Weitere Studie bestätigt Klimavorteil von E-Autos und Elektro-Lkw

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Zahl der Studien, die Elektroautos eine bessere Klimabilanz gegenüber Verbrenner bescheinigen, dürfte weltweit betrachtet deutlich dreistellig sein. In diese Reihe stellt sich nun eine aktuelle Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA, verlinkt als PDF).

Fahrzeuge haben nicht nur im Betrieb, sondern auch bei der Herstellung und Entsorgung eine Wirkung auf die Umwelt und das Klima. Laut der aktuellen UBA-Studie sind im Jahr 2020 zugelassene Elektroautos dabei um etwa 40 Prozent klimafreundlicher in ihrer Wirkung als Pkw mit Benzinmotor. Bei einem raschen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung steigt dieser Klimavorteil für im Jahr 2030 zugelassene Pkw auf rund 55 Prozent.

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Umweltbundesamt

Dazu sagt UBA-Präsident Dirk Messner: „Elektrische Fahrzeuge sind ein wesentlicher Baustein, um die Klimaziele in Deutschland zu erreichen. Um deren Anschaffung attraktiver zu machen, sollten künftig Pkw mit höheren CO2-Emissionen bei der Neuzulassung mit einem Zuschlag belegt werden. Nur so werden wir das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen E Autos im Jahr 2030 überhaupt noch erreichen können.

In der Studie wurden die Umwelt- und Klimawirkungen von Personenkraftwagen (Pkw) und Nutzfahrzeugen mit konventionellen und alternativen Antrieben detailliert und anhand des gesamten Fahrzeuglebenszyklus untersucht und verglichen. Der Klimavorteil von Elektroautos – so die Ergebnisse der Studie – steigt von 40 Prozent bei Zulassung in 2020 auf bis zu 55 Prozent für in 2030 zugelassene Pkw im Falle eines zügigen Ausbaus erneuerbarer Energien an. Der Klimavorteil bleibt demnach selbst dann bestehen, wenn sich der Anteil von aus erneuerbarem Strom hergestellten E-Fuels für Pkw mit Verbrennungsmotor in den kommenden Jahren deutlich erhöhen wird.

Nicht nur Klimawirkung untersucht

Bei einigen Umweltwirkungen ergeben sich für E‑Autos mit Zulassung im Jahr 2020 teilweise noch Nachteile. Vor allem die Auswirkungen auf Wasser (aquatische Eutrophierung) und Böden (Versauerung) müssen dem Klimavorteil bei der Nutzung gegenübergestellt werden.

Diese Nachteile der elektrischen Pkw sind größtenteils auf die noch fossile Strom­bereitstellung zurückzuführen. Im Zuge der bereits im Gange befindlichen Umstellung auf ein erneuerbares Stromsystem nehmen diese Nachteile immer weiter ab. Im Jahr 2050 liegt das Elektroauto bei allen untersuchten Umweltwirkungen vor Pkw mit Verbrennungsmotoren. Dann verursacht das Elektroauto gegenüber dem Benzin-Pkw beispielsweise auch eine um rund 27 Prozent geringere aquatische Eutrophierung.

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Umweltbundesamt

Daneben steigen durch die Elektromobilität die Bedarfe und der Abbau von teilweise kritischen Rohstoffen, beispielsweise Kobalt, Nickel und Lithium, an. Jedoch kann die Bereitstellung von Primärrohstoffen durch eine geeignete Kreislaufführung (z.B. Recycling) perspektivisch deutlich reduziert werden.

Für einen schnellen Hochlauf der Elektromobilität seien zielgerichtete haushaltsneutrale Maßnahmen vorteilhaft, so das UBA, wie etwa eine Reform der KFZ-Steuer, die im ersten Jahr der Zulassung eines Neuwagens einen Zuschlag für Pkw mit hohen CO2-Emissionen erhebt, wie sie etwa Frankreich schon vor einigen Jahren eingeführt hat. Dies könnte deutlich effektiver als die entfallene Kaufprämie wirken. Um die umwelt- und klimaschädlichen Wirkungen zu verringern und den Verkehr noch schneller klimaverträglich zu gestalten, bleibe aber auch die Verkehrswende mit Vermeidung, Verlagerung und Verbesserung wichtig. Jede vermiedene Pkw-Fahrt spare Strom oder Kraftstoff und schone Mensch und Umwelt – und wie eine weitere aktuelle Studie zeigt, auch die Nerven.

Lkw ebenfalls betrachtet

In der Studie wurde auch die Umweltbilanz von Lkw untersucht. Lkw, die verflüssigtes Erdgas (LNG) nutzen, haben weder bei Zulassung in 2020 noch in 2030 Vorteile gegenüber Diesel-Lkw. Bei elektrischen Sattelzügen stellen sich für 2030 zugelassene Fahrzeuge deutliche Klimavorteile ein. Aufgrund der hohen Fahrleistungen der Lkw ist die Nutzungsphase noch relevanter als bei Pkw – damit sind die Emissionen bei der Fahrzeug- und Batterieherstellung nicht so dominant.

