Umfrage zeigt hohe Zufriedenheit mit Deutschlands Ladeinfrastruktur

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EnBW

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Das Argument, dass Elektroautos sich niemals nie durchsetzen werden, weil die Ladeinfrastruktur so schlecht sein soll, hört man vor allem von jenen Leuten, die noch nie in ihrem Leben ein E-Auto gefahren sind. Der Automobilclub ACE hat deshalb gezielt Fahrerinnen und Fahrer von E-Autos zu ihrem Ladeverhalten und zu ihren Erfahrungen beim Laden befragt. Die Resonanz ist, anders als man es von E-Auto-Kritikern kennt, überwiegend positiv.

81 Prozent der mehr als 1200 befragten E-Mobilisten und E-Mobilistinnen sind demnach mit der Schnellladeinfrastruktur zufrieden. Diese positive Resonanz decke sich auch mit den Ergebnissen der ACE-Clubinitiative: Von den dort getesteten Schnellladestationen erhielten 97 Prozent eine gute bis exzellente Bewertung. Lediglich drei Anlagen fielen bundesweit durch, was auf ein hohes Maß an Qualität hinweist. An öffentlichen Schnellladestationen mit mehr als 50 kW laden nur 26 Prozent der Befragten regelmäßig, 7 Prozent mehrmals die Woche. 44 Prozent laden nur einmal im Monat öffentlich, 30 Prozent gar nicht. Am meisten stören die Ladenden die Kosten: 82 Prozent sagen, ihnen seien die Preise zu hoch. 55 Prozent hätten gerne mehr Schnellladesäulen zur Verfügung.

Auf Langstrecken dauern Ladestopps für knapp die Hälfte der Befragten zwischen 20 und 30 Minuten, was eine ideale Zeitspanne zur Erholung ist. Etwa ein Drittel pausiert sogar bis zu 45 Minuten während des Ladens. Die Ausstattung an den Ladestationen wird dementsprechend geschätzt: Toiletten (von 86 Prozent als sehr wichtig empfunden) und gastronomische Angebote (für 70 Prozent sehr wichtig), die laut ACE-Check bei rund 90 Prozent der Standorte verfügbar sind, machen den Ladestopp angenehm und komfortabel. Eine Überdachung der Ladestation verbessert für 58 Prozent der Befragten die Aufenthaltsqualität enorm. Ein Aspekt, der auch den ACE-Testerinnen und -Testern der Clubinitiative wichtig war. Leider war ein Dach bei drei Viertel der überprüften Schnellladeparks Mangelware.

Für die Mehrheit der E-Mobilistinnen und E-Mobilisten bietet die vorhandene Ladeinfrastruktur eine solide Basis: Nur 13 Prozent der Befragten berichten von häufigeren Problemen beim Laden. Die meistgenannten Komplikationen sind defekte Ladesäulen – etwa, weil sie außer Betrieb sind, der Ladevorgang nicht startet oder abgebrochen wird – oder zugeparkte Ladeplätze. Eine zu hohe Auslastung der Schnellladeparks scheint hingegen kaum ein Problem darzustellen: 80 Prozent der Befragten geben an, problemlos und ohne Wartezeiten laden zu können.

Stefan Heimlich, Vorsitzender des ACE, zeigt sich mit den Ergebnissen der Umfrage (hier als PDF mit ausführlichen Statistiken verlinkt) ebenfalls zufrieden: „Deutschlands Ladeinfrastruktur ist auf einem hervorragenden Weg und belegt, dass die Elektromobilität für die breite Nutzung vorbereitet ist. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Einsatz von E-Autos inzwischen alltagstauglich ist und die Infrastruktur mit der wachsenden Nachfrage Schritt hält. Jetzt geht es darum, dieses Fundament weiter auszubauen, um für alle, die heute oder in Zukunft elektrisch fahren, ein attraktives und komfortables Ladeerlebnis zu schaffen.“

Die E-Mobilität in Deutschland macht auch vor Camping-Fans nicht halt: Knapp 20 Prozent der Befragten geben an, mit einem E-Auto einen Anhänger oder Wohnwagen gezogen zu haben. Mehr als 90 Prozent hatten dabei eine positive Erfahrung. Entscheidend dafür ist das Vorhandensein ausreichend großer Parkplätze für Gespanne, die ein direktes Anfahren ohne Abkuppeln ermöglichen. Im ACE-Check waren solche Gespann-Parkplätze mit 15 Prozent noch eine echte Rarität. Dabei bedeuten sie nicht nur mehr Komfort, sondern sorgen auch für mehr Verkehrssicherheit, da die Gespanne nicht auf die Fahrbahn ragen oder andere Ladeplätze blockieren.

An der nicht repräsentativen Umfrage im Zeitraum vom 1. April bis 31. Juli beteiligten sich 1230 Personen, die ein E-Auto fahren. Die Teilnahme erfolgte über die internetbasierte Umfrageplattform SurveyMonkey und wurde während des Umfragezeitraums beworben.

