Ein Besuch im Tesla Diner in Hollywood: Der Apple-Effekt

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Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 4 min

So eine Markenwelt hätten andere Autohersteller womöglich auch gern: Elon Musk eröffnete vor einigen Wochen am Santa Monica Boulevard im Norden der Millionenagglomeration von Los Angeles den ersten Tesla Diner. Optisch nicht nur angelehnt an die Autowelt der 1940 / 50er, als Zehntausende von US-Amerikanern über die legendäre Route 66 in den goldenen Westen der USA reisten, sondern mit den beiden Großdisplays auch ein Open-Air-Entertainmentbereich der elektrischen Automobilneuzeit.

An diesem Dienstagmittag ist an der Adresse 7001 Santa Monica Boulevard nicht viel los. Der übliche Berufs- und Alltagsverkehr rauscht vorbei, während Pablo und Jack an der Einfahrt vom North Orange Drive keine Probleme haben, die Elektromobile einzuweisen. Auf den Parkplatz rund um den neuen Tesla Diner kommt nur, wer sein Elektroauto nachladen will. Das muss kein Tesla sein, denn auf dem Eckgrundstück holen sich derzeit auch ein Kia EV6 und ein Volvo EX90 ihre Energie für die nächsten Kilometer.

Die meisten Fahrer sitzen trotz der sonnigen 30 Grad Celsius Außentemperatur in ihren klimatisierten Elektrofahrzeugen, während die neuen V4-Charger den Strom geräuschlos in die Batteriepakete fließen lassen. Einige blicken zur Unterhaltung auf Smartphones und Displays im eigenen Auto, zumeist ein Tesla Model 3, während einige sich auf den beiden 20-Meter-Großdisplays eine Raumschiff-Serie anschauen.

30 der insgesamt 80 Schnelllader befinden sich rund um den Tesla-Diner, 50 weitere gleich daneben, sie lassen sich über die Sycamore Avenue in einer Minute zu Fuß vorbei an den Generatoren erreichen. Gleich gegenüber vom Diner selbst befinden sich – nicht unüblich in der Gegend – Filmstudios und Produktionsfirmen wie von Biscuit Filmworks, Native Pictures oder die Fire Mic Studios, bekannt für Musikaufnehmen und Synchronisationen. Vor dem Diner gibt es einen Einlass, und der wird nach alter Apple-Store-Manier von einem Security-Guard geschützt, der die wartenden Tesla-Jünger in kleinen Gruppen einlässt. Nicht, dass es im Erdgeschoss des Diners so voll wäre, dass man nur in Scheibchen Einlass bekäme und auch auf der großen Dachterrasse namens Skypad ist nicht viel los, doch es heißt eben, den neuen Hot Spot eben genau zu einem solchen werden zu lassen. Daher wohl der sehr freundliche Security-Guide.

Der zweistöckige Tesla Diner beinhaltet rund 250 Sitzplätze, doch es sind kaum mehr als 30 besetzt. Hier und da wird an einem Burger geknabbert und Pommes scheinen ebenfalls begehrt. Nach den ersten drei Wochen sind einige Gerichte wie das Rund-um-die-Uhr-Frühstück schon wieder von der Karte verschwunden. Doch der US-Fan wird kaum enttäuscht, denn Chili, Burger, Hot Dog, Coke oder French Fries sind eben jene Gerichte, die in einem typisch amerikanischen Diner geordert werden. Das Greek Yoghurt Parfait kostet neun Dollar, die warme Zimtschnecke sieben und für die beliebten Milchshakes werden acht Dollar aufgerufen – in den Geschmacksrichtungen Erdbeer, Schoko und Vanille – erstellt mit Strauss Organic Milk.

Tesla

Besonders einfach können die kulinarischen Genüsse vom Display im eigenen Tesla geordert und abgeholt werden. Auch das Kinoprogramm auf den beiden Großbildschirmen lässt sich jederzeit im eigenen Tesla abrufen. In den US-Foren machen Nachrichten die Runde, dass es mit dem deklarierten Rund-um-die-Uhr-Service im Diner nach der kurzen Anlaufphase nicht mehr weit her sei und es das Fast Food nur zwischen sechs und Uhr morgens und Mitternacht gäbe. Auf der Website gibt es einen ebensolchen Hinweis: der Diner serviert zwischen 6 und 24 Uhr – geladen werden kann aber rund um die Uhr.

Solarmodule auf dem Dach der Ladeplätze in der Sycamore Avenue sorgen dafür, dass Sonnenenergie zum Laden genutzt werden kann. Das allein soll bei dem Diner jährlich rund zwölf Millionen Kilogramm CO2 sparen. Nicht ganz überraschend, dass sich im Diner selbst in erster Linie Touristen und Neugierige befinden, denn die meisten Tesla-Fahrer warten lieben im eigenen Auto, bearbeiten Mails oder telefonieren. Wenig scheint heute im Merchandising Shop los zu sein, wo unter anderem eine Tesla-Bot Actionfigur, Shirts, Tesla Fruchtgummis, Trucker Kappen oder Autozubehör angeboten werden.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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