Volker Wissing stoppt die Förderung von Wasserstoff-Projekten

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Daniel Krenzer
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Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat mit sofortiger Wirkung sämtliche Förderungen seines Ministeriums von Wasserstoff-Projekten eingefroren. Hintergrund ist – wie bereits von uns berichtet – die Entlassung eines Abteilungsleiters. Dieser soll laut im Raum stehenden Vorwürfen Millionenförderungen bevorzugt an befreundete Unternehmer bewilligt haben.

In einen internen Schreiben durch Staatssekretär Stefan Schnorr habe Wissing nun verfügt, dass bis auf Weiteres keinerlei Fördergelder für Wasserstoff-Projekte mehr bewilligt werden dürfen, schreibt nun Spiegel online. Auch Änderungsbescheide für bereits laufende und geförderte Wasserstoffprojekte müssten zunächst separat bewilligt werden, heißt es ferner.

Zudem widerspricht der Spiegel der Darstellung des Ministeriums, dass die interne Untersuchung aufgrund teilweise nicht vorliegenden Mailverkehrs zunächst den Abteilungsleiter entlastet hätten. Schnorr selbst habe dies mehrfach so dargestellt. Spiegel schreibt dazu: „Tatsächlich aber wurden diese bereits am 1. November nach einer Anfrage des Portals fragdenstaat.de durch das Ministerium versendet – und damit über einen Monat vor Fertigstellung eines entsprechenden Revisionsberichts.“

Gute Freunde, gute Förderungen?

Inzwischen gibt es dem Bericht nach mehrere Verdachtsfälle, bei denen der gekündigte Abteilungsleiter große Fördersummen an befreundete Unternehmen bewilligt haben soll, mit denen er unter anderem auch privat in den Urlaub gefahren sei. In einem Fall seien vom Bundesverkehrsministerium 72 Millionen Euro an eine Wasserstofffabrik in Bayern geflossen. Ob dabei alles mit rechten Dingen zugegangen ist, soll nun offenbar genauer untersucht werden. Viel soll offenbar zunächst auf den Prüfstand gestellt werden, ehe wieder Fördergelder in Verkehrsprojekte zu Wasserstoff fließen dürfen.

Medien wie der Spiegel, das Handelsblatt und Lobbycontrol hatten den Stein zunehmend ins Rollen gebracht und auf womöglich fragwürdige Vergabemethoden hingewiesen. Dies hat Volker Wissing offenbar zunehmend unter Druck gesetzt, sodass der Sache nun nach anfänglicher Zurückweisung doch intensiv nachgegangen wird.

Seitens der Elektromobilitätsbranche waren zuletzt kritische Stimmen auch mit Blick auf das generelle Verhältnis von Wasserstoff- und E-Mobilitätsförderung vermehrt aufgekommen. So beobachte der Bundesverband Beratung neue Mobilität e.V. (BBNM) „sehr kritisch, was an Lobbyarbeit in Sachen Wasserstoff in den Bundesbehörden vor sich geht“, schrieb der Vorstand kurz bevor die Entlassung des Abteilungsleiters bekanntgeworden war.

Batterieelektrische Elektromobilität sei aufgrund seiner Effizienz klar vor der Brennstofftechnologie zu bevorzugen – im Pkw-Bereich sowieso, aber bis auf wenige Ausnahmen gelte das laut BBNM auch im Nutzfahrzeugbereich. „Wenn wir dann aber sehen, welche Fördersummen angesichts der knappen Mittel für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur im Verkehrssektor freigemacht werden sollen, dann müssen wir uns ernsthaft fragen, welche Interessen die Entscheidungsträger damit tatsächlich verfolgen“, führte der BBNM aus.

Quelle: Spiegel.de – „Affäre um Projektvergabe: Verkehrsministerium friert Wasserstoffförderung ein“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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Manfred:

Wasserstoff ist eher eine Infrastrukturaufgabe als ein verkehrspolitisches Thema. Etliche Bereiche benötigen grünen Wasserstoff. Das ist nichts für die „technologie offenen“ E-Fuel Porsche Flachpfeifen von der FDP. Sie blockieren und versaubeuteln jede wichtige Aufgabe zum wirtschaftlichen Umbau und zur Lösung der Probleme die Klimaschutz und Energiekrise mit sich bringen. Im Grunde so rückwärtsgewand und wissenschaftsfeindlich wie die AFD (Alternative für Dummies).

Dirk:

Der BBNM kann ja mal versuchen in einem Güterverkehrszentrum den Bedarf ak Kraftstoff über Strom zu decken. Die elektrische Anschlussleistung dieser Industriegebiete ist dafür nicht annähernd ausgelegt. Uns sobald ein LKW am Tag über seine elektrische Reichweite kommt, steigen die TCO aufgrund der Ladezeit.