Quelle: ACE – Pressemitteilung vom 21.11.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Gastschreiber:

Das Schöne ist, im Gegenzug der Medien, die viele für ihre Vorurteile nutzen, hier wird explizit darauf hingewiesen, dass diese Umfrage NICHT repräsentativ ist. Also sauber gespielt.
Dennoch kann es durchaus von Interesse sein, wenn man bspw. seine Mitglieder fragt die eine bestimmte Technologie nutzen.

Gastschreiber:

Aber auch darauf hinweisen, dass Ladepunkte nicht Tankstellen entsprechen und bei den 120K auch AC „Heimsteckdosen“ enthalten sind. Betrachtet man sich die HPC Punkte, ist es etwas pari. Die Tendenz passt. Tankstellen werden „umgerüstet“ oder fallen immer mehr weg.

Silverbeard:

Ziehen Sie von den 82 Millionen einfach mal diejenigen ab, die keinen Führerschein haben oder Fahruntüchtig/-unwillig sind.

1.200 zufällig Befragte aus einer Gruppe sind tatsächlich für ein seriöses Ergebnis ausreichend.
Wozu z.B. sollte man ÖPNV Nutzer zu Ladesäulen befragen?

Floofman:

Es passt noch nicht für alle, aber diejenigen, für die es passt, werden immer mehr.
Ich kann z. B. mangels eigenem Stellplatz auch nur öffentlich laden. Funktioniert in meiner Gegend aber wunderbar, 1x die Woche das Auto mal über den Nachmittag an die Säule ums Eck gestellt oder wenn ich sowieso einkaufen muss bei Aldi an den Schnelllader. Am Arbeitsplatz könnte ich auch laden, aber da nehme ich in der Regel nicht das Auto. Mein Auto ist weder ein Akkumonster noch lädt es herausragend schnell, aber die Ladeinfrastruktur ist zumindest in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden so dicht und gut beschildert, dass ich mir exakt gleich viele Gedanken mache wie mit dem Verbrenner: Keine.
Frankreich, Italien und UK sind etwas anders, die Infrastruktur ist durchaus vorhanden, aber oft schwerer zu finden. Geht aber auch. Und man liest es schon raus: Ich habe dieses Auto mittlerweile durch halb Europa gejagt und hatte nie nennenswert Probleme. Das schlimmste waren bisher mal 10 Minuten Wartezeit an einem Sonntagnachmittag zu Ferienende. Beim letzten Urlaub mit dem Verbrenner gab es die aber auch gerne mal an Tankstellen.

Matze:

Selten so gelacht… Sehr amüsant, wirklich. Aber inhaltlich gequirrlter Unsinn!

Matze:

Das deckt sich absolut mit meinen Erfahrungen. Ich fahre seit über 5 Jahren elektrisch und auch schon mal quer durch Deutschland. Einmal gab es die angegebene Läule noch nicht (war im Aufbau), ansonsten Null Probleme. Auch die Zeiten, wo eine einsame Ladesäule 200 m vom Klo entfernt im Dunkeln und ohne Dach vor sich hin gammelt, sind langsam vorbei! Meiner Erfahrung nach kann man immer überall laden. Jetzt müssen nur die Preise realistisch und nachvollziehbar gestaltet werden.

E.Wolf:

ca. 14.400 Verbrennertankstellen, Tendenz fallend
ca. 120.000+ öffentliche Ladepunkte, Tendenz steigend

Die Ladeinfrastruktur haben nur der VDA und andere Verbrennerlobbyisten immer negativ dargestellt – ein Schelm wer Böses denkt.

Robert:

Es macht keinen sinn Verbrennerfahrer über E-Ladesäulen zu befragen weil sie diese nicht benötigen und deshalb auch gar nicht wahrnehemn wie viele es schon gibt. da könnte man genausogut Männer über den Ablauf einer Schwangerschaft und der geburt eines Kindes befragen ist genauso sinnlos. Man muss schon diejenigen befragen die es auch betrifft

Klaus:

Sie haben recht, dass es nicht für alle passt. Aber es gibt genügend Fahrer, wo es passt. Ich bin sicher, es wird sich noch viel tun, z.B. Schnellladen in 5 min, so dass man zu Hause keinen Anschluss braucht, sowie bezahlbare und transparente Preise. Ich bin sicher, dass sich das Preisdickicht noch lichten muss. Dass man an der gleichen Säule je nach Karte Unterschiede von Faktor 3 hat, wird keinen Bestand haben.

Klaus:

Ich kann die Ergebnisse auch bestätigen. Ich habe in den letzten 2 Jahren erst einmal 5 min warten müssen. Häufiger sind tatsächlich defekte Säulen, oder zugeparkte Plätze in Innenstädten. Ich bleibe auf jeden Fall beim E-Auto.

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