Mercedes setzt weiterhin auf Luxus statt Masse

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Mercedes-Benz

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Ola Källenius, Vorstandschef von Mercedes-Benz, stellt in Kürze die neuen Modelle des Konzerns vor. Unter ihnen ist der Mercedes CLA, der als Hoffnungsträger in einer herausfordernden Phase gilt. Mercedes steht aktuell stark unter Druck: Die Verkaufszahlen sinken, der Aktienkurs lässt zu Wünschen übrig, und Sparmaßnahmen sorgen für Unsicherheit in der Belegschaft. In einem aktuellen Artikel fasst die FAZ die künftige Strategie der Stuttgarter zusammen, mit der es wieder aufwärts gehen soll.

Die Neuausrichtung unter Källenius begann vor knapp drei Jahren. Ursprünglich wollte der Konzern ab 2030 nur noch Elektroautos anbieten. Doch schwache Nachfrage und hohe Kosten für die parallele Entwicklung von Verbrenner- und Elektroautos erforderten eine Anpassung. Nun setzt Mercedes auf Flexibilität in der Produktion. Eine Entwicklung, welche die des gesamten Marktes widerspiegelt.

Die wirtschaftliche Lage bei Mercedes ist angespannt. Im dritten Quartal 2024 sank der operative Gewinn um fast die Hälfte auf 2,5 Milliarden Euro, die Sparte für Pkw verzeichnete einen Einbruch von 64 Prozent. Vor allem hochpreisige Modelle wie die S-Klasse und AMG-Varianten fanden weniger Abnehmer. Besonders in China hatte Mercedes mit seiner Preisstrategie Probleme. Auch für 2025 gibt es keine positiven Prognosen. Die Produktion der S-Klasse in Sindelfingen wird voraussichtlich nur noch in einer Schicht laufen.

Das Unternehmen passt auch seine Luxusstrategie an. Die anfängliche Konzentration auf exklusive Elektroautos soll abgeschwächt werden. Kunden bevorzugen weiterhin bewährte Modelle. Analysten beobachten, dass sich das Unternehmen auf bekannte Designs und hohe Preise konzentriert. Statt auf komplett neue Fahrzeuge setzt Mercedes darauf, bestehende Modelle aufzuwerten und ihr Image als Premiummarke zu stärken. Das Design der neuen Modelle wird ebenfalls angepasst. Ob dies auf Dauer der richtige Weg ist, gilt es unabhängig der weiter verfolgten Luxusstrategie zu bewerten.

Das Ende der Kompaktklasse bei Mercedes

Der Mercedes CLA, der ab Sommer erhältlich sein soll, steht als sichtbarer Pfeiler für den angestrebten Wandel. Er ersetzt die A- und B-Klasse, ist jedoch größer und teurer als seine Vorgänger. Dies markiert das Ende der Kompaktklasse bei Mercedes. Die Strategie des früheren Vorstandschefs Dieter Zetsche, durch preisgünstige Modelle junge Kunden anzulocken, wird damit aufgegeben.

Analysten sehen in diesem Schritt eine konsequente Entscheidung: Mercedes soll nicht jedes Marktsegment bedienen, sondern auf profitablere Autos setzen. Der CLA soll diese neue Ausrichtung verdeutlichen. Källenius betont die technische Entwicklung des CLA. Er basiert auf einer neuen Plattform, verfügt über eine Reichweite von bis zu 750 Kilometern und nutzt das neue Betriebssystem MB.OS. Analysten warnen jedoch davor, den Erfolg der Gesamtstrategie allein an diesem Modell zu messen. Langfristig zählen vor allem die E- und S-Klasse, da sie mit hochwertigen Ausstattungen die meisten Einnahmen generieren.

Gleichzeitig bereitet der Konzern ein umfangreiches Sparprogramm vor. Bis 2027 sollen mehr als fünf Milliarden Euro eingespart werden. Das Programm umfasst alle Unternehmensbereiche, von Produktion bis Verwaltung. Personalabbau wird dabei als wahrscheinlich angesehen. Betriebsratschef Ergun Lümali spricht von schwierigen Verhandlungen, da betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2030 ausgeschlossen sind. Es kursieren Berichte über einen Abbau von bis zu zehn Prozent der Stellen.