Wolfbrecht Gösebert:

Zitat Krämer: „Es gibt viele weitere Gründe[,] Wasserstoff und seine Folgeprodukte im Verkehr zu fördern.“

Soweit es um landgebundenen Verkehre geht: Absolut NEIN, die gibt es nicht wirklich!
Die autonome Verfügbarkeit von Grünem Wasserstoff reicht absehbar NICHT mal für **wirklich wichtige Anwendungen** wie

• Gaskraftwerke für Dunkelflauten (obwohl deren *räumliche* Ausdehnung/Häufigkeit oft überschätzt wird!)
• Chemie-Rohstoffe
• industrielle Prozeßwärme
• Sauerstoff-Reduktion (z.B. Eisen-/Kupfergewinnung)

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link.springer.com/article/10.1007/s00501-015-0346-5

Steve Grünbauer:

Ideologisch in einer Glaubenswelt verfangen sind doch eher diejenigen, die volkswirtschaftliche und physikalische Zusammenhänge einfach in ihrer Argumentation ausblenden.

Eine Infrastruktur für eine grüne Methanol- und Ammoniak-Produktion im großen Stil, muss erstmal aufgebaut werden. Und ja das wird sie. Aber Abnehmer dieser Produkte wird die Chemische Industrie sein, die nur diesen einen Pfad zur Verfügung hat, um ihre CO2-Emissionen nachhaltig zu senken.

Eine Infrastruktur zur Verwendung dieser synthetischen Treibstoffe ist für PKW nicht existent und muss natürlich auch erst aufgebaut werden. Und wenn es nur um die Umrüstung tausender Tankstellen und Versorgungseinrichtungen geht. Zudem müssen natürlich die Motoren der Fahrzeuge angepasst werden.

Warum sollte man dann das teuer grün erzeugte H2 oder – auf diesem aufbauend – E-Fuels/SynFuels gerade im Pkw-Bereich in wirkungsgrad-suboptimalen Verbrennern verschwenden oder in teuren, komplexen und anfälligen Brennstoffzellen verwenden? Jedes Gramm H2, dass für PKW verschwendet wird, fehlt anderen Sektoren, die dann wieder auf den fossilen Pfad ausweichen müssen. Somit ist in PKW verwendeter Wasserstoff oder darauf aufbauende E-Fuels so lange nicht CO2-neutral, bis davon auch genügend für andere Sektoren vorhanden ist.

Und im angesprochenen Sonnengürtel der Erde gibt es Länder, die erstmal an sich selbst denken müssen. Das zur H2-Erzeugung benötigte Wasser muss irgendwo herkommen, die Infrastruktur muss gebaut werden, etc. pp. Dann doch lieber den dort günstig erzeugten Grünen Strom dafür nehmen, der Bevölkerung das in Entsalzungsanlagen erzeugte Trinkwasser zu gute kommen zu lassen und den Energiebedarf der dortigen Wirtschaft durch grünen Strom zu decken, als uns Holzköpfen den notwendigen Umstieg auf die Elektromobilität noch weiter zu verzögern.

Kraemer:

Dass Wasserstoff in Verbindung mit Brennstoffzellen oder Verbrennern im Verkehr nicht die Wirtschaftlichkeit von BEV’s erreichen wird ist sehr wahrscheinlich. Allerdings gibt es da noch die Folgeprodukte wie e-Ammoniak und e-Methanol. Bei Stromgestehungskosten von deutlich unter 1 Cent/kWh im Sonnengürtel dieser Erde können beide Kraftstoffe incl. Steuern an europäischen Tankstellen deutlich günstiger verkauft werden, als der Ladestrom an öffentlichen und privaten Ladeeinrichtungen.Umgerechnet liegt man dann bei ca. 25 Cent/kWh, wenn diese Kraftstoffe in einem elektrischen Fahrzeug mit Verbrennungsgenerator in Strom umgewandelt werden. Da können BEV’s nur mithalten wenn der Strom vom eigenen Dach kommt. Ferner sind reine BEV’s ab 50 kWh Akkukapazität bei der Anschaffung deutlich teurer. Das gilt auch für die Infrastruktur, da diese bei e-Ammoniak und e-Methanol bereits vorhandenen ist und das laden des kleinen Akkus keinen Sinn macht…..
Es gibt viele weitere Gründe Wasserstoff und seine Folgeprodukte im Verkehr zu fördern. Der BBNM ist da eindeutig Ideologie behaftet und deshalb auf beiden Augen blind

Stefan:

Die FDP wird wie eFuels auf dem Wasser treiben und versuchen, sich breit zu machen. Für eine 5% – X Lobby Organisation, hat sie zuviele Schlüssel Positionen.

Robert:

und hoffenlich wie die Titanic für immer in der versenkung bleibt diese Partei hat genug schaden für die nächsten 1000 Jahre angerichtet

Daniel W.:

Nun ist die FDP-Titanic gegen den Wasserstoff-Eisberg geprallt.

Ich hoffe, dass die FDP bei der nächsten Wahl genauso untergeht wie das weltbekannte Schiff.

Silverbeard:

Und ich dachte im ersten Moment Wissing wäre von Glauben abgefallen. Aber es geht ja nur darum, Gras über ‚eventuelle‘ Vorfälle wachsen zu lassen, bevor der Förderwahnsinn weitergehen darf.

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