Fraunhofer: VW E-Mobilitätswandel nicht zwingend mit Jobverlust verbunden

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Volkswagen AG

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Organisation und Arbeitswirtschaft IAO in Stuttgart hat ergeben, dass durch E-Mobilität und Digitalisierung der Beschäftigtenbedarf bei Volkswagen weniger stark sinken wird, als wissenschaftliche Studien für die Automobilindustrie bislang nahelegten. Zudem sei es so, dass die Möglichkeit besteht die Transformation der Belegschaft nachhaltig zu steuern. Vorausgesetzt VW leitet rechtzeitig die richtigen Maßnahmen ein.

Wie VW zu verstehen gibt haben die Wissenschaftler die Auswirkungen der Transformation auf die Beschäftigung bei Volkswagen untersucht. Auftraggeber der Studie ist der unabhängige Nachhaltigkeitsbeirat des Volkswagen Konzerns. Hierzu gibt Ex-DGB-Chef Michael Sommer (Beiratsmitglied und Schirmherr der Studie) folgendes zu verstehen: „Unsere Ergebnisse zeigen: Die negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung werden nicht so dramatisch sein wie befürchtet. Wir können das steuern.“ Frühere Studien sagten für den Umstieg auf Elektromobilität Beschäftigungsverluste zwischen 35 und 62 Prozent in der gesamten deutsche Automobilbranche bis ins Jahr 2030 voraus.

Die aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts betrachtet einen Zeitraum bis 2030 und geht hierbei auf die möglichen Beschäftigungsverluste durch Elektromobilität im Bereich der Fahrzeugfertigung als auch im Bereich der Komponentenfertigung ein. Dabei kommt das Forschungsprojekt zu dem Ergebnis, dass die Beschäftigungsverluste durch Elektromobilität in der Fahrzeugfertigung weitaus geringer ausfallen. Stärker betroffen ist der Bereich der Komponentenfertigung, da der Arbeitsaufwand für den elektrischen Antriebsstrang hier im Gegensatz zum herkömmlichen Antrieb sinkt.

Volkswagen AG

Vonseiten VW habe man bereits frühzeitig reagiert, da entsprechende strategische Gegenmaßnahmen ergriffen worden, um die Beschäftigungseffekte infolge der Elektromobilität abzufedern. Hierzu zählt zum Beispiel das Erschließen neuer Kompetenzfelder wie der Batteriezellentwicklung und –fertigung. Auch den zweiten Treiber des Wandels innerhalb des Konzerns, die „Digitalisierung“ habe man genauer betrachtet. Hier sei mittelfristig sogar zunächst mit einem Jobzuwachs zu rechnen, da die Umsetzung sehr komplex ist und entsprechende Ressourcen erfordert.

Bei Volkswagen hat das Team „Konzern HR Strategie und Innovation“ um Thymian Bussemer und Projektleiterin Ann-Kathrin Dohme die Studie über 18 Monate eng begleitet. Bussemer: „Diese Studie ist spezifisch auf Volkswagen zugeschnitten und bietet damit einen enormen Wert für das Unternehmen. Bisherige Globalstudien haben einen wahren Beschäftigungs-Tsunami durch E-Mobilität und Digitalisierung vorausgesagt. Die Untersuchung am konkreten Beispiel Volkswagen hat gezeigt: Die Realität ist komplexer. Wir erleben in den kommenden Jahren ein Nebeneinander von Auf- und Abbau, von Umqualifizierung und neu hinzukommenden Fähigkeiten. Die Studie hilft uns, diese bevorstehende Transformation proaktiv und beschäftigten orientiert zu gestalten.“

„Für uns als Forschungseinrichtung ist eine so intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit wie in dem Projekt mit Volkswagen besonders wertvoll. Sie gibt Impulse, die Transformation positiv zu gestalten und soll allen Akteuren im Ökosystem der Automobilindustrie Mut machen, Veränderungsprozesse offen und kooperativ anzugehen.“ – Prof. Wilhelm Bauer, Leiter Fraunhofer-Instituts für Organisation und Arbeitswirtschaft IAO