Trotz der Herausforderungen bleibt die finanzielle Basis von Mercedes stabil. Experten sehen in der langfristigen Strategie Potenzial. Analysten verweisen darauf, dass die Marke eine hohe Dividendenrendite biete und finanziell solide aufgestellt sei. Der Hersteller muss jedoch beweisen, dass die neue Strategie aufgeht und das Luxussegment weiterhin Wachstum bringt. Der Umbau des Vorstands soll frischen Schwung bringen. Der neue Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hat bereits Veränderungen eingeleitet. Mit neuen Verantwortlichen für das China-Geschäft und den Vertrieb setzt das Unternehmen auf eine dynamischere Ausrichtung. Experten bewerten diesen Schritt als Signal für mehr Agilität.

Ob die geplante Neuausrichtung gelingt, bleibt offen. Mercedes muss sich dem Markt anpassen und gleichzeitig seine Identität bewahren. Källenius sieht den CLA als Auftakt zu einer neuen Ära. Doch erst die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Hersteller seinen Platz im Premiumsegment langfristig sichern kann.

Quelle: FAZ – Wie der Mercedes-Chef um seine Luxusstrategie kämpft

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Hubertus:

ich kann es nicht mehr hören…..
Ja die Aktionäre erwarten mehr Profit….
Richtig, Mercedes zahlt aktuell 4,30€ Dividende…. verliert aber im aktuellen Jahr mehr als die Dividende ausgleicht. Jeder Anleger trägt doch auch ein gewisses Risiko, besonders seit Trump.
Wenn das alles so lukrativ ist, kratzen Sie Ihr Geld zusammen und investieren in Mercedes Aktien. Übrigens: vor 1 Jahr kostete die Mercedes Aktie noch 76 €, heute – 12 Monate später – hat die Aktie ca 15€ verloren, dafür bekommt der treue Anleger jedoch 4,30€ an Dividende. Unterm Strich noch ein Verlust von über 10 € je Aktie.
Wenn Sie glauben davon reich zu werden, nur zu, kaufen sie die Aktie MBG.de.
Viel Spass beim Zusehen, wie Ihr Investment immer weniger wird.

Holger:

Tja, das ist eines der vielen Probleme im Land und Mercedes macht mit! Es wird nur noch was für die Oberschicht getan. Für Otto-Normal-Bürger ist ein Mercedes schon lange nicht mehr zu bezahlen. Die Strategie nur noch auf Luxus zu setzen, wird sich nicht auszahlen. Schon lange nicht bei der Wartezeit und dem bescheidenen Service sowie der Verarbeitungsqualität. Ich fahre gerne MB, allerdings als Firmenwagen. Privat sind sie mittlerweile einfach vom Preis/Leistungsverhältnis viel zu teuer. Ja die Aktionäre erwarten mehr Profit…. Das ist auch eins der Grundprobleme hier. Aber die Strategie wird auf kurz oder lang nicht aufgehen.

Hiker:

Es tut mir in der Seele weh das zu lesen! Ich war viele Jahre ein treuer Mercedes Kunde. Es waren alles A oder B Klasse Fahrzeuge. Ich habe diese Fahrzeuge geliebt weil ich jeden Luxus dazubuchen konnte und trotzdem nicht mit einem von weitem erkennbaren Bonzenwagen herumfahren musste.

Dann 2018 wollte ich unbedingt ein Elektroauto. Der Mercedes Händler rümpfte nur die Nase und erklärte das sei nichts für Mercedes. Also wurde es notgedrungen ein Tesla. Anfänglich war ich sehr skeptisch gegenüber dem Nobody. Seither sind sieben Jahre vergangen und ich fahre immer noch Tesla. Habe aber Mercedes immer im Auge behalten.

Und nun das! Nur noch Luxuskarren. Und ich dachte, Mercedes werde die Kurve kriegen und endlich einen vernünftigen EQA bauen. Schade, ich wäre sofort zurück gewesen.

