BMW setzt weitere Elektro-Lkw in der Logistik ein

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die Elektrifizierung des Logistikverkehrs für die E-Komponentenfertigung bei BMW nimmt weiter Fahrt auf. Seit kurzem übernehmen zwei vollelektrisch angetriebene Lkw den Teiletransport zwischen einem Logistiklager und den Hallen der Hochvoltbatterieproduktion im BMW Group Werk Leipzig. Im Vergleich zu herkömmlichen Transportfahrzeugen mit Dieselantrieb sparen die beiden Elektro-Lkw insgesamt rund neun Tonnen CO2 pro Jahr ein, so der Hersteller in einer aktuellen Mitteilung.

Pro Arbeitstag fahren die zwei E-Lkw bis zu zwölfmal die insgesamt acht Kilometer lange Runde zwischen Logistikzentrum und den Werkshallen der Hochvoltbatteriefertigung. Das sind knapp 100 Kilometer, die jeder Elektro-Lkw täglich lokal emissionsfrei und leise zurücklegt. Die kurze Strecke eignet sich perfekt für den Einsatz der E-Lkw. Die beiden E-Laster transportieren Teile für die E-Antriebsproduktion – vor allem Batteriezellen und Batteriemodule – vom Logistikzentrum an der BMW Allee zu den Produktionshallen auf dem Werksgelände. Der Betrieb läuft in drei Schichten rund um die Uhr.

Seit 2021 werden im BMW Group Werk Leipzig E-Komponenten für das Produktionsnetzwerk gefertigt. Seit Anfang 2024 wird im Leipziger Werk der gesamte Prozess der Hochvoltbatteriefertigung der aktuellen 5. Generation abgebildet. Dieser gliedert sich in drei Prozessschritte: Zelllackierung, Modulfertigung und Hochvoltbatterie-Montage. Im sächsischen Werk wurden fünf Zelllackierungs-, drei Modulfertigungslinien und zwei Linien für die Hochvoltbatterie-Fertigung aufgebaut – auch für die eigene Produktion des Mini Countryman Electric, der im März Produktionsstart hatte. Aktuell sind rund 1000 Mitarbeitende in diesem Bereich tätig.

Neben den Hochvoltbatterien für den Mini Countryman Electric baut das Leipziger Werk auch Hochvoltspeicher und Batteriemodule für das BMW Produktionsnetzwerk für die vollelektrischen BMW-Modelle iX1, iX2, i4, i5 und iX.

Für die Hochvoltbatterieproduktion wurden die ehemaligen Hallen der BMW i3 und BMW i8 Fertigung umgebaut und um neue Gebäude ergänzt. Damit nimmt dieser Produktionsbereich eine Fläche von rund 150.000 m² auf dem Leipziger Werksgelände ein. Bis zu 300.000 Hochvoltbatterien können dort pro Jahr gebaut werden. Die BMW Group hat bisher mehr als 900 Millionen Euro in die E-Komponentenfertigung im Werk Leipzig investiert.

Für Werkleiterin Petra Peterhänsel ist die Inbetriebnahme der beiden E-Lkw ein weiterer Baustein in Richtung Zukunft : „Wir freuen uns, mit unserem langjährigen Logistikpartner, der Rudolph Logistik Gruppe, gemeinsam diesen Weg zu beschreiten. Die Transformation hin zur Elektromobilität und nachhaltiger Produktion betrifft nicht nur unsere BMW und Mini Fahrzeuge, sondern auch die Produktionsweise und Lieferketten.“

Emissionsreduziert und leise unterwegs

Die beiden vollelektrischen Lkw mit Lithium-Eisenphosphat-Batteriesystem (LFP), die für das BMW Group Werk Leipzig im Einsatz sind, kommen von der Schweizer Firma Designwerk. Laut Hersteller-Angaben bringen die vier elektrischen Antriebsmotoren in einem Elektro-Lkw 610 PS mit einer 3-fach höheren Effizienz als ein Diesel-Äquivalent auf die Straße. Im Betrieb verursachen die E-Lkw keine Emissionen und die Umwelt wird nicht mit Rußpartikeln, Stickstoffoxid (NOx), Kohlenstoffdioxid (CO2) und Motorlärm belastet. Studien zufolge erzeugt ein E-Lkw bei niedrigen Geschwindigkeiten in der Vorbeifahrt und in der beschleunigten Anfahrt rund fünf Dezibel weniger Geräuschemissionen als ein dieselbetriebenes Vergleichsfahrzeug.

