Ausbau europaweiter Ladeinfrastruktur zu langsam für E-Mobilitätsziele

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat den Ausbau der Ladeinfrastruktur in 31 europäischen Staaten ausgewertet und daraus ein Ladenetzranking für Europa erstellt. Die Auswertung zeigt, wie viele öffentlich zugängliche Ladepunkte in einem Land in Relation zum Gesamtbestand an Pkw (Benzin, Diesel, Elektro u.a.) vorhanden sind. Je mehr öffentliche Ladepunkte es gibt, desto attraktiver ist es für den Verbraucher, auf Elektroantrieb umzusteigen. Den Spitzenplatz im Ranking nehmen die Niederlande ein, gefolgt von Norwegen und Schweden.

Deutschland rangiert zwar knapp vor Frankreich an zweiter Stelle bei der absoluten Anzahl der Ladepunkte, liegt aber bei Berücksichtigung des Pkw-Gesamtbestands noch unter dem Durchschnitt aller europäischen Staaten. Auch das Verhältnis von E-Automobilen zu Ladepunkten ergibt in vielen Ländern der EU einen Nachholbedarf.

„Eine europaweite Ladeinfrastruktur ist derzeit nicht vorhanden, der flächendeckende Ausbau liegt leider in weiter Ferne. Wenn die EU-Kommission überlegt, Neuwagen künftig nur noch mit Elektroantrieb zuzulassen, muss sie für ein flächendeckendes Ladenetz überall in Europa sorgen. Hierzu muss die EU-Kommission jetzt für alle Staaten verbindliche Ausbauziele festlegen. Dazu gehören Ladepunkte am Wohnort, am Arbeitsplatz, im Handel und auf öffentlichen Straßen, die alle mit 100 Prozent Ökostrom versorgt sein müssen. Wenn weder genug Ladepunkte noch ausreichend Ökostrom für den Individualverkehr zur Verfügung stehen, wird die Transformation zur Klimaneutralität nicht gelingen. Eine solche Fehlplanung seitens der EU-Kommission würde sehr viele Arbeitsplätze in vielen Ländern Europas kosten und die Freiheit der Mobilität für die Bürger erheblich einschränken.“ – Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie

Im europäischen Mittel kommt ein Ladepunkt auf 887 Pkw. Platz eins des europäischen Ladenetz-Rankings belegen derzeit die Niederlande mit 109 Pkw auf einen Ladepunkt (82.263 Ladepunkte bei 8.938.572 zugelassenen Pkw). Auf Platz 2 liegt Norwegen mit 147 Pkw pro Ladepunkt. Insgesamt sind in Norwegen 19.119 Ladepunkte registriert und 2.816.038 Pkw zugelassen. Platz drei geht an Schweden mit 353 Pkw pro Ladepunkt. Deutschland liegt mit 1014 Pkw pro Ladepunkt noch unterhalb des Durchschnitts und belegt trotz der bisherigen Bemühungen nur den zwölften Platz im Länderranking.

Die Reihenfolge im Detail: Niederlande, Norwegen, Schweden, Luxemburg, Belgien, Island, Schweiz, Österreich, Frankreich, Dänemark, Finnland, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Slowenien, Portugal, Irland, Ungarn, Slowakei, Estland, Kroatien, Italien, Lettland, Spanien, Malta, Tschechien, Polen, Bulgarien, Zypern, Litauen, Rumänien, Griechenland.

Das VDA-Ladenetz-Ranking für Europa umfasst die 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union plus Großbritannien, Island, Norwegen und Schweiz. Die Zahl der Ladepunkte beruht auf den Daten der von der Europäischen Kommission finanzierten europäischen Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe EAFO, mit Stand vom 1. Quartal 2021. Die Pkw-Bestände beruhen auf den Angaben der nationalen Zulassungsämter bzw. Verbände. Ein Ladepunkt ist als „Schnittstelle, mit der jeweils ein E-Fahrzeug geladen werden kann“ nach der EU-Richtlinie zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe AFID definiert. Das Ladenetz-Ranking stellt die im jeweiligen Land zugelassenen Autos aller Antriebsarten ins Verhältnis zu den Ladepunkten.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 28.06.2021

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Josef Wittmann:

Das schönste ist das der Gesamtbestand aller PKW ‚ s im Verhältnis zu Ladestationen gesetzt werden. Was für Deutschland bedeutet daß auf 1000 Autos eine Ladesäule kommt.
Nimmt man allerdings nur BEV’s und PHEV’s kommt auf 25 Autos eine Ladesäule.
BeiTesla funktioniert das bestens bei 35 zu 1.
Wo ist das Problem.