Hervorgegangen sind die Ergebnisse der Studie beziehungsweise des Forschungsprojektes aus gut einem Jahr Arbeit, in dem die Fraunhofer Forscher 60 Expertengespräche mit Vertretern aller Geschäftsbereiche bei Volkswagen geführt und über 30 Beschäftigtengruppen analysiert haben. Rund fünf Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt mit der Automobilindustrie zusammen. Bislang waren Studien über die Zukunft dieser Arbeitsplätze auf statistische Daten, globale Zahlen und Modellrechnungen aus der Gesamtindustrie begründet, die zu hohen Prognosen für den Beschäftigungsabbau geführt haben.

Daher gibt Projektleiter Dr. Florian Herrmann, Institutsdirektor am Fraunhofer IAO, zu verstehen: „Die Auswertung der unternehmensspezifischen Daten von Volkswagen zeigt, dass es keinen einheitlichen Trend der Beschäftigungsentwicklung für die nächsten zehn Jahre gibt. Je nach Bereich können neue Arbeitsplätze entstehen, wegfallen oder sich inhaltlich stark verändern.“ Die Kurzfassung der Studie und zentralen Ergebnisse findet man auf dieser Webseite.

Quelle: Volkswagen AG – Pressemitteilung vom 15. Dezember 2020

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Rene:

Hier eine weitergehende Information in welche Richtung es in Zukunft gehen wird.
Ein Vortrag von Tony Seba ist Professor an der Stanford Universität und unterrichtet Studenten.
Vortrag ist in Deutsch 30 min. Empfehlenswert
https://www.youtube.com/watch?v=KgymYCRWbis
In Englisch 63 min
https://www.youtube.com/watch?v=2b3ttqYDwF0

Kurt Werner:

Von Kritikern der Elektromobilität wird u.a. der Verlust von Arbeitsplätzen reklamiert. Was m.E. fehlt, ist eine Studie (am Beispiel VW) wie viele Arbeitsplätze ohne Elektromobilität in 2030 und schließlich in 2050 noch vorhanden wären. Also VW würde ohne zu berücksichten was auf dem Markt passiert-, bzw. welche Vorgaben und Restriktionen an Fahrzeuge destellt werden, einfach weiter machen wie bisher. Wie viele Arbeitsplätze hätte VW noch in 2040?

Strauss:

Obwohl die Autoindustrie auch künftig eine der sichersten Branchen sein wird, hat Fraunhofer Recht, dass es dort weniger Leute braucht. Ob das bei 12% liegen wird, hängt noch von vielen anderen Einflüssen ab, die wir heute noch gar nicht kennen.

Josef:

Was mir immer fehlt ist der Demoskopie Wandel. Leute in meinem Alter sind 2030 in Rente…sprich die Babyboomer sind weg, was Mio von Arbeitsplätzen sind. Junge Leute sollten schneller einen Job haben als sie bis 3 zählen können, da es schon jetzt nicht genug Bewerber für Lehrstellen gibt.

Wolfbrecht Gösebert:

„Die Auswertung […] zeigt, dass es keinen einheitlichen Trend der Beschäftigungsentwicklung für die nächsten zehn Jahre gibt. Je nach Bereich können neue Arbeitsplätze entstehen, wegfallen oder sich inhaltlich stark verändern.“

Oder vereinfacht:
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, wird’s Wetter anders oder es bleibt wie es ist! ;)

Letztlich kann der Hersteller durch Vergrößern der Fertigungstiefe Ausgleiche schaffen, die dann allerdings zu Lasten der Zulieferer gehen wird – und das wird sich IMO schon bis 2025 zeigen!

Die Lage des selbstständigen Pkw-Handels bzw. der -Werkstätten – die hier AFAIS ja nicht betrachtet wurden – schätze ich allerdings so ein, dass nach 2030 bis zu 50 % der Betriebe nicht mehr bestehen werden.

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