Elektro-Lkw oder solche mit Oberleitung und Akku sind bei Zulassung in 2030 im Falle eines zügigen Ausbaus erneuerbarer Energien schon zu 73 bis 78 Prozent im Klimavorteil gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor; sonst sind es 55 bis 60 Prozent. Auch in 2050 verursachen diese Fahrzeuge weniger Treibhausgasemissionen als Verbrenner.

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Umweltbundesamt

Allgemein gelte: Um die Klima- und Umweltvorteile von elektrischen Fahrzeugen nutzen zu können, sei ein entsprechender Auf- und Ausbau von Ladeinfrastruktur dringend notwendig. Gerade bei Lkw sei hier ein rasches Handeln erforderlich, denn durch die reduzierte Lkw‑Maut für elektrische Lkw gebe es derzeit ein großes Nachfragepotential.

Die Studie „Analyse der Umweltbilanz von Kraftfahrzeugen mit alternativen Antrieben oder Kraftstoffen auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralen Verkehr“ wurde vom Umweltbundesamt (UBA) beauftragt und vom Ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg durchgeführt. Neben den Treibhausgasen wurden auch Energie-, Ressourcen- und Wasserverbrauch sowie die Schadstoffemissionen in Luft, Wasser und Boden analysiert.

Zusätzlich zu den direkten Umweltwirkung durch die Nutzung der Fahrzeuge wurden auch die Umwelt­wirkungen bei der Herstellung von Fahrzeugen, Kraftstoffen und Stromerzeu­gungs­­anlagen als sogenanntes „Hintergrundsystem“ detailliert bestimmt. Die Analysen wurden jeweils für Fahrzeuge, die 2020, 2030 und 2050 zugelassen wurden, durchgeführt.

Quelle: Umweltbundesamt – Pressemitteilung vom 01.02.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Wolfbrecht Gösebert:

„Für mich steht […] schon lange fest, das für mich nur noch ein verbrennerfreies Auto in Frage kommt. […] Das E-Auto wird ein gebrauchtes sein. Vielleicht werde ich nächste Woche schon zuschlagen.“

Nur zu :)
Den Einstieg mit einem gebrauchten (bei mir einem kleinen, leichten) eAuto habe ich schon vor 10 Jahren gemacht. Seitdem bin ich mit dem Motto: „Sich freuen, was elektrisch geht und nicht darüber jammern, was evtl. nicht damit geht!“ gut unterwegs.

Manfred:

Schön das es immer neue Studien gibt. Für mich steht in meiner Situation schon lange fest, das für mich nur noch ein verbrennerfreies Auto in Frage kommt. Mit PV-Anlage und Wärmepumpe der letzte konsequente Schritt.

Strom zu großen Teilen von der PV im Sommer und im Winter Windstrom zu großen Teilen von der Küste.

Das E-Auto wird ein gebrauchtes sein. Vielleicht werde ich nächste Woche schon zuschlagen.

Fahrstrom also ohne CO2 Emissionen bei der Erzeugung bei einer Fahreffizienz weit über 70 Prozent. Wie sollte da ein Verbrenner noch mithalten können? Auch bei E-Fuels oder Wasserstoffverbrenner.

DR. ULRICH SANCKEN:

„Das, was die meisten Spatzen schon seit langem von den Dächern pfeiffen, ist bei wenigen davon ja noch nicht angekommen :)“
Na, das versteht aber auch nur jemand, der hier regelmäßig die Kommentare verfolgt. Ansonsten Respekt, die Bemerkung ist schon recht subtil.

KaiGo:

Das Vorurteil wird sich trotz immer neuer gegenteiliger Studienergebnisse leider weiter hartnäckig halten. Der Schaden ist durch Lobby und Medien einmal angerichtet. Leider…

Daniel W.:

Auch interessant der Vergleich von Diesel-Sattelzügen und BEV-Sattelzügen 2030. Beim Diesel-Lkw sorgt alleine die Kraftstoffbereitungstellung (ohne den Diesel) bereits für einen etwas höheren CO2-Äq./km als beim BEV-Lkw die Herstellung der Akkus und des benötigten Stroms zusammen.

Oder anders gesagt – beim Diesel-Lkw kommt der CO2-Äq./km aus der Dieselverbrennung als Klimaschaden noch obendrauf im Vergleich zum BEV-Lkw.

Wolfbrecht Gösebert:

Das, was die meisten Spatzen schon seit langem von den Dächern pfeiffen, ist bei wenigen davon ja noch nicht angekommen :)

Vielleicht hilft das: Der gerechnete Emmisionsvergleich für Sattelzüge Typ FCEV und BEV ab 2030!
Beim Erstere ergeben sich über 900, beim Zweite unter 250 Einheiten … (Angabe in g CO₂-Äquivalenten/km).

Quelle c&p–>
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