Bidirektionales Laden & PV-Anlage verdoppeln Autarkiegrad

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Eon

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Ein Projekt des Energieversorgers Eon zeigt Potenziale des bidirektionales Ladens für Privatpersonen mit Solaranlage: Das Pilotprojekt „Bi-ClEVer“, das Eon gemeinsam mit Partnern durchführt, hat gezeigt, dass sich der Autarkiegrad von Solaranlagenbesitzern mit E-Auto durch bidirektionales Laden mehr als verdoppeln kann. Bei dieser Technik fließt der Strom nicht nur in Richtung des E-Auto-Akkus, sondern kann bei Bedarf wieder aus dem Akku ins Haus oder Stromnetz geleitet werden.

Die Analyse hat ergeben: Mit einer PV-Anlage und einem E-Auto mit 42 kWh-Akku als Zwischenspeicher seien im Jahresdurchschnitt bis zu 51 Prozent Autarkiegrad möglich, wobei Winter, bewölkte Tage und Nächte eingerechnet sind. Neben der Energie, die für den Haushalt benötigt wird, wurde auch der Fahrstrom berücksichtigt. Um dieses Autarkie-Level zu erreichen, wurden die Ladezeiten des Elektroautos intelligent gesteuert, sodass der Akku möglichst nur mit selbst erzeugten Sonnenstrom geladen wird.

Ebenfalls untersucht wurde, wie sich ein zusätzlicher stationärer Batteriespeicher auswirkt: Damit lasse sich der Autarkiegrad der Pilotanwender sogar auf bis zu 59 Prozent erhöhen, so Eon. Abhängig von individuellen Faktoren wie Verbrauch, Nutzungsverhalten oder Größe von PV-Anlage und Speicher könne der jeweilige Autarkie-Wert sogar noch höher liegen. Zum Vergleich: Würde man im Fall der Pilothaushalte mit dem E-Auto auf alle Speichermöglichkeiten und optimiertes Laden verzichten, läge ihr Autarkiegrad durch die Erzeugung von Solarstrom bei rund einem Viertel.

CO2-Reduzierung von bis zu einer Tonne im Jahr

Bidirektionales Laden wird eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende und den Klimaschutz sein. Im Vergleich zu einem Haushalt ohne PV-Anlage und Stromspeicher, der mit dem deutschen Strommix beliefert wird, kann ein vergleichbarer Haushalt mit Solaranlage durch die Nutzung von bidirektionalem Laden auch ohne klassischen Batteriespeicher bis zu einer Tonne CO2 pro Jahr einsparen. Die Anwenderinnen und Anwender werden somit unabhängiger vom Energiemarkt und tragen aktiv zum Umweltschutz bei“, so Benjamin Jambor, Geschäftsführer Future Energy Home bei Eon Deutschland.

Bidirektionales-Laden-Autarkie-CO2
Eon

Das energetische und finanzielle Optimum für die jeweiligen Kundinnen und Kunden wird von einem Algorithmus automatisch herausgearbeitet und dann von der Steuereinheit, einem Energiemanagementsystem, umgesetzt. Somit erfolgen die Lade- und Entladevorgänge komplett automatisiert. Die Anwenderin oder der Anwender kann mittels App Vorgaben festlegen, wie etwa einen gewünschten Ladezustand des Fahrzeugs zu einer bestimmten Uhrzeit, einen stets einzuhaltenden Mindestladezustand oder ausschließlich solares Laden.

Die Erhöhung der eigenen Solarstromnutzung durch bidirektionales Laden ist besonders attraktiv für diejenigen, die eine PV-Anlage und ein E-Auto, jedoch keinen Batteriespeicher haben, da der ohnehin vorhandene Akku des E-Autos als Speicher dienen kann.

Weitere Kostenpotenziale möglich

Mark Ritzmann, Managing Director bei Eon Group Innovation gibt einen Ausblick auf die nächste Phase des Pilotprojekts: „Zur weiteren Optimierung der Ladetechnologie erproben wir zusätzliche technische Möglichkeiten: Dazu gehören fortlaufende Verbesserungen des Algorithmus – beispielsweise durch Wettervorhersagen oder durch die Analyse des individuellen Nutzungs- und Mobilitätsverhaltens der Hausbewohner. Durch die stetige Weiterentwicklung der Software wird es zukünftig noch mehr Optimierungs- und dadurch Einsparpotenzial geben.“

Weitere Anwendungsfälle, die neben der Autarkiegraderhöhung im Rahmen des Pilotprojekts bereits getestet werden, reichen vom Nutzen zeitvariabler Stromtarife bis hin zum Handel mit Strom. Denn perspektivisch könnten die Speicher von E-Autos als eine Art Schwarmbatterie fungieren, die mit ihrer bereitgestellten Flexibilität und intelligenter Vernetzung das Verteilnetz entlasten können. In ersten Pilotprojekten erzielten E-Autos pro Jahr Einnahmen im hohen dreistelligen bis zum Teil im vierstelligen Euro-Bereich.