Max Burth:

Beispiel die jetzig gebaute S-Klasse hat schlechte Verkaufszahlen warum ? Wenn man sich die Berichte anschaut die im Netz zur Verfügung stehen, dann ist fast bei jedem eins sehr Auffällig ! Es wird sich über eine schlechte Qualität beklagt ! Wie blöde oder arrogant kann man sein die Preise total zu überziehen und dafür eine deutlich spürbare schlechtere Qualität zu verbauen !
Ein Hoch auf solche Genies !!!

Niko8888:

Bin nie Mercedes bzw Luxusautos gefahren und letztes Jahr aber mal zwei Tage einen EQE AMG

Was soll ich sagen, ich wollte nicht mehr aussteigen. Der ist ja förmlich über die Autobahn geschwebt 8-)

Hat auch was gutes „arm“ zu sein, dann kann man auch noch über Luxus so richtig freuen :+)

S. Eckardt:

Ferrari baut auch erfolgreich Luxus-Autos.
2023 mit weniger als 14.000 verkauften Autos (historischer Firmenrekord!) mit weniger als 5.000 Mitarbeitern (laut wikipedia).
Ist das das Ziel von Mercedes?

Das dürfte zuwenig sein, um Deutschland als Auto-Industrieland zu erhalten!

Sven:

Ich verstehe das, aber leider ist das bei Mercedes und anderen deutschen Herstellern nicht besser. Bei meinem Mercedes war nach einem Tag das Autoradio im Eimer. Dann musste ich 3 Monate auf das neue warten.
Qualität und Service sehen anders aus.

Rolando:

Ganz genau! Ich habe mich schon vor ca. 10 Jahren von Benz wg. der Qualität verabschiedet. Der Preis war immer zweitrangig aber wenn Service, Qualität usw. nicht mehr stimmen dann ist auch Benz nur noch zweitrangig.

Josef:

Bei der Strategie nur noch Luxus, bekomme ich „Metz“ und Co. nicht mehr aus dem Kopf.

Da die Konkurrenz aus Asien bei Fernseher immer größer wurde, sind die übrig Gebliebenen in Richtung Luxus geflüchtet…das Ergebnis, nicht mehr existent oder in einem immer kleiner werdenden Nischenmarkt.

Wenn man genau den Markt in China anschaut, dann sieht man das Luxus nicht weiterhilft, da das die Chinesen genauso können und in der Regel wesentlich mehr bieten als Mercedes und Co.. Alleine die großen Vans die jetzt dort „mode“ sind und Luxus-Sitze bieten, die es allenfalls in der Exclusive Variante der V-Klasse gibt…aber dann für 140k aufwärts…die Chinesen verkaufen das für 50k.

Derzeit liefern sie solche Autos häufig noch nicht nach Europa, ist aber nur eine Frage von Zeit…

Gegen die Manpower eines Milliardenvolks würde nur KI helfen als Multiplikator, um Köpfe auszugleichen…aber halt…da sind wir ja auch hintendran.
Mir fällt nur ein, beim Spiel mitzugehen und durch „Handel und Wandel“ am Erfolg der Chinesen mitzuverdienen.

Frank2:

Ich kann den Beitrag teilweise nachvollziehen – und ich bin vor ca. 4 Jahren (nach 25 Jahren Mercedes und BMW) auf eine koreanische Marke umgestiegen.

Aber inzwischen hat auch da die Realität eingesetzt und mein Nächster wird wieder ein Merc.

Warum?
Koreaner (und Chinesen?) sind toll (und vor allem billiger) solange nichts kaputt geht und die Garantie noch greift.
Aber selbst dann sind Wartezeiten auf Ersatzteile von 3-4 Monaten unterirdisch – das konnte BMW und Merc aber dann deutlich besser (in der Regel 48h).

Ersatzteilkosten sind auch bei vermeintlich billigen Marken (Hyundai) inzwischen in astronomischen Höhen angekommen – eine Türpappe für 1500.- CHF und eine Windschutzscheibe für knapp 4000.- Franken – das ist dann bei den deutschen Marken auch nicht schlimmer.

Wenn man noch die derzeitige politische Entwicklung mit einbezieht (Beispiel: America first – buy American) dann bin ich jetzt wieder soweit, dass ich meine Sachen wieder hier in Europa einkaufe.
Ist teuerer aber dafür haben meine Enkelkinder vielleicht auch noch in 10 Jahren einen Arbeitsplatz in Europa?

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