BMW-Elektro-Lkw-Leipzig-Designwerk
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Geladen werden die E-Lkw in den Pausen der Fahrer. Die 340 kWh Batterien benötigen rund 1,5 Stunden Ladezeit, um 80 Prozent Batterieladestand zu erreichen. Laut Hersteller können die Batterien bis zu 3000-mal aufgeladen werden.

Technologieoffener Ansatz zur CO2-Reduktion in der Logistik

Der Einsatz von E-Lkw in der Logistik zählt zu den Maßnahmen des unternehmensweiten Projekts Green Transport Logistics. Dabei verfolgt die BMW Group das Ziel, Transporte innerhalb ihres weltweiten Produktions­- und Vertriebsnetzwerks emissionsreduziert durchzuführen. Es wurde dafür ein technologieoffener Ansatz gewählt, der CO2-­effiziente Energie­ und Verkehrsträger bevorzugt. Neben batterieelektrischen E-Lkw werden zunehmend auch Biokraftstoffe wie etwa HVO100 – hergestellt aus Rest- und Abfallstoffen – zum Beispiel am Standort München eingesetzt.

In der Produktionsversorgung in Deutschland wurde erstmals auch der Einsatz von Bio-LNG auf der Straße erprobt. Darüber hinaus ist die BMW Group an den Forschungsprojekten H2Haul und HyCET beteiligt, um Erfahrungen beim Einsatz von Wasserstoff in Lkw zu sammeln.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 18.10.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Bingo:

Ob sich das beim LKW alles so amortisiert ist noch fraglich. Wird sich zeigen. Ich habe vor kurzem einen Aldi-Trucker mit seinem e-Volvo-Truck vor einem Markt beim Ausladen gefragt, wie das „Dingens“ so läuft. Komfort kein Thema. Der LKW temperiert Tag und Nacht die Batterie. Schwankungsbreite zwischen Sommer und Winter jedoch 250 – 400 km. Wie der Vorredner schon sagt, alles eine Frage des Strompreises und der Haltbarkeit der Batterie.

Hans-Peter Leemann:

Die CO2 Einsparung von 9 Tonnen entspricht anders ausgedrückt einer Km-Leistung eines Mittelklassewagens von 50000 km im Jahr bei 185 g CO2 Ausstoss pro Km , ist ein winziger Beitrag aber bei weitem nicht umwerfend !!!!!

Daniel W.:

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Geladen werden die E-Lkw in den Pausen der Fahrer. Die 340 kWh Batterien benötigen rund 1,5 Stunden Ladezeit, um 80 Prozent Batterieladestand zu erreichen. Laut Hersteller können die Batterien bis zu 3000-mal aufgeladen werden.
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Kleine Rechung
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Diesel-Lkw mit Lärm und Abgasen

30 Liter Diesel auf 100 km mal 1,60 Euro/Liter wären 48 Euro.

– – – vs – – –

Batterie-elektrische Lkw leiser und ohne Abgase

340 kWh mal max. 200 Euro/kWh wären 68.000 Euro für Akkupacks.
68.000 Euro geteilt durch 3.000 Ladezklen wären 22,67 Euro/Ladezyklus.

340 kWh geteilt durch 120 kWh/100 km wären rund 280 km.
Bei 280 km und 22,67 Euro/Ladezyklus wären es Akkukosten von 8,10 Euro/100 km.

48 Euro Diesel/100 km minus 8,10 Euro Akkukosten/100 km wären 39,90 Euro/100 km.
39,90 Euro/100 km geteilt durch 120 kWh wären 0,3325 Euro bzw. 33,25 Cent/kWh Ladestrom.

Fazit
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Der Ladestrompreis müsste bei etwa 30 Cent/kWh liegen, damit sich E-Lkws schnell rechnen.

Wenn man die höheren Diesel-Wartungskosten berücksichtigt, dann dürfte der Ladestrompreis sogar etwas höher sein.

Der Ladestrompreis sollte in Zukunft unter 30 Cent/kWh liegen, was beim massiven Ausbau von PV, Windrädern und Netzen gelingen dürfte.

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