Als wissenschaftlicher Partner begleitet ein Team der EBZ Business School das Bi-ClEVer Projekt durch kontinuierliche Datenauswertungen der Piloteinsätze und mit einem Digital-Twin Modell. Außerdem ist Bi-ClEVer angelehnt an das „Bidirektionales Lademanagement“ Projekt (BDL), an dem auch Bayernwerk, BMW und weitere Partner beteiligt waren. Die Anbindung von BiClEVer an BDL erfolgte über eine Verbundpartnerschaft mit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Das BDL-Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Träger des auf drei Jahre angelegten Pilotprojekts ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Quelle: Eon – Pressemitteilung vom 27.03.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Wolfgang M.:

Das halte ich derzeit eigentlich für die einzig praktikable Möglichkeit, bidirektionales Laden sinnvoll zu nutzen, allerdings mangelt es noch an E-Fahrzeugen mit ausbau- oder besser auswechselbaren Batteriepacks!!

Ich sehe immer das Dilemma, dass das E-Auto tagsüber nicht zu Hause steht, wenn die PV-Anlage voll powert. Daher muss ich dann voll einspeisen. Abends und nachts wiederum kann ich nichts einspeisen, weil keine Sonne scheint und daher der Auto-Akku wieder vom Netz geladen werden muss.

Ausserdem müsste die Einspeisevergütung hier deutlich angehoben werden, denn für 7ct/kWh würde ich auch nichts aus einer eigenen Batterie zurückspeisen, die ich tagsüber geladen hätte.

Wie hier 》ersten Pilotprojekten E-Autos pro Jahr Einnahmen im hohen dreistelligen bis zum Teil im vierstelligen Euro-Bereich 《erzielten, ist und bleibt mir ein Rätsel !!

Rene:

Mit einem zusätzlichen Speicher im Haus, mache ich mich Autark brauche keine Eon mehr. Das wird auch die Zukunft für Einfamilienhäuser sein, totale Unabhängigkeit für das Haus.

Günther Friedrich:

Ich finde die Betrachtung in ihrem Bericht sehr gut. Man sollte das Bidirektionale laden ausweiten auf zum Beispiel Arbeitsplatz. Tagsüber am Arbeitsplatz laden, den Strom mit nach Hause nehmen, das Haus betreiben und wenn es geht die Luft Wärmepumpe. Der Strom der dann nicht benötigt wird, könnte das Auto zu hören Preisen als tagsüber eingekauft, wieder verkaufen. Ein E Auto sollte immer angeschlossen sein und entweder Strom aufnehmen oder Strom abgeben. Mobilität, Stromtransport, Haus Versorgung, Netz Stabilisierung könnte das eAuto übernehmen.

Klaus:

Am besten funktioniert es, wenn man an den zwei sonnigsten Tagen im Home-office sitzt. Dann hat man genug Strom für die Woche. 10kWh PV-Speicher + 66kWh auf 4 Rädern. :-)

Mario:

Hey, vielleicht sollten die Arbeitgeber auch mal über Sonnenstrom und entsprechende Ladesäulen für die Mitarbeiter nachdenken.

Herwig:

Es sei denn jemand erfindet ein Strom W-Lan zum Laden
Man könnte doch einfach das WLAN nutzen, über das die E-Fuels aus Südamerika nach Europa geholt werden! Schliesslich sind die „bilanziell CO2-neutral“, also können sie nicht mit Schiff/Tankwagen transportiert werden…

Benjamin:

Oder Du nutzt an einem sonnigen Tag/Woche einfach mal Dein Rad und an einem weiteren den ÖPNV, wenn du keinen zweiten Tag mit dem Fahrrad schaffst

brainDotExe:

Fahrgemeinschaft bilden, wenn möglich.

Auto am Wochenende und an den Tagen laden, wo jemand anderes aus der Fahrgemeinschaft fährt.

Ulrich:

oder man bräuchte ja zwei E-autos

Da sehe ich keine Probleme angesichts der vielen Zweitwagen, die gerne u Hause rumstehen. ;-)
Wie auch immer, eine halbwegs gut positionierte und dimensionierte PV liefert nach dem typischen Feierabend noch einige kWh. Da muss man halt ein wenig rechnen.
Da die 4 Tage Woche auch keine Utopie mehr ist, reden wir über 4 Tage mit eingeschränkter Lademöglichkeit.

rotzlöffel:

Oder: man fährt ein EFZ, dessen Batterie modular aus beispielsweise zwei oder mehr ausbaubaren Batteriepacks besteht: eines oder zwei hängen an der Haus-PV zum laden, ein oder zwei (je nach erwarteter Fahrstreckenlänge) Batteriepacks befinden sich im EFZ.

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