Maxus T90 EV: Erste Fahrt im ersten Elektro Pick-up Europas

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Maxus

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Jetzt werden auch in Europa die Pick-Ups elektrisch. Nachdem mit dem Ford F-150 Lightning das meistverkaufte Auto der Welt seit einem Jahr zumindest in den USA auch mit Elektroantrieb zu bekommen ist, kommt nun auch nach Europa der erste Elektro-Lademeister. Sein Name: Maxus T90 EV.

Anders als zu erwarten kommt der erste Elektro-Pick-Up für Europa nicht von Herstellern wie Ford, Volkswagen, Nissan oder Mitsubishi, sondern von Maxus. Maxus – nie gehört? Der Nutzfahrzeugspezialist gehört zum SAIC Konzern und der war auch im vergangenen Jahr mal wieder die Nummer eins in seinem Heimatland China. Mit immer mehr seiner Marken expandiert der China-Primus nunmehr auch nach Europa. Nach MG macht sich hier zunehmend Maxus einen Namen. Mit dem Maxus T90 EV kommt nunmehr der erste elektrische Pick-Up nach Europa und somit haben Bestseller wie der neue Ford Ranger oder der mit ihm gemeinsam entwickelte VW Amarok das Nachsehen. Auch sie sollen zur Mitte des Jahrzehnts als Elektrovarianten kommen, doch Maxus ist ihnen mit dem T90 EV einfach zuvorgesurrt.

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Maxus ist in Europa und speziell in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Bisher konnte sich die chinesische Marke in erster Linie mit ihren elektrischen Nutzfahrzeugen eDeliver 3 oder eDeliver 9 einen Namen bei Gewerbetreibenden machen. Maxus ist bevorzugt elektrisch unterwegs und bietet gegen die Konkurrenz aus Europa und Asien viel Nutzfahrzeug fürs Geld – das kommt bei vielen Gewerbekunden an. Nach der überwiegend angebotenen Weißware kommt nun erstmals etwas für Kopf und Herz – der T90 EV.

Angetrieben wird der Pick-Up von einem 133 kW / 177 PS starken Elektromotor an der Hinterachse. Flott geht es zwar vom Start weg zur Sache, doch wirklich bullig ist man mit 310 Nm maximalem Drehmoment nicht unterwegs. Die Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie stammt aus dem großen Transporter Maxus eDeliver 9 und sorgt mit einer Kapazität von 89 kWh für eine Reichweite von 330 Kilometern. Der Normverbrauch: 26,8 kWh / 100 Kilometer.

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Schwerer dürfte bei der Kaufentscheidung ins Gewicht fallen, dass der T90 EV zunächst nur mit Hinterradantrieb verfügbar ist – damit dürfte er für eine Reihe von potenziellen Kunden kaum infrage kommen, weil abseits befestigter Straßen nicht viel zu holen ist und er auch deshalb gerade einmal eine Tonne an den Haken nehmen kann. Andere Pick Ups bieten zwischen 2000 und 3500 Kilogramm.

Im Fahrbetrieb merkt man dem Maxus an, dass er von einem Verbrenner auf eine Elektroversion umgebaut wurde. Die Gewichtsverteilung wirkt sich unharmonisch auf das Fahrverhalten aus, da Masse auf der Vorderachse fehlt. Die Lenkung ist zu leichtgängig und es gibt wenig Rückmeldung vom jeweiligen Untergrund. Gibt es Spurrillen oder fährt der China-Truck über tiefe Schlaglöcher und zerborstene Pisten, kann das poltrige Fahrwerk kaum überzeugen. Vorne wie hinten federt der T90 EV hölzern und unharmonisch an; Gewicht auf der Ladefläche dürfte das poltrige Fahrgefühl jedoch zumindest hinter der Doppelkabine verbessern.

Der Fahrer kann über Taster auf der Mittelkonsole zwischen den drei Fahrmodi Eco, Normal und Sport wechseln, was sich ausschließlich in der Gaspedalannahme bemerkbar macht, da Fahrwerk und Lenkung unbeeinflusst bleiben. Im Innern gibt es großzügig dimensionierte Sitze vorne wie hinten, wobei die Qualitätsanmutung den T90 ebenso wie Lenkrad und Instrumente eher zu einem rustikalen Nutzfahrzeug denn zu einem Arbeitstier machen, das der Fahrer am Wochenende gerne für Freizeit und Familie bewegt. Lange Strecken verhindert nicht nur die mäßige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und die eher mäßige Reichweite, sondern auch die deutlich vernehmbaren Windgeräusche bei höherem Landstraßentempo. Praktisch ist dagegen nicht nur die großzügige Kabine, sondern auch die 1,49 x 1,51 Meter große Ladefläche, die größere Gegenstände bis zu 925 Kilogramm problemlos aufnimmt.

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Der ein oder andere Elektroinstallationsbetrieb oder auch Klempner dürften überlegen, ob der 5,37 Meter lange Maxus T90 EV ihnen nicht ein grünes Image verschafft, wenn man nahezu lautlos in die Kundeneinfahrt rollt. Vielleicht aber doch noch ein paar Monate warten, ehe die sinnvolle Allradversion folgt, die dann auch mehr Zuglast haben dürfte. Vielleicht wird dann auch bei Akkupaket und Ladegeschwindigkeit nachgelegt, denn 80 kWh Ladetempo sind im Jahre 2023 einfach zu wenig. An einer Schnellladestation wird das Batteriepaket im Unterboden in rund 45 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen.

Alternativ lässt sich der Pick-Up an der Wallbox im Betrieb anschließen und dreiphasig laden. Zu Preisen ab stattlichen 65.438 Euro gibt es nicht nur die Doppelkabine mit Platz für bis zu fünf Personen oder entsprechendes Gepäck, sondern auch Alufelgen, Trittleisten, Einparkhilfe / Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer und einen Ladeflächenschutz. Innen können die Insassen den 10,25-Zoll-Touch-Screen, Bluetooth oder Apple Carplay nutzen.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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MMM:

Guter Artikel, auch wenn ein 45 mph Mini-Pickup nicht die Antwort auf alle Fragen ist.
Die meisten Punkte sind auch gut auf SUVs übertragbar, und das nicht nur in den USA.

Peter Bigge von Berlin:

Zum Thema Pick-ups gibt’s auf electrek ein netten Artikel, warum in USA so viele davon gibt
https://electrek.co/2023/06/30/for-the-love-of-all-things-good-america-needs-smaller-electric-trucks/

Yoyo:

Der Klempner wird viel Spaß haben, einen Parkplatz in den engen Städten für seinen 5,37 Meter Blechhaufen zu finden.

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