LG Joe

adson:

Das kann ich so nicht bestätigen! Bereits mehrmals habe ich den letzten freien, der 4 vorhandene Ladeplätze, belegt – an der einzigen Schnellladesäule der Stadt – und mit angesehen wie 1 bis 2 weiter eAutos erfolglos wieder von Dannen gezogen sind. Oder das ich an der Autobahn eine Schnelladesäule angesteuert habe und beide Ladeports noch mindestens 20 min. besetzt waren – die nächste in 36 km Entfernung. Aber man kann Verbesserungen erkennen und das ist gut so!

adson:

ARAL ist ja hier offensichtlich lernfähig! Hat sich hier an der A2, in kürzester Zeit (ca. 2 Monate) gleich 4 Ladepunkte mit Super-Schnellladung und mit vielen Ladekarten nutzbar hingebaut – super!

adson:

Und was ist mit Ionity? und ggf. EnBw?

Niko:

Unsinn! Ich fahre seit 2 Jahren elektrisch und im großen und ganzen funktioniert es gut.

Stadtwerke und Ladestromanbieter als „Räuber“ zu bezeichnen ist wirklich eine Frechheit von Ihnen.

Jan:

Die Ladeinfrastruktur ist doch gar nicht das Problem. Elektroautos haben aktuell lange Lieferfristen und werden schlecht geredet. Beides wird sich in den nächsten 24 Monaten von allein beheben. Aktuell wird ein solcher Hype um angeblich fehlende Ladesäulen gemacht. Im Jahr 2030 werden wir geschätzt 30 Mill. E-Fahrzeuge haben, die mit 300 kW laden, wenn sie nicht – was vermutlich immer noch 70% der Fälle sind – zu Hause laden. Mehr als 100.000 öffentliche Ladesäulen brauchen wir in Deutschland langfristig nicht. Alles was darüber hinaus jetzt aufgebaut wird, wird dann wieder abgebaut werden müssen. Das ist nicht ökologisch.

Daniel W.:

Die Lösung ist einfacher als gedacht – jedes Jahr den erlaubten CO2-Ausstoß der Neufahrzeuge senken und damit die Strafzahlungen der Hersteller erhöhen, wenn ihre Fahrzeugflotte mehr CO2 ausstößt.

Dann wird man staunen wie schnell die deutschen Hersteller, vermutlich im Verbund aller Fahrzeughersteller, die Hauptstrecken in Europa mit Ladestationen fluten, damit sich möglichst viele Leute ein E-Autos kaufen.

Der VDA und seine Mitglieder verstehen nur die Sprache des Geldes, also muss man sie dort packen wo es richtig weh tut und das ist beim Geld. Einfach höhere Strafen für den CO2-Ausstoß und die Marktwirtschaft wird den Rest schnell erledigen, darauf kann sich verlassen – alles Andere kostet unser Geld.

Lothar H.:

Ach Frau Müller, die Bundesregierung soll Stromtankstellen bauen? Warum eigentlich? Das Tankstellennetz der Verpenner wurden auch von SHELL, ARAL, ESSO usw. Komplett selbst und ohne Förderung gebaut. Und das soll jetzt auf einmal nicht mehr so sein?

Niro:

Mit der Einschätzung des VDA zum gegenwärtigen Zustand des europäischen Ladenetzes wird doch
klar ersichtlich, welchen Beitrag die deutsche Automobilindustrie im eigenen Land leistet. Einen zwölften Platz im Länder-Ranking ist doch kein Aushängeschild für Deutschland als Industrieland. Es ist doch Aufgabe der Autoindustrie, die nötige Ladeinfrastruktur zu schaffen. Der Staat muss nur die entsprechenden Rahmenbedingungen dazu schaffen. Die Kraftstoff-Tankstellen wurden auch nicht vom Staat gebaut, sondern von den Konzernen, die dabei kräftig verdienen. Die Arbeit der EU-Kommission ist diesbezüglich genauso mangelhaft.

Robert:

eine Frechheit vom VDA Jahrelang die E-Mobillität schlecht reden den Bürgern weissmachen das das alles nichts taugt und Teufelszeug wäre und sowieso nur eine Übergangslösung und ein vorübergehender Hype sei und alle auf e-fuels und wasserstoff warten sollen und jetzt der EU und der Regierung Fehlplanung vorwerfen weil sie jetzt erst ernsthaft mit Ladeinfrastruktur anfangen zu planen

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