Saar:

Zu Punkt 0
Das Bild ist ja wohl mehr als wasserstofffreundlich dargestellt. Damit ein LKW eine vernünftige Reichweite hat braucht er 80-100 kg Wasserstoff in Tank. Das entspricht bei einem Basisdruck von 300 bar einem Volumen von 3,5 m³. Diese sind aber nicht abgebildet.
Zu Punkt 1
Klimaneutral ist es nur mit grünem Wasserstoff. Den gibt es aber in Wirklichkeit gar nicht zu kaufen! Sollte es einmal tatsächlich grünen Wasserstoff an der Tankstelle geben der ohne Subvention und mit Steueraufschlag verkauft wird dann kostet das Kilo höchstwahrscheinlich 30€. Das wäre wirtschaftlich nicht möglich am Markt zu existieren. Zurzeit gibt es nur hochsubventionierten grauen Wasserstoff der pro 1kg Wasserstoff 10 kg CO2 freisetzt, nicht versteuert ist, und der kostet schon 9 € pro kg.
Zu Punkt 2
Die Energiedichte wird bei Wasserstoff gerne auf das Gewicht bezogen. Nimmt man das Volumen und die Nutzbare Energie sind wir bei 0,36 kWh/l bei 300 bar. Und alle Forschung der Welt wird diesen Wert nicht verändern können. Die Energiedichte bei Lithium-Ionen Akkus liegt bei 0,4 kWh/l, und hier wird die Forschung in den nächsten Jahren Energiedichten von 0,6 bis 0,9 auf den Markt bringen. Wobei das Gewicht pro kg auch ständig fällt.
Zu Punkt 3
Beim Wirkungsgrad nimmt man immer den alten Verbrenner im Vergleich. Ich bin ja schon froh, dass nicht noch die Dampfmaschine mit 15% Wirkungsgrad genommen wird. Systembedingt ist aber der Wirkungsgrad des Wasserstoffpfads bei etwa 20%. Das heißt 80 % sind Verlust von Windrad bis zu LKW-rad. Batteriesysteme liegen im Wirkungsgrad bei 80-90%.
Zu Punkt 4
Hier wird immer am meisten geschummelt. Als ob jemand bereit wäre Energie zu verschenken?? Überschüssige Energie ist ein Märchen. Und die fixen Kosten für die mehrfache Umwandlung der Energie setzt man einfach auf null. Eine Elekrolyseeinheit kostet eben nicht Null Euro und hält ewig. Der Verflüssiger, Transporter und Tankstelle kosten auch nicht Null Euro und halten ewig. Auch die Brennstoffzelle träumt schon seit Jahren von einer Verbilligung. Hier soll dann der Staat einspringen und mit Subventionen das finanzielle Loch füllen.
Mal als Beispiel: Eine Wasserstofftankstelle kostet 1,5 Millionen Euro und hat zudem jährliche Grundkosten. Für einen guten Investor sollte sich die Investition in 10 Jahren amortisieren. Pro Stunde können 20 kg Wasserstoff verkauft werden. Am Tag etwa 200 kg, im Jahr 60 Tonnen und in 10 Jahren 600 Tonnen. Allein der Tankstellenbetreiber müsste einen Aufschlag von 5€ pro kg nehmen um wenigstens ein bisschen Gewinn zu machen. So sieht es auch aus bei der Elektrolyseeinheit, beim Verflüssiger und beim Transport.
Zu Punkt 5
Wir sind eins der wenigen Länder die diesen Irrweg des Wasserstoffs unterstützen. Damit bleibt dem H2-LKW nur der Transportweg innerhalb Deutschlands. Auch nicht die schönste Zukunft.
Zu Punkt 6
Wasserstoff ist ein brennbares Gas und es ist höchst gefährlich. Wenn 80 kg Wasserstoff bei 300 bar explodieren sieht der Schaden schon größer als bei dem kleinen Experiment das da immer wieder angeführt wird. Man sollte sich mal die Bilder der explodierten Tankstelle in Norwegen ansehen.
Zu Punkt 7
Der Zeitpunkt eine Technologie einzuführen die eine regelrechte Energievernichtungskaskade unterstützt ist immer falsch.

Ich habe ja vollstes Verständnis, wenn Bosch sich die Fördergelder des Bundes sichern will. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Wenn dann am Ende auch kein Erfolg da ist, braucht man die Fördergelder auch nicht zurückzuzahlen. Aber der Bosch-Konzern arbeitet auch auf dem Gebiet der Lithium-Ionen-Akkus und sparsamen Elektromotoren. Bleiben irgendwann die Fördergelder für Wasserstoff aus stört das den Gesamtkonzern wenig.
Würde der Bund Fördergelder für die Erforschung einer neuen Glühlampe mit doppeltem Wirkungsgrad anbieten würde Osram sich da wahrscheinlich auch beteiligen.

Wolfgang:

Ich habe den Eindruck, die meisten Kommentatoren haben die Pressemitteilung der Firma Bosch nicht vollständig gelesen oder verstanden. Es ist nicht zielführend, nur schwarz oder weiß zu denken. Die je nach Anforderung richtige Kombination aus Batteriespeicher und Wasserstoff + Brennstoffzelle wird die sich zukünftig durchsetzen. Egal, was mancher Pseudoexperte hier so zum besten gibt.

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