BYD und CATL führen chinesische Allianz für Festkörperbatterien an

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Maria Glaser
Maria Glaser
  —  Lesedauer 4 min

Mit dem Bestreben, den Markt für Elektroautos gehörig umzukrempeln und den Durchbruch bei Festkörperbatterien zu schaffen, hat sich in China eine von der Regierung in Peking angeleitete Initiative aus nationalen Herstellern gebildet. Dazu gehören u. a. der Batteriekonzern CATL sowie der Elektroautohersteller BYD, beide branchenführend in ihren Geschäftsbereichen.

China ist bereits ein globaler Treiber in Sachen Elektromobilität. Nun intensiviert die Regierung der Volksrepublik unter Einsatz von künstlicher Intelligenz und anderer Technologien die Forschung und Entwicklung von Batterien der nächsten Generation. Die sogenannten Festkörperbatterien (engl.: All-Solid-State Batteries) versprechen eine höhere Energiedichte und vergrößern damit die Reichweite von Elektroautos erheblich. Außerdem sind sie sicherer, deutlich weniger entflammbar und können mehr Strom in einem kleineren Gehäuse speichern.

Im Rahmen der staatlich geleiteten Initiative sollen Festkörperbatterien in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Industrie kommerzialisiert werden. Das Ziel der sogenannten China All-Solid-State Battery Collaborative Innovation Platform (CASIP) ist es, bis 2030 eine Lieferkette für die neue Batterietechnologie aufzubauen. Die Batterien, bei deren Produktion dann chinesische Unternehmen im Mittelpunkt stehen sollen, sollen zudem global wettbewerbsfähig sein. Damit steigt der Druck auch in anderen Teilen der Welt, die Möglichkeiten in diesem für die Elektromobilität zentralen Bereich weiter zu erforschen.

Gründung von CASIP

Ende Januar wurde eine Zeremonie zur Gründung der Organisation in Peking abgehalten, wobei Vertreter:innen von Behörden, Industrie, Universitäten, Forschungsinstituten und Investmentfonds anwesend waren. Zudem sind auch regierungsnahe Forschungsinstitute und einflussreiche staatlich geförderte Fonds unter den Mitgliedern der CASIP.

Unter den Sprechenden war u. a. Ouyang Minggao, einer der Professoren an der Tsinghua-Universität. Minggao, der sich auf die Entwicklung von Technologien für die Automobilindustrie spezialisiert hat, betonte in seiner Rede vor über 200 Personen, dass China seinen Vorsprung bei Autobatterien verlieren könne, wenn es bei der Technologie von Festkörperbatterien den Anschluss verliert. Von großer Bedeutung sei daher das breit aufgestellte Konsortium, das sich mit Grundlagenforschung, Schlüsseltechnologien, der gemeinsamen Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen mit Festkörperbatterien sowie dem Aufbau einer entsprechenden Lieferkette befasst. Außerdem betonte Minggao die Wichtigkeit neuer Technologien in diesem Prozess:

„Die künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie wir Materialforschung und -entwicklung betreiben, und wird die Forschung und Entwicklung von Festkörperbatterien erheblich beschleunigen. Bis etwa 2030 werden wir eine größere Chance haben, einen Durchbruch bei der Industrialisierung von Festkörperbatterien zu erzielen.“ – Ouyang Minggao, Professor an der Tsinghua-Universität

Auch Miao Wei nahm von Seiten der Regierung an der Konferenz teil. Der stellvertretende Vorsitzende eines politischen Beratungsgremiums für Wirtschaftsfragen hatte auch in der Vergangenheit einflussreiche Posten, sowohl bei einem staatlichen Automobilhersteller als auch als chinesischer Industrieminister.

„Das Verhältnis von Fahrzeugen mit neuer Energie zu den Neuwagenverkäufen wird bis 2025 oder 2026 mehr als die Hälfte betragen. Wir sollten den großen Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben nutzen, um die frühe Industrialisierung von Festkörperbatterien zu realisieren.“ – Miao Wei, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes

Der Leiter der chinesischen Denkfabrik China EV100, Chen Qingtai, war ein weiterer Teilnehmer der Konferenz. Ihm zufolge haben Festkörperbatterien das Potenzial, das Kräfteverhältnis in der Branche zu verändern. Daher, so Chen, müsse ihnen in China Vorrang in der Entwicklung eingeräumt werden. Er habe von China als Kraftwerk der Automobilindustrie gesprochen, so ein Bericht zur Konferenz.

Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Industrie

Zu den teilnehmenden Unternehmen des Konsortiums gehören der Konzern CATL, der sich auf Batterieproduktion spezialisiert hat, sowie der Autohersteller BYD, der als Marktführer in China sowie als eine der größten Exportmarken des Landes gilt. Neben weiteren staatlichen Unternehmen sind außerdem FinDreams Battery, ein auf Batterien spezialisiertes Tochterunternehmen von BYD, sowie der Autohersteller Nio involviert.

Insgesamt sind sechs der zehn weltweit führenden Hersteller für Autobatterien an der mächtigen Initiative beteiligt, obwohl einige der Unternehmen untereinander in starker Konkurrenz stehen. So bringt die Kooperation beispielsweise die Unternehmen CATL und BYD zusammen, die im Bereich von Lithium-Ionen-Akkus stark konkurrieren. Außerdem hat CATL in der Vergangenheit andere Unternehmen des Konsortiums wegen Patentverletzungen verklagt.

Geleitet wird der Zusammenschluss CASIP vom chinesischen Ministerium für Industrie und Informationstechnologie und dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie. Außerdem sind die staatliche Aufsichts- und Verwaltungskommission für Vermögenswerte (SASAC) und die nationale Energiebehörde in der Leitung involviert.

Einfluss auf den Weltmarkt

Bisher waren die Toyota Motor Corporation und andere japanische Unternehmen führend in der Forschung und Entwicklung von Festkörperbatterien. Chinesischen Medien zufolge hat Toyota mehr als 1300 Patente für Festkörperbatterien, während chinesische Batterieunternehmen in diesem Bereich weniger als 100 Patente hielten.

Toyota plant etwa 2027, 2028 die Markteinführung von Elektroautos mit Festkörperbatterien und geht davon aus, dass eine kommerzielle Produktion nach 2030 möglich sein wird, während Nissan den Verkaufsstart für das Geschäftsjahr 2028 plant. Auch europäische Autohersteller wie Volkswagen und BMW arbeiten mit Start-ups für Batterietechnologien zusammen, u. a. in den USA, um diese Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Sollte es China mit dem neuen Konsortium gelingen, die Forschung und Entwicklung für die neue Batterietechnologie zu beschleunigen, dürfte der Wettbewerb im Bereich der Elektromobilität sowohl mit dem derzeitigen Spitzenreiter Japan als auch mit anderen Ländern nochmals einen Schritt zulegen.

Quelle: Nikkei Asia – CATL, BYD, others unite in China for solid-state battery breakthrough

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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Matthias Geiger:

China und Japan und insbesondere China haben hier einen entscheidenden Vorteil. Sie verzetteln sich nicht im Klein-Klein sondern klotzen. Deutschland reduziert sogar die Forschungsmittel. Naja die deutsche Autoindustrie möchte nachher wieder billig zukaufen. Das hat schon bei den PV-Modulen nicht funktioniert.

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